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2013_Zither-Mag_1

„Was sollen wir machen? Uns ist so lang- weilig!“ Links im siebten Stock, erzählt man sich, bei dem alten Mann, gibt es heute Abend Musik. Sie schicken ein kleines Kind vor, das leise an die Tür klopft. „Herr Doktor Ringsgwandl, dürfen wir heut auf d‘Nacht zuhören?“ „Ja, zuhören dürft ihr, aber in die Wohnung kommt ihr mir nicht herein.“ „Aber dann hören wir ja nichts.“ „Ich laß‘ euch die Tür einen Spalt offen, ihr setzt euch ins Treppenhaus, das muß reichen.“ „Da ist es aber dunkel, da fürchten wir uns.“ „Dann bringt euch Kerzen mit!“ „ Können wir uns nicht mehr leisten, Ker- zen sind so teuer geworden.“ „Dann bringt halt Talglichter mit.“ „Wo gibt’s die denn?“ „Die macht ihr euch selber. Sag zu deiner Verwandtschaft, sie sollen zum Metzger ge- hen und sich ein Trumm Bauchfett heraus- schneiden lassen. Das lasst ihr daheim in der Pfanne aus und daraus gießt ihr euch die Talglichter.“ „Bringt das was?“ „Natürlich. Es ist hell und ihr schaut wie- der besser aus.“ Jahrelang war ich der Meinung, ich könn- te Frauen mit meiner E-Gitarre beeindru- cken. Wenn man sieht, wie lässig die amtli- chen Rockstars ihr Instrument in die Höhe recken, die langen Haare in den Nacken werfen und den Blick wie eine Leni Rie- fenstahl-Figur zum Himmel richten, würde man erwarten, dass hinter der Bühne schon eine Meute Topmodels darauf lauert, dem Protagonisten an die Wäsche zu gehen. Bei mir hat die Methode aber nie richtig funkti- oniert. Ich hatte mich schon entsprechend ausgestattet (schwarze Nietenlederjacke, enge Lederjeans, Muskelshirts), aber of- fenbar fehlte mir etwas, vielleicht machte ich auch irgendwas falsch, meine Ausbeute war jedenfalls enttäuschend. Andere fahren mit der E-Gitarre offenbar besser. Oder sie sind in puncto Frauen nicht so anspruchs- voll. Es soll auch Typen geben, die nur auf der Bühne posieren wollen und an Frauen gar nicht interessiert sind. Nach einer be- sonders missglückten Vorstellung in einem ungewöhnlich trostlosen Klub nahm mich schließlich eine erfahrene Dame beiseite: „Herr Ringsgwandl, warum machen Sie sich eigentlich so zum Deppen mit dieser E-Gitarre? Wenn Sie es auf die wirklichen Klassefrauen abgesehen haben, kommen nur drei Instrumente in Frage: Harfe, Quer- flöte oder Zither.“ Harfe kam nicht in Frage, weil mein Auto damals zu klein war. Quer- flöte erschien mir zu frivol, ich entschied mich für Zither. Eigentlich schon damals ein unmögliches Instrument, für mich aber ganz praktisch, weil ich zufällig ein Quartal vorher von einer befreundeten Dermatolo- gin eine Zither geschenkt bekommen hatte. Viele herbe Unterrichtsstunden und Blasen an den Fingern später wusste ich, dass die Dame in dem trostlosen Klub recht hatte. Seit ich Zither spiele, läuft es besser mit den Kontakten. Ich lerne Frauen von einer äußerlichen wie charakterlichen Güte ken- nen, wie sie einem sonst nur in anspruchs- vollen Fernsehmehrteilern begegnen. Nicht um zu protzen, nur der Illustration halber sei erwähnt, dass ich mich mit ei- nigen von ihnen so gut unterhalten habe, dass sie mich anschließend nach meiner Telefonnummer fragten. In einer mittleren Kreisstadt der nordöstlichen Rhön durfte ich sogar bei der Leiterin der Volkshoch- schule übernachten, - unfreiwillig. Die durchschnittliche Scheidungsquote in Deutschland liegt heute bei vierzig Pro- zent. Anthropologische Studien der Fich- tennadeluniversität Roida hinterm Walde zeigten allerdings, dass es Bevölkerungs- gruppen mit einer Scheidungsquote von praktisch Null gibt. Im Wesentlichen sind es drei Subgruppen, in denen Scheidungen Platten, Theaterstücke 1986 erschien seine erste Platte „Das Letzte“. 1989 „Trulla-Trulla“. 1992 „Vogelwild“ 1993 „Staffabruck“, (dazu jeweils ein Bühnenprogramm) 1994 „Die Tankstelle der Ver- dammten“, UA: Schauspiel- haus Köln. Dazu eine CD mit der Musik dieses Theater- stücks. 1996 Der Gaudibursch vom Hindukusch. 1998 Ludwig II.- die volle Wahrheit, Punkoper, UA: Münchner Kammerspiele. 2001 „Gache Wurzn“ 2004 „Prominentenball“, Musiktheater, UA: Bayer. Staatsschauspiel, München. 2005 „Alte Reißer und frisches Gwachs“ 2006 „Der schärfste Gang“ 2009 „Untersendling“ 2011 Das Leben und Schlimmeres, eine Sammlung von Geschich- ten, Rowohlt Verlag. 2012 Der varreckt Hof, Stubenoper, UA: Tiroler Volksschauspiele, Telfs. 20 | INNENANSICHT

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