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2013_Zither-Mag_2

Mikrofon und Lautsprecher üblicherweise auftreten, erspart man sich hier. Zudem kann jegliche Modulationsmöglichkeit elektronischer Art, wie sie seit Jahrzehnten für die E-Gitarren perfektioniert wurde, problemlos auch auf die E-Zither über- tragenwerden,beispielsweisemittelssogenannterEffektpeda- le. Dem Spieler steht damit geradezu eine Flut von Produkten zur Verfügung, die der Fantasie keine Grenzen setzt: Verzer- rer (Distortion), Ton-Transposition (z.B. Octaver), Filter, Hall, Verzögerer (Delay), Ringmodulator sowie Loop-Geräte, mit denen man live kurze Fragmente aufnehmen und sofort wiedergeben kann, sind nur einige Beispiele, die in der Pop- musik-Praxis sowie in der experimentellen Szene zum alltäg- lichen Handwerkszeug gehören. Selbstverständlich sind auch hier Einarbeitung und Fachwissen nötig. Beides kann man nur im Verlauf eines längeren Zeitraums erwerben, denn trotz zahlreicher Gerätestandards reagiert jedes Instrument anders. Der Spieler ist also darauf angewiesen, sich je nach Bedarf und Klangvorstellung sein ganz persönliches Equipment zusam- menzustellen. Gefragt ist hier letztlich das Maß der Dinge („Weniger ist mehr“), denn bisweilen schlägt die enthusiastische Überfrach- tung mit Effekten in Geschmacklosigkeit um, während eine unzureichende Beherrschung der oft komplizierten Schaltun- gen schnell in Frustration mündet. Jedoch bietet die E-Zither schon von sich aus und ganz ohne große Elektro-Zauberei ein Spektrum dankbarer Klangeigenschaften: die satten Bässe können durchaus einen E-Bass ersetzen, die verstärkten Frei- saiten eröffnen einen riesigen Klangraum und das kraftsparen- de Spiel auf dem Griffbrett ermöglicht hohe Geschwindigkei- ten, verbunden mit einer problemlosen Ansprache und einer deutlich verlängerten Dauer des verklingenden Tons (dem sogenannte „Sustain“). Da solche Klangeigenschaften vor al- lem im Jazz gefragt sind, scheint eine E-Zither die ideale Basis für eine Beschäftigung mit dieser Musik darzustellen (Harald Oberlechner zum Beispiel greift seit einiger Zeit genau diesen Aspekt innerhalb seiner Konzerttätigkeit auf). Defizite in der Spieltechnik kann selbstverständlich auch ein elektrifiziertes Instrument nicht kaschieren, und so ist letzt- lich eine ähnlich große Sorgfalt im Umgang gefragt wie bei einer akustischen Zither. Denn schließlich wird jede Aktion – erwünscht oder unerwünscht – verstärkt. Was die handwerkliche Seite des Zitherbaus betrifft, ist die derzeitige Auswahl an Modellen vielversprechend. Der Er- weiterung und Differenzierung von Einsatzmöglichkeiten steht damit nichts im Weg. Gefragt sind jetzt vor allem die Spielerinnen und Spieler, denn nur eine größere Anzahl von Zither-Begeisterten wird über längere Zeit und über einen ge- meinsamen Erfahrungsaustausch zum nachhaltigen Erfolg des Instruments beitragen können. Man darf gespannt sein, wie sich die Akzeptanz der E-Zither entwickeln wird. Um sich ein Bild von den derzeitigen Entwicklungen ma- chen zu können, haben wir vier Zitherbauer gebeten, an- hand eines Fragebogens Auskunft über ihre E-Zither-Mo- delle zu geben. Diesen Informationen sind Statements von aktiven Spielern zur Seite gestellt, die über die Er- fahrungen mit ihrem Instrument berichten. Das Decoder Ensemble mit Leopold Hurt an der E-Zither beim Festival Klang Ko- penhagen. Die Einsatzmöglichkeiten des Instruments sind enorm. Foto: Alexander Banck-Petersen Die Instrumentenbaufirma Framus (Bubenreuth) entwickelte bereits 1969 eine fabrik- mäßig hergestellte, sogenannte „Electro-Zither“, die mit fest installierten Tonabneh- mern aufwarten konnte (Zither rechts). Die Firma Sandner dagegen baute in Abspra- che mit Rudi Knabl, der dem Modell als Namensgeber Pate stand, eine Harfenzither mit halbakustischen Eigenschaften. Fotos: Firma Sandner / Framus E-ZITHERN IM TREND |57

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