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2013_Zither-Mag_2

Georg Elser versucht am 8. Nov- ember 1939, Hitler, Göring und Goebbels zu töten. Das Attentat scheitert knapp, da die nationalso- zialistische Führungsmannschaft den Münchner Bürgerbräukeller unerwartet 13 Minuten vor der Ex- plosion der Bombe verlässt. Elser wird auf der Flucht festgenom- men und am 9. April 1945 im KZ Dachau mit einem Genickschuss ermordet. Seine Familie erfährt nichts, erst 1950 wird er für tot erklärt. Elser mutige Tat wurde erst ver- urteilt, dann jahrelang verschwie- gen, geleugnet, uminterpretiert und erst spät anerkannt. Da er sich weder in Briefen oder Tage- büchern zu seiner Tat geäußert hat, stützt sich das kollektive Gedächtnis auf nachträgliche Er- innerungen von Zeitzeugen, die erst Jahrzehnte später befragt wurden, und auf die Verhör- protokolle der Gestapo: Quellen, die zwar vorgeben, das zu berichten, was gewesen ist, die aber wenig Rückschlüsse auf die historische Figur zulassen und möglicherweise Ver- fälschungen enthalten. Wie im Leben bleibt Georg Elser daher im Hörspiel sprach- los. Seine Stimme übernimmt die Zither, jenes Instrument, das er von 1926 an bis zu seinem Tod spielte. Der Figur Elser ist eine durchlaufende Musik zugeordnet, die auf der Komposition Jeshimon von Peter Kiesewetter beruht. Die Musik ist archaisch karg, die Entwicklung des Materials beschränkt sich auf das Notwen- dige. Im Gegensatz zu den einge- sprochenen Erinnerungsfragmen- ten, die mehr über die jeweiligen Zeitzeugen als über Elser preisge- ben, schreitet sie hartnäckig und unbeirrbar fort, nähert sich der Haltung des Attentäters an. Alle Klänge werden rein akustisch er- zeugt, die Zither, Elsers Stimme, wird ausgehorcht, verhört. Die Textcollage stützt sich auf Aussagen von Zeitzeugen. Zu Wort kommen die Kellnerin Ma- ria Strobl, die im Bürgerbräukeller servierte, Ermittler, die Elser verhörten, Beamte, die über Entschädigungen für die Familie entschieden, oder die Mutter Elsers, die sich bis zu ihrem Tod gegen die Darstellung des Theologen Martin Niemöllers wehrte, ihr Sohn sei ein Werkzeug der Nazis gewesen. Sabine Reithmaier Wie wurde die Zither zum „bayerischen Nationalinstru- ment“? Vier Instrumenten- bauer, entweder in Mitten- wald geboren oder ausgebildet – Ignaz Simon, Anton Kiendl, Georg Tiefenbrunner und Jo- hann Haslwanter – haben ei- nen maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung des Instruments von der Gebirgs- hin zur Konzertzither. Eine Ausstellung im Mit- tenwalder Geigenbaumuseum, kuratiert von der Musikwis- senschaftlerin Jean Bloderer, zeichnet nicht nur Lebensge- schichte und Berufswege dieser geschickten Handwerker nach, sondern schildert auch die Begeisterung des Herzog Max in Bayern für das Instrument. Letztere ist natürlich dem Wiener Kammervirtuosen Johannes Petzmayer zu ver- danken, der den Herzog mit seinem Spiel begeisterte. Besonders sehenswert in der Schau sind die vielen wunder- schönen Zithern, die größten- teils aus der Sammlung Ernst Volkmann stammen. Daneben werden Bilder, Noten, Litho- graphien, Photographien und Patentschriften ausgestellt. Das Angebot, Zithermusik zu hören und Zithern auszuprobieren, ist allerdings nur mit Einschränkung zu genießen. Am Tag unseres Besuchs funktionierte keine der beiden Hörstationen. Und die zwei Zithern, die im Erdgeschoß zum Ausprobieren angeboten werden, sind keine Zierden für die Handwerkskunst. Schon klar, dass ohne Aufsicht keine wertvollen Zithern zur Ver- fügung gestellt werden können, doch halbwegs bundrein sollten die Instrumente schon sein, um potentielle Spieler nicht abzuschrecken. Sabine Reithmaier Ein Hörspiel über den Hitlerattentäter Georg Elser Eine sehenswerte Ausstellung im Geigenbaumuseum des Marktes Die Zither des Widerstandskämpfer Georg Elser Sendetermin: Donnerstag, 3.10.2013, 21 Uhr Bayern 2 Komposition: Peter Kiesewetter / Georg Glasl Text-Collage: Sabine Reithmaier; Realisation: Georg Glasl / Cornel Franz / Arash Safaian Sprecher: Rainer Bock; Zither: Georg Glasl Noch bis 3. 11., Geigenbaumuseum Mittenwald, Ballenhausgasse 3, Di bis So 10 – 17 Uhr. Zur Ausstellung ist ein deutsch-englischer Katalog mit vielen Abbildungen (12 Euro) erschienen. Der Zitherspieler Mittenwald - Wiege des Zitherbaus HÖRSPIEL |53

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