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2013_Zither-Mag_1

Volksmusik im Diskurs

U m nur ein paar Fra- gen aufzuzählen: Was ist Volksmusik überhaupt? Gibt es echte Volksmusik und unechte volkstümliche Musik? Muss sie dem Volk gefallen? Entsteht sie anonym oder hat sie einen Autor? Handelt es sich um einen Stil oder eine Traditi- on? Oder muss sie sich ständig weiter- entwickeln, um lebendig zu bleiben? Kann der Begriff Volk nach 1945 in Deutschland überhaupt wieder ver- wendet werden oder ist er noch zu sehr kontaminiert? Dem würde entgegen- stehen, dass seit der friedlichen Revo- lution der ehemaligen DDR-Bürger die Wendung „Wir sind das Volk“ wieder verwendungsfähig ist. Wäre es nicht grundsätzlich sinnvoller, von regiona- ler Musik, von landschaftsgebundener Musik sprechen? Oder sollte man an Musik der Landschaft anknüpfen, dem Titel einer Notenausgabe mit Liedern und Tänzen aus verschiedensten Regi- onen, von Niederösterreich, Ober- und Niederbayern bis zur Oberpfalz? Sofort stellt sich die nächste Frage: Sind die heutigen Mu- sikantenInnen in ihren Sing- und Spielweisen überhaupt noch regional eingrenzbar? Und - selbst wenn sie durch die Mundart noch einzuordnen sind - unterliegen sie nicht, was Instrumentierung, Harmonik und Melodik betrifft, über- regionalen Modeerscheinungen. Sind viele nicht allzu sehr vom Tradimix infiziert, spielen Folklore anderer Länder, rocken und rappen, produzieren Weltmusik und werden als mutige, weltoffene Musiker gefeiert, die die überholten Doktrinen der Volksmusikpfleger über Bord werfen? Und gilt Kiem Paulis Doktrin noch, dass echte Volksmusik nicht kommerziell sein sollte? Und was ist mit der „Volksmusik“ in anderen Kulturen? All dies ist zu diskutieren. Und wird es auch bereits seit dem Wintersemester 2009/10. In der von mir initiierten und be- treuten Reihe Volksmusik im Diskurs versuchen namhafte Referenten an der Hochschule für Musik und Theater München, Antworten zu liefern. Antworten, die, das zeigt die bisherige Erfahrung, im Anschluss lebhaft diskutiert werden. Der Volkskundler, Musiker und Kompo- nist Andreas Koll, der über Volkskünst- lerinnen bereits ein Buch geschrieben hat (erschienen bei edition monacen- sia 2008) befasst sich in seinem Vor- trag (8.5., 17.15 Uhr) mit den Volkssän- gern in München und der populären, volkstümlichen „Massenunterhaltung“. Von 1850 bis 1910 stieg die Einwoh- nerzahl Münchens von 100 000 auf 600 000. Eine Masse von Menschen verließ die Dörfer und suchte ihr Auskommen in der Stadt. Die Wohnverhältnisse wa- ren katastrophal, viele besaßen ledig- lich Schlafplätze. Wirtshäuser wurden zu Zentren des gemeinsamen Lebens. Hier tauschte man sich aus, hier wurde erzählt, gesungen und gelacht, hier ließ man sich unter- halten. Die Unterhalter der einfachen Leute nannten sich Volkssänger. Mit einem ganz anderen Thema beschäftigt sich Dr. András Varsányi (5.6., 17.15 Uhr). „Gamelan - Technologietransfer in Instrumentenbau und Musik“ lautet der Titel seines Vortrags, in dem es um die Musik der indonesischen Inseln Java und Bali geht. Beide werden aufgrund ihrer benachbarten geo- grafischen Lage und damit eng verbundenen Historie gerne in einem Atemzug genannt. In ihrer musikalisch vielfältigen Entwicklung schert der Außenstehende entweder alles „über einen Kamm“ oder erkennt keinerlei Zusammenhang. In die- sem Vortrag wird anhand ausgewählter Beispiele nicht nur die Struktur und Spielpraxis der Gamelanmusik beider In- seln dargestellt, sondern auch ein Einblick in die Instrumen- tation und die damit verbundenen instrumentenbautechni- schen Grundlagen gegeben. Georg Glasl Volksmusik im Diskurs Die Volkssängergesellschaft Stanzl Schwarz Foto: Karlstadt-Valentin- Musäum Kaum ein Begriff löst so viele falsche Assoziationen und Fragen aus wie das Wort Volksmusik. 74 | HOCHSCHULNACHRICHTEN

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