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2013_Zither-Mag_2

Peter Kiesewetter La Batalla Im Schaffen des im Dezember 2012 verstorbenen und in seiner stilis- tisch geradezu endemischen Bedeu- tung von der Neuen-Musik-Szene von Freiburg über Darmstadt nach Köln kaum wahrgenommen Komponisten nahm in den letzten 15 Jahren seines Schaffens die Zither einen besonde- ren Platz ein. | Methodisch didaktischer Ansatz | Seine spanischen Miniaturen für vier Diskantzithern, op. 67b sind Teil des ersten Bandes von GIL, einem in en- ger Zusammenarbeit mit Georg Glasl sechsbändig konzipierten Kompendi- um unterrichtsbegleitender Zitherli- teratur. Laut Vorwort der gedruckten Einzelausgabe sind viele der Spiel- und Konzertstücke der schrittweise sich entwickelnden technischen und musikalischen Fertigkeit des Lernen- den angepasst. Die Miniaturen La Batalla bieten zusammen mit den Phantasiestücken Vineta jungen und jung gebliebe- nen Zitherensembles die Möglichkeit, ihr Repertoire im Be- reich der zeitgenössischen Musik zu erweitern. Besonders am Beispiel von La Batalla zeigt sich Kiesewetters unkon- ventionelle, bei aller scheinbaren Vertrautheit erfrischend neuartige Kompositionsweise. | Ein Werk für Kenner und Liebhaber | Das Werk richtet sich sowohl an den Kreis professioneller Musiker, als auch an Musikliebhaber, die Freude daran finden, Neues zu er- kunden, ohne dabei an die Grenze technischen und musi- kalischen Verständnisses zu stoßen. Nicht ohne Grund hat sich La Batalla im Konzertleben der Zither durchgesetzt trotz speziell entwickelter Spieltechniken, wie das étouffé , das, durch Dämpfung der Saite mittels Auflegen der Finger am linken Steg hervorgebrachte „Ersticken einzelner oder mehrerer Töne“ oder das Kratzen mit dem Daumennagel auf der Umspinnung der angegebenen Saite. | Altfränkischer Humor und kompositorische Raffinesse | Das eher gemächlich dahintappende erste Stück, Don Quijo- te, eröffnet den Zyklus. Nach einer achttaktigen Introduktion beginnt der Hauptteil mit seinem jambischen Grundelement und den schleifenden Überbindungen. Bereits in Takt 19 er- scheint zum ersten Mal in Zither I eine schnelle Quintole, die das Klappern der Hufe inszeniert und im weiteren Verlauf des Hauptsatzes in Zither II erscheint. Kurz vor der Coda erklingt eine eingeschobene Episode, die das Klapper-Motiv in allen Stimmen expo- niert, als wolle Don Quijotes Pferd Ro- sinante nicht mehr weiter galoppieren. In der Tat, am Ende der kurzen Coda bleibt das Stück nach einem letzten Hufschlag einfach stehen. Sancho Pansa, das zweite Stück, eben- falls im 9/8 Takt, bildet das Mittelstück der Serie. Auch hier gewinnt man schnell einen Eindruck von Kiesewet- ters altfränkischem Humor. In unregel- mäßigen Abständen scheint der Esel Rucio einen großen Satz zu machen, die vier Musizierenden rufen lautstark ho! Der durchgängig im étouffé gehal- tene Satz wird bestimmt von zwei alter- nierenden, das gleichförmige Ostinato kontrapunktierenden Motiven der Zithern I und II. Nur auf das ho! setzt Kiesewet- ter akzentuierte Töne ohne Dämpfung. Auch das Anhalten des Esels ist durch ein energisches Brrr der Ausübenden hervorzubringen, die Pointe des Stückes besteht aus einem durch Abwärtsglissando treffend charakterisierten „bedau- ernden“ oh! am Ende. Der letzte Satz, der dem Werk seinen Titel gab, schildert „die Schlacht“ um die Verteidigung der Tochter Rodriguez’. Während die Unterstimmen in einem rhythmischen Ostinato fallende Impulse setzen, entwickeln die Oberstimmen nach Art einer freien Imitation einen für Kiesewetter typischen Melodieverlauf. Der Satz erfährt ab Takt 21 zum einen eine Beschleunigung durch die auf Frei- und Griffsaiten verteilte durchgängige Viertelbewegung, während die anderen Stim- men analog zum ersten Abschnitt den Melodie- und den Osti- natoverlauf weiterentwickeln. Nach einer innehaltenden Fermate vereinen sich alle vier Stimmen und führen den Satz im Tempo verdoppelt und im Ausdruck gesteigert unisono herabstürzend zum herunter gestimmten Basston H. Diesen repetierend, kommt der Satz nur allmählich zur Ruhe. Nach einer langen Fermate endet die Schlacht mit einem leisen Daumenkratzen auf dem H; Nachklang und Auflösung oder Innehalten vor dem nächsten Abenteuer? Fredrik Schwenk Peter Kiesewetter: La Batalla Spanische Miniaturen für vier Zithern Verlag vierdreiunddreissig, München 1995 Nr. 433-6050 Kostenfreier Download unter www.verlag433.de REPERTOIRE |73

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