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2014_Zither-Mag_3

In der Liederbühne Robinson hab ich fast alle gekannt. Die Mädchen, die grundlos da waren und doch so viele Gründe hatten, hierher zu kommen. Die Säufer, die mir manchmal ein Bier be- zahlt haben, ganz einfach so. Die Intel- lektuellen, die ich nicht hab verstehen müssen. Und die Künstler, deren Werke so gerne missverstanden wurden. Die Liederbühne Robinson war meine Insel. Auf dieser Insel habe ich mich öfter verliebt, als sich ein Mensch in einem einzigen Leben verlieben darf. Diese Insel hat mich mehr umsorgt, als ein Meer je eine Insel umsorgen kann. Auf dieser Insel hab ich mir mehr Näch- te um die Ohren geschlagen, als ich je wieder werde erschlafen können. Die Insel hatte die fürchterlichste Kleinkunstbühne der Welt. Mitten vor dem Gesicht des Auftretenden postierte sich eine gigantische Säule, welche die Zuschauer in rechts und links einteilte, ohne dabei eine politische Aussage zu machen. Und auf dieser Bühne saß ein bärtiger junger Mensch mit einer Zither und spielte einen Landler. Einen Land- ler! Ich wusste schon damals: Wenn die Welt mit einem Landler untergeht, geh ich nicht mit. Und dieser bärtige junge Mensch zele- brierte den Landler bis zur Unerträg- lichkeit. Meine Eingeweide rumorten vor körperlichem Schmerz, ein küh- les Bier bedeutete keine Rettung. Ich wandte mich angewidert zum Ausgang, als der Landler, leise und vorsichtig auf samtpfötigen Tönen hinüberschlich zu einem Rock`n Roll. Ich traute meinen Ohren nicht, das Pu- blikum traute seinen Ohren nicht, da rockte einer auf der Zither, und mein Körper begann zu wippen und zu vi- brieren, und das fassungslose Publikum trampelte und klatschte. Und die Drei- mühlenstraße bebte freudig überrascht! Und auf der Bühne saß, ein bisserl verle- gen lächelnd, der bärtige junge Mensch, der Erfinder des Zither-Rock und des Zither-Blues, der Manfred Zick, ein Leh- rer, ein Beamter, ein beamteter Lehrer für Mathematik und Technik, der 1947 auf die Welt gekommen war, mit neun Jahren das Zitherspiel erlernt hatte, mit dreizehn die Gitarre spielen konnte und mit 18 seine erste Gitarren-Pop-Band gründete, und mit einundzwanzig die Beatband Milestones. Und mit sechsundsechzig Jahren, wo das Leben bekanntlich erst anfängt, erhält der Zither-Manä den Poetentaler der Münchner Turmschreiber. Eine beacht- liche Karriere, die Anfang des Jahres 1980 im Gasthof Nägele in Wörnsmühl ihren unaufhaltsamen Anfang nahm. Am Ende eines unterhaltsamen Klein- kunstabendsstandeineSessionmitRock- improvisationen auf dem Programm. Mittendrin der Manä mit seiner Zither. Und spontan übertrug er die Riffs, die er vom Gitarrenspiel her kannte, auf die Zither und dee Buam und dee Mad- ln aus Wörnsmühl und Umgebung er- klommen alle erreichbaren Tische und Stühle, und Wörnsmühl erbebte grad so freudig überrascht wie kurze Zeit später die Dreimühlenstraße. Der Zither-Manä wos born! Und dann gings mit dem Manä ganz schnell aufwärts: Georg Kostya vom Rockhouse vermittelt den Manä in die Abendschau. Manä macht Bekannt- schaft mit der Spider Murphy Gang, es folgen Auftritte mit der Blues Band Alexis Korner und mit Colin Hodgkins- on. Der große Fernsehdurchbruch ge- lingt dem Manä 1982 mit einem Auftritt in der Michael Schanze Show und 1983 produziert Fredl Fesl seine erste Lang- spielplatte. Es folgen gemeinsame Konzerte mit Ge- org Ringsgwandl, dem Duo Jedermann alias Ecco Meineke und Werner Schmid- bauer, Rudi Zapf, Valerie McCleary und viele legendäre Auftritte mit dem Satiri- ker Helmut Eckl, der die Ehre hat, diese Laudatio halten zu dürfen. Lassen Sie mich zum Schluss erwähnen, dass der Zither-Mäna nicht nur Rock, Blues und Landler ist, der Kraud`n Sepp und die Beatles, der Kiem Pauli und der 12 | PORTRÄT

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