Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

2013_Zither-Mag_2

David Hawthorne Jazzquartette 1 und 2 „An accomplished musician and composer, who brings a wealth of experience to his craft“,sobeschrieb die Cellistin Yo Yo Ma den Künstler Da- vid Hawthorne. Ein versierter Musiker und Komponist also, der eine Fülle an Erfahrung in sein Handwerk einbringt und seine musikalische Ausbildung an der Berklee School of Music und am New England Conservatory in Boston mit einem Master in Komposition und Jazz-Gitarre abschloss. Hawthorne, der sowohl in einem eigenen Jazz-Ensemble als auch mit Afro-, Pop-, brasilianischen und Calypso-Groups auftritt, ist als Komponist mit Werken für Orchester, Streichquartett und Solobesetzungen hervorgetreten, schreibt aber auch für Jazzensembles. Seine 2001 bei Edition Zither erschie- nenen Jazz-Quartette I und II für 3 Dis- kantzithern und Basszither umfassen vier Spielstücke mittleren bis gehobe- nen Schwierigkeitsgrades. | Rhythmische Energie | Der Zyklus wird mit Mamadou.com eröffnet. Gibt man den Titel des Stückes im Internet ein, so bekommt man einen herrlichen Eindruck von der lebensbe- jahenden rhythmischen Energie des westafrikanischen Drum- mers und Gitarristen, Mamadou Diop. Hawthorne, sichtlich davon inspiriert, setzt dem nach einer ruhigen Einleitung ein konträres, aber ähnlich energetisches Wechselspiel aus ternä- ren und binären Rhythmen entgegen, wie wir sie aus Leonard Bernsteins „America“-Song aus der West Side Story kennen: 6/8 gegen 3/4 . Den pulsierenden Wechselrhythmus bestimmt einmitSticksgespieltesbrasilianischesTamburin,anwelchem sich die Zitherinstrumente in teils alternierenden Ostinato-Be- wegungen orientieren oder durch Gegenbewegung reiben. Der Hauptsatz besteht aus mehreren, durchgängig zu acht Takten gegliederten Phrasen, die refrainartig teils bis zu fünf Mal wie- derholt werden oder episodisch als Brückenglieder fungieren. Keiner der Refrains gleicht dem vorangegangenen. Das zweite Stück ist ein Tango und trägt seinen Titel Lament mit historischem Augenzwinkern: Das Stück stellt im ersten TeileineArt Passacaglia miteinemfürdasLamentocharakte- ristischen barocken Bass dar, dem passus duriusculus, einem chromatisierten Abstieg vom Grundton zur Unterquarte, über dem sich ein Tan- go melodisch entfaltet. Für dieses Bass- modell gibt es viele prominente Beispie- le, wie das Klagelied When I Am Laid in Earth aus der Oper Dido und Ae- neas von Henry Purcell oder das 4-stim- mige Crucifixus aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. | Dem Jazz verpflichtet | Der zweite Band beginnt mit dem dritten Stück, Heart Monitor. Der Titel geht auf den in der Popularmusik eingesetzten elekt- ronischen Herzfrequenzton zurück, den Hawthorne in der kurzen Introduktion durch eine raffinierte Kombination aus Einzelton und repetitivem Herzflattern erzeugt. Im Hauptteil wirken punktier- te und einfache Viertel gegeneinander, während sich aus dem Herzflimmern eine jazzharmonische Melodie entwi- ckelt. Das Formprinzip ähnelt dem ers- ten, aus refrainartigen 8-Takt-Gruppen bestehenden Satz, ist jedoch deutlich schneller und in seiner Harmonik stär- ker dem Jazz verpflichtet. In Claudia’s Shoe, dem letzten Satz, kommt die Jazz-Harmonik stärker als bisher auch in den Un- terstimmen zum Einsatz. Ein shaker egg treibt den schnellen Satz voran. Eine bluenote-gefärbte Wechsel- und Sequenz- harmonik bestimmt den rhythmisch anspruchsvollen Haupt- teil. Aufgrund der sich stets verändernden harmonischen Fortschreitung treten die Viertaktgruppen weniger in den Vordergrund als in den vorangehenden Sätzen, was den Satz im Hinblick auf seine Entwicklung dynamischer macht. Nach einem stockenden Mittelteil fordert Hawthorne ein da capo, das gegen Ende am besten più stretto gespielt werden sollte. Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt für alle Zitherformati- onen, die gerne das ganze Spektrum der Zither samt Gitar- renverstärkung des Basses besetzen möchten. Das Fehlen der Altzither als Bindeglied hinterlässt eine klangliche Lü- cke zwischen Diskant und Bass, und die Spieler sind inner- halb eines Konzerts womöglich gefordert, das Instrument zu wechseln. Dennoch wer diese Stilrichtung weiterverfolgen möchte, dem seien die Jazzquartette von David Hawthorne ans Herz gelegt. Fredrik Schwenk David Hawthorne Jazzquartette 1 - Mamadou.com - Lament für 3 Diskant- und Basszither Schwierigkeitsgrad: 4 Edition Zither, Waging 2001 Preis: 29,50 Euro David Hawthorne Jazzquartette 2 - Claudia's Shoes - Heart Monitor für 3 Diskant- und Basszither Schwierigkeitsgrad: 4 Edition Zither, Waging 2001 Preis: 29,50 Euro 72 | REPERTOIRE

Pages