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2013_Zither-Mag_2

Wolfram Breckle Mozart- und Haydn-Bearbeitungen Aus dem umfangreichen Be- arbeitungskatalog Wolfram Breckles, der Werke aus den wich- tigsten Stilepochen der abend- ländischen Musik enthält, seien exemplarisch drei Bearbeitungen zweier Komponisten der Wiener Klassik herausgegriffen. Zwei der Werke, die beiden Stücke für Flö- tenuhr von Joseph Haydn (1732- 1809) und das Divertimento V KV 439b von Wolfgang Amadeus Mo- zart (1756-1791) sind für Zither- chor eingerichtet. | Ein Kleinod für die Flötenuhr | Die gelegentlich auch als Orgel- uhr bezeichnete Flötenuhr ist eine sehr kostbare Kombination aus einer mechanischen Uhr und einer kleinen eingebauten Orgel, die über eine Stiftwalze gesteuert, zu bestimmten Zeiten ihren Windkanal öffnet und Musik erklingen lässt. Vom 17. Jahrhundert an von Augsburger Meistern als Prunkuhr gebaut, erfuhr der Flötenuhrbau im ausgehenden 18. Jahrhundert seine Blütezeit. Die feinsten dieser Uhren wurden in Wien und Berlin gebaut. Zahlreiche Komponisten wie Händel, Salieri, Haydn, Mozart und Bee- thoven schrieben Werke für die Walzen der Flötenuhren. Da diese Werke als Tonträger ihrer Epoche betrachtet werden können, kommt ihnen heute eine gewisse Bedeutung hin- sichtlich der historischen Aufführungspraxis zu. Unter der Ordnungsnummer XIX verzeichnet das Hobo- kenverzeichnis 32 Stücke für eine Flötenuhr, einer losen Sammlung von Werken aus den Jahren 1792 und 93 und früheren Einzelstücken von 1772. Laut Angabe des Be- arbeiters sind die daraus entnommenen Stücke, Menu- ett und Marsch, für ein Zitherensemble oder -orchester konzipiert, dessen spieltechnische Fertigkeiten einem mittleren Niveau (Schwierigkeitsgrad 1-2 für das Menuett und 2 für den Marsch) entspricht. Um die Hauptstimme (Diskantzither I) an f-Stellen zu verstärken, hat Wolfram Breckle eine zusätzliche, aber sparsam eingesetzte Violin- stimme eingerichtet, die auch wegbleiben kann. Die Stim- men sind so arrangiert, dass neben Diskantzither I und II auch Alt- und Basszither auf etwa demselben Niveau gefordert werden. | Drei Bassetthörner für vier Zithern | Das letzte der fünf Di- vertimenti KV 439b, die Mozart für 2 Klarinetten oder 2 Bassett- hörner und Fagott und alternativ für 3 Bassetthörner schrieb, kom- ponierte er 1783, jenem Jahr, in welchem er neben der Linzer Sym- phonie, einer berühmten Serie von sechs Joseph Haydn gewidmeten Streichquartetten und vielen Ge- brauchs- und Gelegenheitskom- positionen gleich an zwei nicht vollendeten Opere buffe, L’oca del Cairo und Lo sposo deluso arbeite- te. Das fünfte Divertimento besteht aus vier Sätzen, einem kantablen, in zweiteiliger Suitensatzform ge- haltenen Adagio, einem Menuett samt musetteartigem Trio, einem weiteren Adagiosatz, in welchem Breckle neben den anderen In- strumenten nur die Griffsaiten der Zithern zum Einsatz kommen lässt, einer in seiner Melodik an manche volks- liednahen Sätze Haydns erinnernde Romance und einer abschließenden Polonaise. | Die Pflichten eines Hofkapellmeisters | Demgegenüber fordern die zwölf Menuette KV 585, die Mozart in seiner Funktion als Hofkapellmeister 1789 für 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken und Streicher schrieb und aus denen Breckle vier Stücke (Nr. 3, 4, 5 und 9) auswählte, ein höheres technisches Niveau und sind grö- ßer besetzt. Neben Hackbrett und Harfe, zwei fakultativen Stimmen, sind die Stücke für ein mehrfach besetztes Zither- quartett und zwei Gitarren nebst Kontragitarre, alle obligat und nicht nur zur Verstärkung der Basszither eingerichtet. Da die Hackbrettstimme an einigen Akkordstellen fehlende Töne ergänzt (z.B. Menuett 3, Takt 7) und an anderen Stellen melodisch selbständig geführt ist (z.B. Menuett 2, Takt 31), empfiehlt es sich, das Hackbrett zu besetzen oder die fehlen- den Stimmen in der Diskantzither 1 oder 2 zu ergänzen. Die vier Menuette sind, auch wenn sie für Mozart eine schnelle Handgelenkübung zur leidigen Pflichterfüllung waren, hin- sichtlich des technischen und musikalischen Anspruchs sehr ernst zu nehmen. Aufs Sorgfältigste einstudiert bringen sie aber auch höchsten Genuss. Fredrik Schwenk Joseph Haydn/Wolfram Breckle: Zwei Stücke für Flötenuhr Menuett – Marsch B126A W. A. Mozart/Wolfram Breckle: Divertimento KV 439b ohne Nummer W. A. Mozart/Wolfram Breckle: Vier Menuette KV 585 ohne Nummer zu beziehen direkt über Wolfram.Breckle@t-online.de | REPERTOIRE

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