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2013_Zither-Mag_1

Wolfgang Amadeus Mozart/Gernot Sauter: Les Petits Riens In einem Brief vom 9. Juli 1778 an seinen Vater schreibt der zweiundzwanzigjährige Wolfgang Amadeus Mozart aus Paris: Wegen den Ballet des Noverre habe ich ja nie nichts anders geschrieben, als dass er vielleicht ein neues machen wird – er hat just einen halben Ballet gebraucht und da machte ich die Musique dazu – 6 Stücke werden von andern darin seyn, die be- stehen aus lauter alten miserablen fran- zösischen arien; die Sinfonie und Cont- redanse, überhaupt halt 12 Stücke werde ich dazu gemacht haben – Dieser Ballet ist schon 4 mahl mit größtem beyfall gege- ben worden – ich will aber izt absolument nichts machen, wenn ich nicht voraus weiß was ich dafür bekomme, denn dies war nur ein Freundstück für Noverre. Mozart, der die Ränke der Pariser Opern- und Theaterszene kaum zu durchblicken verstand, ahnte nicht, dass der vorge- gebene Einfluss des Ballettmeisters der Grande Opéra in Paris, Jean-Georges No- verre auf den Operndirektor Anne Pierre Jacques de Vismes zu gering war, als dass Mozart mit einem Opernauftrag rechnen konnte, nachdem er Noverre mit dem Bal- let Les petits riens einen Freundschafts- dienst erwiesen hatte. Im Journal de Pa- ris und in den correspondances des kunstsinnigen Barons Grimm werden die Oper und das pantomimische Ballett, jedoch mit keinem Wort die Musik erwähnt. Nach der Ur- aufführung der Ballettpantomime Les petits riens zusam- men mit Piccinis Opera buffa Les fausses jumelles am 11. Juni 1778 wurde das Programm nach sechs Aufführungen abgesetzt. Mozarts Musik geriet bis zur Wiederentdeckung der Partitur 1872 in der bibliothèque der grande opéra de Paris in Vergessenheit. Das Köchelverzeichnis, ein 1862 von Ludwig von Köchel zusammengetragener Werkkatalog sämtlicher Werke Wolf- gang Amadeus Mozarts, führt die Entstehungs- und Auffüh- rungsumstände der Ballettpantomime unter der Nummer 299b und 299c genauer aus, listet alle erhaltenen, mit gro- ßer Sicherheit aus der Feder Mozarts stammenden Sätze auf und belegt die jeweiligen Anfänge mit Notenbeispielen. Demzufolge sind neben der Ouvertüre 13 der insgesamt 20 Nummern von Mozart, während sieben weitere Sätze aus der Feder von Komponisten stammen, deren Identität bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Gernot Sauter, ein erfahrener und in der Zitherwelt bestens vernetzter Komponist und Arrangeur, hat unter der Werkziffer BV 456 - Zufall oder nicht: Eines der bedeutendsten Klavier- konzerte aus Mozarts Wiener Zeit trägt dieselbe KV-Nummer – folgende Sätze für chorisch besetzte Diskantzither 1 und 2, Alt- und Basszither bearbeitet: Nr. 2 Gavot- te – Andante (original für Streicher), Nr. 3 Andantino (original für Flöte und 2 Violi- nen) und attacca Nr. 4 Allegro (original für Flöte und 2 Violinen), Nr. 10 Pantomime (für Streicher), Nr. 12 Gavotte (original für Streicher) und Nr. 6 Gavotte joyeuse – Alle- gro (original für 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner und Streicher). Sauter belässt alle Sätze in der Original- tonart und riskiert an manchen Stellen raue Tonartenwechsel, die allerdings auch schon Mozart unbedenklich erschienen. Sauter dünnt den Satz bisweilen dort aus, wo Mozart größere Besetzung vorsieht und füllt auf, wo der Satz im Original zwei bzw. dreistimmig ausreichend, für Zitheren- semble jedoch sehr dünn wirkt. Durch die direkte Übertragung vor allem der ersten Violin-, seltener der Flötenstimme auf die erste Diskantzither sollte diese Stimme hochkarätig besetzt werden, um Mozarts technische Tücken weitestgehend im Ori- ginaltempo bewältigen zu können. Auch in den Mittel- und Un- terstimmen gibt es technische Klippen, die jedoch nach sorg- fältigerEinstudierungrealisierbarsind.Vorsichtistbeidenvon Sauter vorgegebenen dynamischen Angaben geboten, da Be- zeichnungen wie mf oder sf weder in Mozarts Autograph noch in der Bärenreiter- Gesamtausgabe zu finden sind. Ähnliches gilt für sämtliche Crescendo-Angaben. Obwohl Mozart unmit- telbar vor seinem Paris-Aufenthalt für einige Zeit in Mannheim weilte und dort vermutlich die berühmte Mannheimer Walze, also das stufenlose Anschwellen des Orchesters hören konnte, findet sich selbst in der dazu geeigneten Ouvertüre zur Ballett- pantomime keine Spur von Orchestercrescendo. Der Grund für Sauters Zusatzangaben liegt im besten Sinne eher da- rin, nach Art der Ausgaben früherer Zithermusik interpre- tatorische Hilfen zu geben, Bögen zu schaffen und größere Zusammenhänge zu stiften. Insgesamt bringt diese Bearbei- tung dank Mozarts jugendlicher Verve und Sauters großer Erfahrung als Arrangeur sehr viel Spielfreude. Schade nur, dass Sauter nicht noch weitere Sätze der Ballettpantomime für Zitherensemble bearbeitet hat. Fredrik Schwenk Wolfgang Amadeus Mozart/ Gernot Sauter: Les petits riens Eigenverlag Gernot Sauter Hambacher Str. 4, 70499 Stuttgart 64 | REPERTOIRE

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