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2013_Zither-Mag_2

übergesprungen, weshalb Angelina lieber noch Gitarre lernt. An dem heißen Nach- mittag in der Musikschule übernimmt die Kleine kurzerhand die Perkussion. Rhythmus ist etwas Elementares, Un- verzichtbares im Unterricht von Rosalyn Sabos. Und Hitze kein Grund, um auf Rhythmusübungen zu verzichten. Trotzdem fällt es auch ihr nicht leicht, die Kinder bei der Stange zu halten. Au- ßer in Waldkraiburg unterrichtet sie in Mühldorf und hat zudem private Schüler. Anfänger für die Zither zu motivieren sei relativ einfach, sagt sie. Das sei einfach eine Frage der Werbung. „Ohne E-Zither brauche ich aber nirgendwo mehr auf- kreuzen.“ Der beste Lehrer könne aber die Tatsache nicht leugnen, dass das Ins- trument im Vergleich zu anderen schwie- riger zu lernen ist. „Die ersten zehn Stun- den sind die Kinder voller Begeisterung dabei, dann wird es hart.“ Was einem Run auf die Zither ebenfalls im Weg steht, sind die Instrumentenpreise. „Die meisten Eltern fragen als erstes danach.“ Und versuchen oft nach den Schnupper- stunden, ihre Kinder auf günstigere Inst- rumente umzulenken. „Immer, wenn jemand aufhört, denke ich, es liegt an meinem Unterricht“, seufzt Rosalyn. Aber es liegt wohl auch am Zeit- geist, daran, dass heute alles sofort Spaß machen muss. Schwierige Zeiten für ein Instrument, das sich nicht für schnelle Anfangserfolge eignet. Wer früher das erste Jahr durchhielt, machte weiter, sagt Rosalyn Sabo. Inzwischen häufen sich auch bei begabten Zitheristen die Abmel- dungen, weil die Schule zu viel Zeit und Kraft kostet. Von Jahr zu Jahr wird es mühsamer, die Kinder davon zu überzeu- gen, sich an Wettbewerben wie Jugend musiziert zu beteiligen. „Früher musste ich niemanden überreden, heute schon.“ Noch etwas ist ihr aufgefallen: Es dauert inzwischen oft ewig, bis eine Zither neu besaitet wird. „Da kann ich mich mir wo- chenlang den Mund fusselig reden.“ Zu teuer, finden die Eltern. „Aber für die al- lerneuesten Handys ist das Geld da.“ AllenSchwierigkeitenzumTrotz:Rosalyn Sabo ist eine außerordentlich erfolgrei- che Lehrerin. Zwölf ihrer Schüler hat sie inzwischen zum Bun- dessieg bei Jugend musiziert geführt. Der Aktenordner, in dem sie die Berichte über die Preisträger sammelt, quillt fast über. Mit vier ihrer Bundessiegerinnen - Anna Hundschell, Kathrin Aigner, Margit Koziol, Ramona Lamnek - hat sie vor einigen Jahren „ZitherRausch“ gegründet, eine char- mante Band mit drei Zithern, Gitarre und Kontrabass, die sich auf fetzig dargebote- ne Folklore spezialisiert hat: „Musik, die aus dem Bauch kommt und in die Füße geht“, sagt Rosalyn. Und philosophiert ein bisschen darüber, ob sie wohl, wenn sie wieder in Kroatien leben würde, ver- stärkt nach ihren bairischen Wurzeln suchen würde. Ihre Identität sei schon gespalten, merkt sie an: „Für Kroatien bin ich viel zu deutsch, in Deutschland irritiert oft meine kroatische Seele.“ Im Moment interessiert sie sich für Mu- sik-Geragogik, möchte mit Senioren in Altersheimen musizieren. „Der Ge- danke fasziniert mich.“ Vormittags hat sie schließlich noch Luft. „Der Tag ist einfach extrem zu kurz“, jammert sie, während das Telefon klingelt. Dran ist eine Konzertagentur, die gern hätte, dass ZitherRausch bei einem Empfang den Defiliermarsch spielt. In Dirndln. Und die es nicht interessiert, dass sich der Defiliermarsch für Zithern nicht eignet. Die auch nicht viel zahlen will. „Ich weiß nicht, wie das andere machen, diese gan- ze Arbeit“, sagt Rosalyn, als sie das Handy wieder auf den Tisch legt. Es kostet viel Zeit, die Konzerte mit ZitherRausch zu organisieren. Allerdings hat sie dabei in- teressante Erfahrungen gesammelt, denn in der Unterhaltungsbranche gelten an- dere Regeln als in der klassischen Kon- zertszene. „Da sind viele unverschämte Menschen unterwegs“, findet Rosalyn. Außerdem gibt es nicht wenige, die sie aufgrund des Namens automatisch in die Ausländerschublade schieben, sie duzen und ihr alles in gebrochenem Deutsch dreimal erklären. Die Zeit reicht nie, um all das zu erledi- gen, was sie sich vornimmt. Genau ge- nommen ist das, was sie macht, schon wie- der viel zu viel. „Ich habe kein Wochenende mehr, eigentlich möch- te ich auch mal da- heim sein.“ Rosalyn rührt nachdenklich im Kaffee. „Aber ich kann’ s nicht. Wenn ich wirklich daheim bin, werde ich ganz schnell unruhig“, sagt sie und lacht, das ganz spezielle Rosalyn Sabo-Lachen. Ohne E-Zither brauche ich nirgendwo mehr aufkreuzen Zither am Berg Workshop mit Rosalyn Sabo Samstag, 28.9., 13 Uhr, Kurzentrum Bad Aibling ZitherRausch Samstag, 28.9., 19 Uhr, Salon Wendelstein REPORTAGE |13

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