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2013_Zither-Mag_2

man stelle sich vor! - unter dem Eindruck der Zithermusiktage und der damals gleichzeitig stattfindenden „documenta“, die ich wechselseitig besuchte. Welch ein Kontrast! Da prallten Welten aufeinander (die den Zithermusiktagen-Besuchern nicht bewusst waren), die mich die Sa- che aber gelassen, mit Verwunderung und einer gewissen Heiterkeit erleben ließ. Interessant dabei auch, dass man nicht das Gespräch mit mir gesucht hat, ich wurde nie darauf angesprochen. Nur im Saitenspiel wurde das Für und Wider monatelang in heller Aufregung erörtert! Bei den Zithermusiktagen 1981 in Stutt- gart fand erstmals ein „Cetra nova“-Kon- zert statt, mit den Solisten Toni Gößwein, Bernhard Hilbich und Georg Glasl. Die Auseinandersetzung mit Neuer Musik jedoch scheint bei den DZB-Mitgliedern bis heute kein Ende gefunden zu haben; verbandseigene Veranstaltungen möchte man möglichst „schmerzfrei“ halten. 1974 war auch ein erster Jugendwettbe- werb des DZB zur Vorbereitung auf den „Jugend musiziert“-Wettbewerb voraus- gegangen, zu dem die Zither erstmals zugelassen war. Diese richtungsweisende Neuerung löste eine breite Diskussion um die Literatur für Zither aus. Nicht nur Volksmusik, alle Stilarten, auch Alte Mu- sik, für die Rolf Meyer-Thibaut viele An- regungen gab, vor allem aber auch Neue Musik waren gefragt; das Repertoire war klein. In dieser Zeit begann man Kom- ponisten um originale Werke für Zither anzusprechen. Von 1975 an, als hauptamt- licher Dozent an der Bundesakademie tätig, hatte ich fortan ständig auch mit Zitherspielern und Zitherlehrern zu tun, nicht zuletzt auch mit vielen Zitherfachleuten, die als Gastdozenten an die Akademie berufen wurden und denen ich viel Wissen um das Instrument verdanke. Die von dieser Zeit an regelmäßig stattfindenden Zithersemi- nare und die später hinzutretenden be- rufsbegleitenden Lehrgänge „Die Zither im Unterricht“ für Multiplikatoren, das heißt für Zitherlehrer, die Jugendliche zur „Jugend musiziert“-Teilnahme hin- führen sollten, waren ein Anlass für mich, Stücke für Zither zu schreiben, zumal ich schon vorher auch Kompositionen für Ju- gendliche und Amateure verfasst hatte. Bei den Zitherspielern ein Verständnis für all die neuen und ungewohnten, „un- erhörten“ Stilrichtungen zu finden, war nicht leicht, oft auch eine Überforderung. So war es offensichtlich, dass viele mit dem Erscheinen Neuer Musik glaubten, man wolle ihnen die bisheri- ge Musik (überwiegend Volks- oder gar volkstümliche Musik) wegnehmen. Eine Anzahl Interessierter stürzte sich, in einer Zeit des Auf- und Nachholens vielleicht verständlich, aus- schließlich auf die neue Literatur. So auch später, als Freddy Golden, ein All- roundmusiker aus der Big-Band- und Un- terhaltungsmusik, auftauchte, sich sehr stark für die Zither engagierte, viel „leich- te Musik“ für die Zither beitrug, und viele ZitherspielervorBegeisterungüberdieses neue Gebiet für einige Zeit andere Stilgat- tungen vergaßen oder vernachlässigten. Lange hat es gedauert, bis die Zitherspie- ler bereit waren, all die verschiedenen Stile für ihr Instrument gleichermaßen wahrzunehmen und auch spieltechnisch akzeptabel umzusetzen. Entscheidend für die Weiterentwicklung waren zwei Maßnahmen: Die bereits erwähnten Lehrgänge der Bundesakademie in Zu- sammenarbeit mit dem DZB, an denen bis heute mehrere hundert Zitherspieler und -lehrer teilnahmen und mit einer Qualifi- zierung abschlossen, und schließlich der Wettbewerb „Jugend musiziert“, der mit seinen Richtlinien den Nachwuchs und das Spiel verschiedener Stilgattungen nach wie vor nachhaltig fördert. Beson- Der Zithermusikverein Bremen, damals noch Mitglied im DZB, wagte sich 1961 hinter den Eisernen Vorhang und besuchte im Juni 1961 die Zithergruppe der Karl Liebknecht-Werke in Magdeburg. Die Abschlussklasse eines B-Lehrgang in Trossingen. An den berufsbegleitenden Kursen an der Bundesakade- mie haben inzwischen mehrere hundert Zitherspieler teilgenommen. Foto: privat Die Neue Musik war im DZB nur geduldet 18 | AUSSENANSICHT

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