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2013_Zither-Mag_1

Helene Hartman, Axel Rüdiger

Eine Zither gab es im Haushalt der Familie Letnar schon immer. Erst war es nur die Tante von Helenas Mut- ter, die das Instrument spielte. Das tat sie aber so enthusiastisch, dass die Mutter ebenfalls zur Zither griff und schließlich auch noch ihre achtjährige Tochter dafür begeisterte. Sie nahm sie mit zu ihrem Zitherlehrer Zvonko Podkoritnik, einem Pädagogen, dem es gelang, seine Schüler jede Stunde neu zu motivieren. Helena spielte 14 Jahre lang Wiener Stimmung und trat viele Jahre mit dem Ensemb- le „Zlate strune“ (Goldene Saiten) auf. 22-jährig nahm sie an einem Zitherseminar im Schloss Zeillern (Österreich) teil, lernte dort die Standard-Stimmung kennen und lieben. Bei diesem Seminar hörte sie zum ersten Mal Jazz, Alte und zeitgenössische E-Musik auf der Zither. Sie war so beeindruckt, dass sie schon während des Semi- nars die ersten fünf Saiten auf dem Griffbrett wechselte und anfing, mit der Standard-Stimmung zu spielen. Damals studierte sie bereits Geo- graphie und Deutsch und unter- drückte ihren Wunsch, Zitherleh- rerin zu werden. Die Zeiten seien damals noch ganz anders gewesen, erinnert sie sich. „Niemand sprach über Musikschulen und über Zither an Musikschulen schon gar nicht.“ Aber in ihrer Begeisterung über ihre Erlebnisse in Zeillern nahm sie sofort Kontakt mit Brigitta König auf, die am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium in Graz unterrichte- te. Noch im selben Jahr fing Helena an, in Graz Zither zu studieren. Nach ihrem Abschluss in Slowenien arbeitete sie erst als Geographie- und Deutschlehrerin, begann aber bereits, an der Musikschule in Rogaška Slatina Zither zu unterrichten. Sobald sich ihr die Mög- lichkeit bot, widmete sie sich aus- schließlich der Zither, für sie auch ein Teil der slowenischen Identität. Heute ist sie eine der erfolgreichsten Zitherlehrerinnen Sloweniens. Ein Grund dafür ist sicher, dass sie eine besonders einfühlsame, aufmerksame Zuhörerin ist, die jedem Schüler das Gefühl vermittelt, dass er – zumindest während der Zitherstunde – der aller- wichtigste ist. Sie selbst findet, das ent- scheidende Kriterium für guten Unterricht sei die eigene Freude am Musizieren. „Nur wer sie in sich trägt, kann begeistern.“ Auch wenn sie lieber musiziert, scheut sie vor bürokratischem Aufwand nicht zurück. Sie or- ganisierte mehrmals Zitherse- minare in Rogaška Slatina zu- sammen mit dem Slowenischen Zitherverein und arbeitete re- gelmäßig mit dem Münchner Zitherfestival zusammen, bei- spielsweise als es darum ging, das länderübergreifende Pro- jekt hide@park zu realisieren. Regelmäßig wirkt sie als Juro- rin bei Wettbewerben mit. Zu- sammen mit ihrer ehemaligen Schülerin Irena Zdolšek ent- wickelte die 39-Jährige bereits 2005 einen Zither-Lehrplan für die Mittlere Musikschule, der aber wegen zögerlicher Ministerialbeamter immer noch nicht genehmigt worden ist. Persönlich mag Helena Hartman – wie sie seit ihrer Heirat heißt - alle Stilrichtungen auf der Zither, ganz besonders diejenigen, die viel Temperament erfordern. Und ihre vierjährige Tochter Ana zupft jetzt auch schon ganz gern mit. Kein Wunder bei der Mutter. Text: Irena Zdolšek, Foto: Damjan Regoršek Begeistern durch einfühlsames Zuhören Helena Hartman zählt zu den erfolgreichsten Zitherlehrerinnen Sloweniens 72 | PROFIL

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