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2013_Zither-Mag_2

Hans Werner Henze Minette für Zither Die 1983 uraufgeführte Geschich- te für Sänger und Instrumen- talisten Die englische Katze, nach Grandvilles Illustrationen und Balzacs Erzählung zu den Bildern aus dem Staats- und Familienle- ben der Tiere von Edward Bond als Libretto eingerichtet, zählt zu den populärsten Musiktheaterwerken des 2012 verstorbenen Komponis- ten Hans Werner Henze. Die Oper verbindet satirische mit neoroman- tischen Elementen, klassizistische mit frei- und atonalen Satztech- niken. Andreas Pfeifer hat bereits 1992 für den Schott-Verlag eine unter dem Titel Minette herausge- gebene Bearbeitung von fünf Me- lodien aus dieser Oper für Zither solo arrangiert. Ein Jahr später erschienen ebenfalls bei Schott sie- ben Canti e rimpianti amorosi per due chitarre. Seit 1997 ist die Zither-Fassung auf dem Markt, aber im Konzertsaal hört man die kurzen Stücke eher selten. Dies mag eher dem technischen Anspruch und den teils grifftechnisch unan- genehm zu spielenden Satz geschuldet sein, denn Henzes Musik ist sicherlich nicht schwerer zu bewältigen als so manches Werk der gehobenen Unterhaltungsmusik. | Mehrdeutiger Begriff | Die Minette ist ein Eisenerz sedi- mentären Ursprungs und als Begriff aus dem Sprachschatz französischer Bergleute entlehnt. Dort bedeutet er kleines Bergwerk oder kleine Ader. In Henzes Oper hingegen soll die unschuldige, aus einem zivilisationsfernen Winkel Englands stammende Minette den biederen Lord Puff heiraten, obwohl sie den Streuner Tom liebt. Die Gesellschaftssatire über bür- gerliche Bigotterie, Heuchelei und Korruption endet für Mi- nette tragisch: Sie wird am Ende in der Themse ersäuft. | Liebesleid einer englischen Katze | Fünf Sätze umfasst das als abwechslungsreiche Suite eingerichtete Arrangement. Con comodo e grazia, Viertel gleich 80, beginnt der erste Satz mit leichter Anmut und vielen für Henze typischen Anklängen an eine versprengte, nur selten chromatisch ge- färbte Diatonik. Der Satz pendelt zwischen einer freien, an C-Dur orientierten melodischen Entwicklung mit klassischen Begleitmustern wie Grund- und Nachschlag und instabilen Übergängen mit Temposchwankun- gen. Am Ende steuert der Satz ei- nen Höhepunkt im ff an und endet pathosgeladen mit einem unaufge- lösten „Schubertschen“ Terzquartak- kord mit tiefalterierter Quinte. Der zweite Satz, eine Aria, Viertel gleich 72, stellt aufgrund perma- nenter Taktwechsel gehobene An- forderungen an den Spieler. Äußerst leisen Abschnitten stehen f bis fff-Passagen gegenüber. In der zwei- ten Hälfte erreicht die Aria ihren dynamischen Höhepunkt und „beißt“ sich an einem dissonanten ffff-Ak- kord fest, klingt in die Generalpause hinein weiter und beginnt reprisen- haft im p, ohne jedoch das Material des Anfangs wieder aufzugreifen. Das folgende Andante cantabile, Viertel circa 80, zerfällt schon bei der ersten Betrachtung des Notenbildes in zwei große Ab- schnitte: im ersten entwickelt Henze eine bizarre, von Brü- chen und unterschiedlichen Strukturelementen geprägte Melodik, die meist akkordisch akzentuierend begleitet wird, während im zweiten Teil eine schnellere Textur Ober- und Unterstimme prägt und den schwerfälligen ersten Ab- schnitt kontrapunktiert. Der vierte Satz, Allegretto melanconico, Viertel gleich 96, beginnt in reinem a-Moll und streift im weiteren Verlauf durch chromatische Rückungen auch entfernte Tonarten- bereiche, ohne dass das Zentrum a-Moll aufgegeben wird. Im Gegensatz zum Andante cantabile bleibt die Textur dem einheitlichen Affekt einer dezent melancholischen Grund- stimmung verpflichtet. Am Ende steht ein dolcamente pi- angendo überschriebenes Solo, welches das Miauen laut- malerisch darstellt. Der fünfte Satz, Chanson d’Adieu, Moderato assai, Viertel gleich 60, ist einer zweiteiligen Liedform nachgebildet. In der Trauertonart es-Moll entwickelt sich eine affektgeladene Melodie, die dem punktierten Rhythmus einer französischen Ouvertüre nachgebildet ist. Im weiteren Verlauf entsteht ein zwischen D-Dur und d-Moll changierender akkordischer Abschnitt, der zum zweiten Teil überleitet. Das Lamento beginnt in d-Moll, steigert sich dynamisch bis zum ff und versinkt zum Ende hin harmonisch instabil, bis eine große Septime im ppp verklingt. Fredrik Schwenk Hans Werner Henze: Minette Fünf Melodien aus der Oper " The English Cat" für Diskantzither Schott Musik International, Mainz 1997, ED 8266 Preis: 13,99 Euro |71

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