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2013_Zither-Mag_1

es niemals zuvor ein so großes Interesse zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten an der Zither wie wäh- rend der vergangenen 20 Jahre. Diese positive Entwicklung wird mit wachsendem Interesse von überregionalen Medien wahrgenommen. In diesem Zu- sammenhang nicht unerwähnt bleiben sollte auch die gezielte Förderung junger und jüngster Zitherspielerinnen und -spie- ler durch den im Rahmen des Münchner Zitherfestivals ins Leben gerufenen Internationalen Wettbewerbs für Zither, den Ernst-Volkmann- Preis und den Nachwuchswettbewerb, wo ne- ben allen zugelassenen Sparten des Repertoires vom Jazz über Pop- und Volksmusik, Bearbeitungen alter und älterer Musik, originalerZitherliteraturdes19.und20.Jahrhundertsauchdie Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik in Form eines neukomponierten Pflicht- stücks eine zentrale Rolle einnimmt. Dank dieses Wett- bewerbs und anderer, teils noch sehr zaghafter Formen der Kommunikation etabliert sichallmählicheinenochsehr kleine, aber wahrgenommene Zitherszene im Übergang vom Laienspiel zur Profession. Aus der erfreulichen Tatsache, dass sich beim letzten Internatio- nalen Wettbewerb über 40 Nachwuchstalente und beim Work- shop 50 Jugendliche aus vier Ländern gemeldet hatten, spricht einiges für Zuversicht. Sich jetzt zurückzulehnen und auf den Lorbeeren auszuruhen, wäre zwar verbandstypisch, aber fatal für die Zukunft, denn was sind 40 junge Zithertalente gegen 2000 Anmeldungen für Klavier bei Jugend musiziert. VerglichenmitderEntwicklungdesKlaviers,dieseitJahrzehn- tenalsabgeschlossengiltundwomaninzwischenfieberhaftan verbesserten Silent Piano-Varianten arbeitet, damit die fort- schreitende Proletarisierung in den Mietskasernen deutscher Großstädte nicht durch Klavierlärm gestört wird, sofern sich dort überhaupt noch derartige Reliquien eines einst stolzen Bildungsbürgertums finden, hat die Weiterentwickung der Zither durch Ernst Volkmann zur Psalterform spätestens seit dem Ende der siebziger Jahre Instrumentenbaugeschichte ge- schrieben. Die Entwicklung einer Silent-Zither ist angesichts der gemessen an Klavier und Trompete geringen Lautstärke zum Glück nicht notwendig, an der klanglichen Verbesserung des Instruments indes wird stetig weitergearbeitet. Neben Georg Glasl, der diese Entwicklung entscheidend mitprägte, haben sich inzwischen viele Spielerinnen und Spieler für die Zithern des Kiefersfeldener Instrumentenbauers Klemens Kleitsch entschieden und spielen, wiederum in Anlehnung an Glasl, mittlerweile im Stehen, was der Präsenz des Inst- ruments, aber auch der In- terpretierenden eine neue Dimension verleiht. Noch einmal von außen betrachtet, stellt sich mir die Zitherszene als eine tief gespaltene dar: hier vereinzelt darbende oder extrem konservative, dort engagierte und couragier- te Landesverbände, hier eine mehrheitlich verkrus- tete und veraltete Szene mit einem unzeitgemäßen Repertoire und ohne jegli- che Zukunftsperspektive, dort eine aufgeschlossene, zukunftsorientierte und ex- perimentierfreudige kleine Szene aus jüngeren und älteren Spielerinnen und Spielern, hervorragend geführten Laiengruppen und professionellen und semiprofessionellen Zitherorchestern. Dazwischen Ein- zelkämpfer, teils im Cross-over-look, teils als hochbegabte Suchende, die nicht wirklich wissen, wo sie hingehören, weil es ihnen niemand zu sagen vermag oder weil sie falsch oder überhaupt nicht beraten wurden. Dass es zumindest auf struktureller und verbandstechnischer Ebene so nicht weitergehen kann, ist inzwischen vielen klar. Im Dachverband sorgen neue hitzige Köpfe gemeinsam mit erfahrenen, besonnenen für neue Strukturen und arbeiten äu- ßerst konstruktiv an der Zukunft der Zither in Deutschland. Erst wenn der Geist der Reformen in den Köpfen der Mitglie- der der gesamten Zitherwelt angekommen und akzeptiert wor- den ist, wird man von einem Wandel im Bewusstsein sprechen können. Ist dieses Ziel einmal erreicht, wird eine breitere Öf- fentlichkeit, die mit Zither inzwischen nur mehr den dritten Mann verbindet, die Impulse, die von ihr ausgehen, als etwas Innovatives und Kreatives wahrnehmen, werden wieder ver- mehrt Eltern in Musikschulen nachfragen, ob ihre Kinder dort Zither spielen lernen können, werden Verbände und Kulturin- stitutionen sich endlich von Klischees lösen und sowohl das Instrument als auch die Menschen und deren Szene dahinter als eine mitten in unserer Gesellschaft stehende Form kultu- reller Identität anerkennen können und bereit sein, sich dafür einzusetzen. Beinahe hätte ich mir erspart, damit zu schließen, dass die- ses Ziel am Horizont sichtbar wird, aber nicht klar ist, ob es dahinter verschwindet oder langsam näherkommt. „Von außen betrachtet stellt sich mir die Zitherszene als eine tief gespaltene dar“ Hochkonzentriert: die jungen und jüngsten Zitherspielerinnen und -spieler während des Internationalen Workshops in München 2012 Foto: Viktoria Zäch AUSSENANSICHT |33

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