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2013_Zither-Mag_2

akustischenInstrumentenbauehereineNischenerscheinung dar. Hierzu zählt auch die Zither, deren Überleben nach den beiden Weltkriegen nicht zuletzt der Handwerkskunst und Ernsthaftigkeit von Instrumentenbauern geschuldet ist, die sich um Innovationen bemühten. Ein bekanntes Phänomen ist der relativ leise Klang der Zitherinstrumente, ein Manko, dem mit traditionellen Bautechniken kaum beizukommen ist. So kam es nicht von ungefähr, dass mit der weltweiten Verbreitung von gezupften E-Instrumenten auch Ideen für eine Zither mit eingebauten Tonabnehmern auf Interesse stießen. Es waren wohl zuvorderst die Alleinunterhalter, die sich ein durchsetzungsfähiges Instrument wünschten, mit dem man auch im größeren Rahmen und bei erhöhtem Ge- räuschpegel sinnvoll Musik zum Besten geben kann. Die In- strumentenbaufirma „Framus“ (Bubenreuth) entwickelte so bereits 1969 eine fabrikmäßig hergestellte, sogenannte „Elec- tro-Zither“, die mit fest installierten Tonabnehmern aufwar- ten konnte. Mit Hilfe von Drehreglern, die an der vorderen Zarge des Instruments angebracht waren, konnten Lautstär- ke und Filterkurve des Klangs für Griffbrett- und Freisaiten getrennt eingestellt werden. Da die „Electro-Zither“ statt eines Solidbodys immer noch einen Resonanzkörper besaß, muss man folglich von einem „halbakustischen“ Instrument sprechen. Das hatte den Vorteil, dass die Zither auch ohne aktive Verstärkung spielbar war. Mit dem Konkurs der Firma Ende der 1970er Jahre verschwand das Modell als Episode des Instrumentenbaus. Unweit vom Sitz der ehemaligen „Framus“-Werkstätten ist auch die Firma Sandner angesiedelt. In Absprache mit Rudi Knabl, der dem Modell als Namensgeber Pate stand, entwi- ckelte man dort ebenfalls eine Harfenzither mit halbakusti- schen Eigenschaften. Zur Anwendung kam ein sogenanntes „piezokeramisches“ Tonabnehmersystem mit batteriebetrie- benem Vorverstärker, das eine Verstärkung für Live-Auftritte und Funkaufnahmen erleichtern soll. Am Korpus befindet sich eine fest verankerte Klinkenbuchse, über den die Zither direkt mit dem Verstärker verbunden wird. Neben diesen bei- dengenanntenEntwicklungendürftenalsweiterePionieredie Zitherbauer Alwin Reck und Erhard Franz Riedl gelten. Letz- terer setzte sich viele Jahre intensiv mit einem Instrument in Solidbody-Bauweise auseinander. Auffällig ist, dass in jüngster Zeit ein gesteigertes Interesse an E-Zithern besteht, besonders bei der jetzigen Generation der „Digital Natives“. Das Bedürfnis, vor allem aber auch die Fähigkeit, Elektronik in den musikalischen Alltag zu integrieren, ist hier ein großes Thema. Zudem hat sich eine junge Szene von Zitherspielerinnen und Zitherspielern in den letzten Jahr- zehnten zahlreichen Stilrichtungen gegenüber geöffnet und neue musikalische Felder erschlossen. Dazu gehören die viel- fältigen Ausprägungen von Neuer Musik, Improvisation, Jazz und Popmusik. Hier ist ein E-Instrument oft von Vorteil, sei es im Zusammenspiel mit gemischten Ensembles, in Orches- tern oder mit „Band“-artigen Konstellationen. Die Möglichkeit, mit der gewohnten Spieltechnik angemessene Lautstärken zu produzieren, in einem orchestralen Tutti dynamisch zu beste- hen oder den Klang mit elektronischen Effekten verändern zu können, ist eine ganz neue und inspirierende Erfahrung. Letztendlich ist die Entscheidung für die Verwendung einer E-Zither jedoch nicht nur eine Frage der Lautstärke, sondern vorallemderKlangästhetik.AktuellaufdemMarkterhältliche E-Zither-Modelle mit Solidbody besitzen völlig andere sonore Eigenschaften als die traditionellen, akustischen Instrumen- te, unabhängig von Kategorisierungen wie Harfenzither- oder Psalter-Form. Die magnetische Tonabnahme am Griffbrett erzeugt eine besonders „reine“ (cleane), dem unverzerrten E-Gitarrensound ähnliche Wirkung. Die Freisaiten erscheinen ebenfalls deutlich präsenter, die Bässe auf einmal voluminö- ser – kurz, die gesamte Obertonstruktur ist eine andere. Das hebtdieE-ZitherklanglichvoneinemInstrumentmitgängiger Mikrofon-Verstärkung oder fallweise angebrachten Pickups deutlich ab. Eine E-Zither ist in diesem Zusammenhang also kein verstärk- ter „Ersatz“ für ein akustisches Instrument, sondern vielmehr ein differenter Klangtypus mit anderen Voraussetzungen und Möglichkeiten, jedoch auch mit veränderten Schwierigkei- ten. So ist die Qualität des Klangs am Ende auch abhängig von der Qualität der Verstärkeranlage, der angeschlossenen Lautsprecher, des Mischpults sowie von den Fähigkeiten des Tontechnikers, der das Instrument am Ende aussteuert, sofern das der Spie- ler nicht selbst E-ZITHERN IM TREND |55

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