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2013_Zither-Mag_1

Ausflug in die Realität der Massenmedien

Ausflug in die Realität der Massenmedien Leopold Hurt hat sich den Film „Sound Of Heimat“ angesehen Der Darstellung von Musik im Medium Film und Fernsehen haftet immer etwas Unbefriedigendes an. TV-Aufzeichnun- gen von Adventssingen bis hin zu Live-Übertragungen von Opern-Festspielpremieren sind oft schwer genießbar, nicht zuletzt deswegen, weil man stets von der Bildregie der Sen- der abhängig ist, die das Geschehen nur ausschnittsweise vermitteln, zusammengepresst auf Bildschirm-Format. Ab- hängig von der Kameraführung wirkt das in dem einen Fall merkwürdig steif, im anderen unangemessen reißerisch und vom Inhalt ablenkend. Für Informationssendungen mit allgemein-feuilletonistischem Anspruch bleibt oft nur die letzte Konsequenz, auf Berichterstattung von musika- lischen Ereignissen zu verzichten oder sich mit oberflächli- chen Appetithäppchen zufrieden zu geben, da man sowohl dem ausgedehnten zeitlichen Ablauf als auch den künstle- risch-kulturellen Aspekten der jeweiligen Musikdarbietung nicht gerecht werden kann. Allzu reduziert geht es oft auch in abendfüllenden Doku- mentarfilmen zu, gerade wenn es sich um künstlerisch fra- gile, komplexe Thematiken wie „Neue Musik“ oder „Volks- musik“ handelt. Bestätigt wird dieser Eindruck von „Sound Of Heimat - Deutschland singt“, in dem Hayden Chisholm, ein junger schottisch-neuseeländischer Musiker, ergründen will, warum die Deutschen ein so gespaltenes Verhältnis zu ihrer Volksmusik haben. „Dieselben Menschen, die feuchte Augen bekommen, wenn ein alter Indio in den Anden zum tausendsten Male ‚El Cóndor Pasa’ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht“, so lautet die verkürzte These. Da wird ein säch- sischer Profi-Chor (Gewandhaus Chor Leipzig), der roman- tische Lieder von Friedrich Silcher anstimmt, mit Hip-Hop in kölschem Dialekt, Volkstanz-Veranstaltungen der Familie Well und Folksängern an der Flensburger Förde verglichen. Differenzierte journalistische Interviews fehlen. Die zent- rale Problematik der Kommerzialisierung im 20. Jahrhun- dert, das Thema institutionelle Volksmusikpflege, wie sie gerade im süddeutschen Raum eine große Rolle spielt, oder Unterrichts- und Nachwuchssituation werden nicht näher bearbeitet. Entstanden ist ein manchmal amüsanter, unauf- geregter, aber auch arg sentimentaler Road-Trip, der an je- der Station mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Die Er- kenntnis, dass Volksmusik überall anders klingt und dabei mehr mit regional überschaubaren Kulturlandschaften als einer nationalen Schule zu tun hat, ist doch schon länger bekannt. Mein Bedauern, dass die Zither wie andere Volks- instrumente auch keine Beachtung fanden, hat sich beim Verlassen des Kinosaales schnell verflüchtigt. Es ist ein wiederkehrendes Dilemma der Medien: Litera- tur kann man zur Not inhaltlich zusammenfassen, manche Bilder sind in wenigen Sekunden begreifbar. Doch welche Film- oder Fernsehredaktion leistet sich das Fachperso- nal, um musikalische Zusammenhänge in den knappen Zeitfenstern bewerten und plausibel darstellen zu kön- nen? Diesen Umständen will das von dem Komponisten und Theoretiker Claus-Steffen Mahnkopf geleitete Ins- titut „für Musik und Ästhetik“ jetzt entgegenwirken. Der Verbund von Musikern, Komponisten und Wissenschaft- lern möchte als Online-Feuilleton auch Dienstleister für die TV-Medien sein, um in beratender Tätigkeit Unterstüt- zung anbieten zu können. Man darf gespannt sein, ob die entsprechenden Konzepte des Instituts sinnvolle Früchte tragen. Ein künstlerisch hochwertiger Bericht über ein so besonderes Instrument wie die Zither wäre schon ein emp- fehlenswertes Thema. MAGAZIN |55

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