Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

2013_Zither-Mag_1

Waldschützs Gesicht ab und an die Andeutung eines Lächelns huscht, wenn eine musikalische Wendung, sei es ein Thriller oder eine melo- dische Linie, besonders gut gelingt. Frech klingt es und selbstbewusst, wie es eben sein soll, wenn „ein illustrer Haufen von kecken Jüng- lingen echte Volksmusik lebt und zelebriert.“ Die Beschreibung zu dieser Selbststilisierung liefert Manu- el Kuthan, Wochen nach dem Auftritt der Kerschbam Musi auf dem Münchner Zitherfestival. „Wir machen halt alles mit viel Inbrunst für den Vortrag“, sagt er, während er in seiner Werkstatt in Neuorthofen im Landkeis Ebersberg Tee kocht. Den Hut trägt er hier auch. Und das Selbstbewusst- sein hat der Zitherspieler und Bildhauer ebenfalls nicht auf der Bühne zurückgelassen. „Ich bin durch und durch Künstler“, charakterisiert sich der 35-Jährige und lacht. An den Wänden der Werkstatt hängen Skizzen, Entwürfe von Figuren, auf Regalen stehen kleine Tonskulpturen. In der Ecke baumelt eine Marionette, darunter liegt ein halb- fertiger Christuskorpus. Im Nebenraum lagern überdimen- sionierte skurrile Holzplastiken, Fabelwesen, Überbleibsel vom letzten Schauschnitzen. Daneben, schräg gekippt, alte Kinostühle, die Sitzgelegenheiten des Pfuschthea- ters. Wer bei dem Begriff Theater an ei- nen festen Raum denkt, liegt aber falsch. Das Pfuschtheater zieht in einem gelben „Saurer“ durch die Lande, einem alten 135 PS starken Langschnauzer-Lastwagen aus der Schweiz, der vermutlich mindestens 25 Liter verbraucht und mit einer Bühne ausgestattet ist. „Freidwerk“ hat Kuthan die Werkstatt genannt, die er gemeinsam mit Stefan Wunsch gegründet hat. „Freid“ wie Freu- de. Die beiden schnitzen nicht nur unter einem Dach, sie sind auch gemeinsam mit ihrem fahrenden Theater unterwegs, um ihre Kunst unters Volk zu bringen. Das, was sie zu sagen haben, überneh- men handgemachte Puppen. Wo sind die eigentlich? Kuthan macht sich auf die Suche. „Die Ordnung in unserer Werkstatt findet sich jedes Mal neu“, philosophiert er, während er unter dem Werktisch Kis- ten und Kartons verschiebt. In der dritten Schachtel wird er fündig. Liebevoll zieht er Rudl heraus, sein Alter Ego. Nicht unbe- dingt des Aussehens wegen: Rudl ist näm- lich ein älterer Herr mit Halbglatze und Schnurrbart. Gut, er hat auch so lange Ko- teletten wie Manuel Kuthan, aber der Ohr- ring fehlt. Die Ähnlichkeit ist eher eine innerliche, denn er spricht - Kuthan stülpt sich die Puppe über den Arm und schlüpft sofort in die Rol- le – ein lang gedehntes, leicht larmoyantes Wienerisch. „Ich arbeite mit der Figur meine österreichisch-böhmischen Wurzeln auf.“ Denn seine Großeltern stammten aus Wien. Die Theaterstücke schreibt Kuthan selbst. Worum es in ih- nen geht? Der Bildhauer zuckt die Achseln. „Um ganz all- tägliche Konflikte.“ Der Rudl lebt nämlich mit Gorilla Man- fred – auch er taucht aus den Tiefen der Kiste auf - in einer Wohngemeinschaft. Weil Zusammenleben bekanntlich nur selten reibungslos klappt, liefern die Auseinandersetzun- gen der beiden viel Stoff. Manfred, der sich gezwungen sah, den Zoo wegen unhaltbarer Zustände zu verlassen, haart beispielsweise ziemlich, weshalb zu Rudls Ärgernis ständig der Ablauf in der Dusche verstopft ist. Ganz wie im richtigen Leben. Die Halbkörper-Puppen mit Kopf und Armen sind aus Schaumstoff gefertigt. „Anfangs habe ich den Schaum- D e r Mann m i t d e m H u t Die vielen Seiten desZitherspielers Manuel Kuthan von Sabine Reithmaier REPORTAGE |37

Pages