Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

2013_Zither-Mag_2

Es ist so einfach wie wirkungsvoll: Wenn Gertrud Wittkowsky, en- gagierte Musiklehrerin und gefragte Zither-Virtuosin, beispielsweise die ers- ten Takte aus der Lacrimae pavane von John Dowland oder die Fantasie IX von Silvius Leopold Weiss auf ihrer Altzither oder die Courante eines Anonymus auf der Quintzither erklingen lässt, ist die SeeleeinesjedenZuhörerssofortberührt. Kennt man ihre Biographie, kann man schnell nachvollziehen, warum sie mit ihrem Spiel diese Wirkung erzielt. Gertrud Wittkowsky entstammt einer Regensburger Familie, in der schon immer gerne musiziert wurde. Als Papa Wittkowsky eine Zither-Begleitung für seinen Chor suchte, wurde Tochter Ger- trud ausgeguckt. Das junge Mädchen, das sich eigentlich fürs Cello begeis- terte, bekam eine Zither geschenkt. Es sollte eine wegweisende Entscheidung sein, die der Vater vor rund 30 Jahren traf. Gertrud Wittkowsky war von ihrem neuen Instrument fasziniert, spielte fleißig, hatte stets gute Lehrer und be- wies auch noch viel Talent. Mehrfach wurde sie als erste Bundespreisträgerin beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. Ihre Geburtsstadt Re- gensburg ehrte sie daraufhin mit dem Kulturförderpreis. 1990 entschied sich Gertrud Wittkowsky dann sogar, ihre Passion zum Beruf zu machen. Sie stu- dierte bis 1996 Zither bei Georg Glasl am Richard-Strauss-Konservatorium in München und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Damit erlangte sie als erste in Deutschland die Konzertreife im Fach Zither - den höchsten Abschluss, der an einer Musikhochschule zu errei- chen ist. Gertrud Wittkowsky wurde Musiklehrerin für Zither und daneben auch für Ele- mentare Musikerziehung. Seit 1994 un- terrichtet sie an der Musikschule Frei- sing und erteilt auch Privatunterricht im Fach Zither im Raum München. Im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit veröffent- lichte sie das Heft „Spiele mit Anna“, das eine bunte Mischung aus Liedern enthält, die durch den Einsatz von Orff- und Percussionsinstrumenten sowie der Singstimme erlernt und dann auf das Instrument übertragen werden. Durch die Arbeit im Elementarbereich lernen Kinder sehr früh die Vielseitigkeit der Zither kennen und entscheiden sich nicht selten für dieses Instrument. NebenihrerpädagogischenTätigkeitals Musiklehrerin ist es Gertrud Wittkows- ky eine Herzensangelegenheit, auch als Musikerin in verschiedenen Projekten auf der Bühne zu stehen. Dies sind aus- gefallene Performances mit Sprechern, zum Beispiel die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma sowie „Stimmnagel“ mit Peter Wenk oder „Wozu wir taugen“ mit der Schauspielerin Gesche Piening und in Verbindung mit Sprache und wei- teren Musikern „Orson Welles Schatten“ von Georg Haider. Hier wird die Zither passend zum Thema sowohl traditionell als auch experimentell eingesetzt. Natürlich widmet sie sich auch mit großem Engagement der traditionellen Zithermusik. Ganz besonders schlägt ihr Herz aber für die Alte Musik: Es sind vor allem die Bearbeitungen aus Renaissance und Barock, denen sie sich mit größter Sorgfalt und Leidenschaft widmet. Um diese Musik so authentisch wie möglich zu präsentieren, verwendet sie Instrumente in verschiedenen Ton- höhen: die Quint-, die Diskant- und die Altzither der Zitherbauer Peter Ziegler, Ernst Volkmann und Kurt Hartwig. Ihr künstlerisches Schaffen im Bereich der zeitgenössischen Musik bringt ihr zahlreiche Begegnungen mit Kompo- nisten unserer Zeit ein, die bereits zu mehreren Kooperationen und Urauffüh- rungen geführt haben. Unter den zeitge- nössischen und experimentellen Projek- ten stechen die großen Erfolge hervor, die sie seit 1997 gemeinsam mit dem Countertenor Franz Vitzthum umsetzt. Aus dieser intensiven Zusammenarbeit entstand 2001 die CD „Horchend Still“. Das Repertoire von Gertrud Wittkowsky und Franz Vitzthum beinhaltet seltene Schätze nahezu aller Musikepochen. Auf die Pflege zeitgenössischer Musik legen die beiden Künstler besonders großen Wert. Komponisten der jüngsten Generation, darunter Max Beckschä- fer, Fredrik Schwenk, Rudi Spring und Eva Sindichakis, stellten Originalwerke für Zither und Countertenor zur Verfü- gung. Der Komponist Fredrik Schwenk schreibt über dieses Duo: „Der Zauber einer klar timbrierten männlichen Alt- stimme und die gebrochene Schönheit vermeintlicher Lautenklänge verschmel- zen zu einer unverwechselbaren Klang- lichkeit, die in deutlichem Kontrast zu den ausgetretenen Pfaden konventionel- ler Ensembles steht.“ Dem ist nur noch hinzuzufügen: Horchen Sie möglichst schnell einmal selbst! Andrea Topp Zither am Berg Matinee mit Alter Musik Gertrud Wittkowsky und Franz Vitzthum (u.a.) Sonntag, 29.9., 10.30 Uhr, Kirche Berbling Mit dem Countertenor Franz Vitzthum arbeitet Gertrud Wittkowsky seit 1997 zusammen. Doch auch als Solistin ist die gebürtige Regensburgerin oft gefragt. Fotos: Christine Schneider |65

Pages