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2013_Zither-Mag_1

Giovanni Girolamo Kapsperger / Pia Grandl: Folia Als Sohn eines deutschen Adligen und einer vermut- lich italienischen Mutter wurde Kapsperger 1580 in Venedig ge- boren und gehört damit zur ers- ten Generation der in Italien be- ginnenden Epoche des Barock. Schon Ende 1604 ging der junge nobile alemanno nach Rom, wo er in päpstliche Dienste trat und bis 1546 für Kardinal Barberini arbeitete. Er starb 1651 in Rom. Unter dem Namen Giovanni Geronimo Tedesco della Tiorba gelangte er bald zu Ruhm und Ehre. Kapspergers zahlreiche Werke für Laute in 4 Bänden und für Chitarrone in 6 Bänden existieren nur in handschriftli- chen Tabulaturen, Griffschrif- ten auf 6 Linien, und blieben bis heute großenteils ungedruckt. Obschon sein Oratorien, Messen und kleinere geistliche Chor- werke umfassendes Vokalwerk heute in Vergessenheit geraten ist, hat er dennoch einen be- deutenden Platz als Komponist jener Werke erlangt, die er für sich schrieb und mit welchen er sich als junger Virtuose ei- nen Namen gemacht hatte und schnell über die Grenzen Ve- nedigs hinaus zu einem der be- deutendsten Lautenisten und Theorbisten seiner Zeit wurde. Pia Grandls Transkription der Partiten I-XIX für Diskant- oder Altzither, erschienen 2012 bei Edition Zither, erklingen, sofern sie auf der Altzither ausgeführt werden, in der Ori- ginaltonart g-Moll. Die zwölfseitige Ausgabe ist sehr sorg- fältig recherchiert und kommentiert und dürfte sowohl Laien als auch Kenner frühbarocker Musik mit Freude erfüllen. Auf zwei Seiten erfährt man neben biographi- schen Hinweisen zu Leben und Werk Kapspergers allerlei Bemerkenswertes: Vom Begriff der Folia als einem aus dem 16. Jahrhundert stammenden, zen- tralen harmonischen Schemata für die Epoche des musikali- schen Barock über die Darstel- lung der transkribierten Folia in einem Faksimileausschnitt mit anschließender Erklärung der Übertragungstechnik auf unsere heute gebräuchliche Notenschrift in zwei Systemen zu je fünf Notenlinien. Im wei- teren Verlauf gibt Pia Grandl Hinweise und Anregungen der Zusammenstellung der Sätze, sofern nicht die Einstudierung aller insgesamt 19 Partiten samt Folia geplant ist. Neben einer Auflistung der Kapspergerschen Zeichengebung im Hinblick auf die Ornamentierung der Sätze werden die spieltechnischen Besonderheiten der einzelnen Partiten beschrieben. Pia Grandl, die neben ihrem Hauptfach Zither bei Georg Glasl in München auch Block- flöte, Hackbrett und Volksmu- sik studierte, legt mit dieser im Rahmen ihrer Diplomarbeit entstandenen Ausgabe eine Bearbeitung vor, die in spiel- technischer und musikalischer Hinsicht einen bestens geeig- neten Einstieg in die Zupfmusik des 16. und 17. Jahrhunderts vermittelt. Der auf die wesent- lichen Aspekte konzentrierte Informationsgehalt dieser Aus- gabe bietet gerade auch jungen und im Bereich alter Musik noch unerfahrenen Spielerinnen und Spielern einen An- reiz, sich mit Spielfreude in das Abenteuer einer der be- deutendsten Epochen der Zupfmusik zu begeben und eine facettenreiche Musik für sich zu entdecken und vor dem Vergessen zu bewahren. Fredrik Schwenk Giovanni Girolamo Kapsperger/Pia Grandl: Folia Partita I –XIX für Diskant- oder Altzither solo Edition Zither, Waging 2012 Preis: 14,50 Euro Titelblatt der Kapsperger-Tabulatur 60 | REPERTOIRE

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