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2013_Zither-Mag_2

Zitherlehrerin Rosalyn Sabo

H eiß ist es, sehr heiß an diesem Nachmittag in der Waldkraibur- ger Musikschule. Die fünf Kinder, die hier sitzen, sind k.o., erschöpft von Schule und Hitze. Sieht nicht so aus, als würden sie darauf brennen, Zither und Gitarre zu üben. Im krassen Gegensatz zu ihrer Lehrerin, die übers ganze Gesicht strahlend den Eindruck vermittelt, sie könne sich nichts Tolleres vorstellen. Ro- salyn Sabo macht aber erst einmal nicht viel, sie lässt sich nur was vorspielen. Und ist begeistert von dem, was sie hört. Glaubwürdig begeistert. Sie lobt und lobt und lobt. Unmerklich verändert sich die Stimmung im Raum. „Los, schlag drauf“, sagt sie irgendwann zu Fabian, „bring’ da mal ein bisschen Rap rein.“ Sie schnipst mit den Fingern im Takt, geht locker in den Knien mit. Fabian, Johannes, Lisa, Jasmin und Jaqueline nehmen den Rhythmus auf, zögernd erst, aber dann beginnen die Klänge zu fließen. Die Hit- ze ist vergessen. Zwischendurch bleibt genügend Zeit, um Johannes' Haltung zu korrigieren. Er soll sich vorstellen, sein Kopf werde wie bei einer Marionette von einem Faden nach oben gezogen. „Dann kriegst du Spannung bis in den Daumen, sonst klingt es so lasch“. Rosalyn Sabo demonstriert den Unterschied, hängt krumm über der Zither, zupft ein paar matte Töne und richtet sich dann auf. Das klingt anders. Johannes ist ein wenig skeptisch, versucht es nachzumachen. Ja doch, es funktioniert. Nein, sagt sie später. Sie habe nie ein fertiges Konzept für den Unterricht. „So etwas würde ich gar nicht schaffen, da fehlt mir die Zeit.“ Sie lacht, ihr ganz spe- zielles, mitreißendes Rosalyn Sabo-La- chen und strahlt eine unglaublich anste- ckende Fröhlichkeit aus. „Ich begeistere die Leute gern mit einfachen Mitteln.“ Das Wichtigste sei doch, sich auf jeden Schüler einzulassen, ihn da abzuholen, wo er sich musikalisch gerade befindet. „Ich frage nicht viel rum, ich warte eher ab.“ Irgendwann erzählt er schon, was er mag und welche Musik er gut findet. Manchmal ist er dann verblüfft, wenn seine Lieblingshits auf der Zither auch wiederzugeben sind. „Das ist mein Credo: Mit der Zither kannst du alles spielen.“ Das wollte sie schon beweisen, als sie selbst noch Anfängerin war. Faszinierend an der Zither fand sie vor al- lem eines: „Zitherspie- len konnte nicht jeder, das war etwas ganz Besonderes.“ Dass sie, um sich die- ses Alleinstellungsmerkmal zu sichern, auch verstärkt üben musste, gefiel ihr weniger. „Das finde ich heute noch eher unfair. Bei anderen Instrumenten spie- le ich alles vom Blatt, hier muss ich die Töne suchen.“ Dass sie überhaupt zur Zither fand, hat viel mit ihrem Vater zu tun. Als Rosalyn in der dritten Klasse war, fand in Wald- kraiburg eine Unterschriftenaktion zu- gunsten der Gründung einer Musikschu- le statt. Ihre Eltern unterschrieben und meldeten die Tochter gleich dreifach an: Der Chor war eine Selbstverständlichkeit für die musikalische Familie. Klavier suchte sich Rosalyn aus. Als drittes hätte sie gern Geige gelernt, aber das Instru- ment war schon an eine ihrer Schwestern vergeben. Dann also Zither, schlug der kroatische Vater vor, der sich wünschte, dass wenigstens eines seiner vier Kin- der ein Instrument lernen sollte, dass klanglich mit der neuen Heimat Bayern verbunden war. Rosalyn kannte zwar das Instrument – zu Hause hing eine Kratz- zither an der Wand - aber Zithermusik fand sie eher langweilig. „Ich kannte nur den Dritten Mann und wusste, dass in den altmodischen Sisi-Filmen Zither vor- kam.“ Aber als sie in einer Gruppe mit zwei älteren Mädchen zu lernen begann, pack- te sie der Ehrgeiz. Die Lehrerin ließ die Schülerinnen um die Wette spielen. Wer die meisten Stücke ohne Fehler schaffte und die Konkurrentinnen überflügelte, erntete das höchste Lob. „Keine tolle Unterrichtsmethode“, sagt Rosalyn und verzieht ihr Gesicht. „Und die Literatur konnte man komplett vergessen.“ Mehr brachten die Volksmusikantentref- fen, die sie mit ihrem musikbegeisterten Vater besuchte. Jede Woche mindestens einen Hoagarten. „Glaubt mir heute kei- Begeistern mit einfachen Mitteln Die Erfolgsrezepte der Zitherlehrerin Rosalyn Sabo aus Waldkraiburg von Sabine Reithmaier In unserer Familie war nie eine Musikrichtung wertvoller als die andere 10 | REPORTAGE

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