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2013_Zither-Mag_1

Auf die Frage, wie er zur Zither gekommen sei, antwortet der Musiklehrer und -therapeut Axel Rü- diger kurz und lapidar: „Es ging nicht anders!“ Das Instrument begleitet ihn schon seit seiner Kindheit auf Schritt und Tritt. Die Eltern Heidi und Kurt Rüdiger lernten sich im Casseler Zither- club 1875 beim Musizieren kennen und lieben. Außerdem schätzte die Familie Hausmusik über alles: Freunde kamen regelmäßig mit ihren Instrumenten zu Besuch. Und schon seine Groß- eltern hatten die Zither virtuos gespielt. Was blieb Axel Rüdiger also anderes übrig, als sich für die Zither zu interessieren. Früh begleitete er seine Mutter zu ihren Instrumentalkursen in ei- nem Kasseler Jugendhaus. Mit 14 Jahren führte er seine erste eigene Musikgruppe, mit 16 unterschrieb er einen Arbeitsvertrag mit der Stadt und unterrichtete Kinder und Jugendliche. Einen kurzen Versuch, der Musik zu entkom- men, gab es in seinem Leben auch: Nach dem Abitur begann Axel Rü- diger ein Geologiestudium. Doch als er feststellte, dass in der beruf- lichen Laufbahn als Geologe kaum soziale Aktivitäten möglich waren, wechselte er wieder zur Musik, studierte erfolgreich die Fächer Blockflöte, Alte Musik, Rhythmik und Klavier. Studien der Allgemeinen Musikerziehung und Ensembleleitung folgten. Nach einigen Jahren als Co-Leiter einer Musikschule in Nordhessen mit 1500 Schülern gab Axel Rüdiger die Stel- le auf und gründete mit seiner Frau Carola Rink 2000 die „Musikwerkstatt Anklang“ in Kassel. Vom Musikgarten bis zum Instrumentalunterricht bietet das heute fünfköpfige Kollegium eine breite Auswahl an Kursen an. Neben dem Unterricht ist Axel Rüdiger regelmä- ßig in Grundschulen und Kindergärten mit seiner Zither präsent. Er ist davon überzeugt, dass Musik den Menschen formen und erziehen kann. „Wenn der Tag für die Kinder in Kindergarten oder Grundschule mit Zither und gemeinsa- mer Musik beginnt, verläuft er deutlich friedlicher und konzentrierter“, findet er. Mit Hilfe der Springmann-Stiftung ist aus dem anfänglich ehrenamtlichen Projekt „Musik um 8“ eine institutiona- lisierte Veranstaltung mit Zither geworden, bei der Kinder sowohl das Instrument als auch Volkslie- der kennen lernen. Daneben arbeitet er seit fast 17 Jahren als Musiktherapeut mit Schlaganfallpatienten, Demenz- kranken und stark depressiven Menschen in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen. Durch gemeinsames Singen holt Axel Rüdiger die Patienten aus ihrer krankheitsbedingten Isolation he- raus. „Wenn die Sprachzentren im Gehirn versagen, bleibt der Weg über die Musik immer noch erhal- ten“, sagt er. In seiner freien Zeit arrangiert er Musik für unterschiedliche Ensembles. Besonders spannend war das Projekt „ensemble mo- dern“ im Jahr 2011 mit den Ins- trumenten Trompete, Zither und Geige. Geige und Trompete spielten seine Kinder Lot- ta (11) und Anton (12). Den Zitherpart übernahm sein Schüler Fabian Eicke. Das Trio erspielte sich bei Jugend musiziert einen zweiten Preis auf Landesebene. Abends freilich erklingt im Hause Rüdiger keine Musik mehr. Die gemeinsame Zeit nutzen die Familienmitglieder dann lie- ber für Gespräche. Text: Giedre Beckert, Foto: Werner Jirschitzka Die ganz besonderen Stärken der Zither Der Musiklehrer Axel Rüdiger setzt das Instrument auch zu therapeutischen Zwecken ein PROFIL |73

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