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2014_Zither-Mag_3

Die Logik hinter "The Alps Blues Clone"

A ls Nicht-Zitherist habe ich mich der Zither nunmehr in drei Kom- positionen genähert, von denen ich hier die erste vorstellen möchte, gleichzeitigmiteinemErklärungsversuch meiner Zuneigung zu diesem Instrument. Vor einigen Jahren kam Leopold Hurt nach Hamburg in meine Kompositions- klasse und stellte uns allen sein – in Hamburg damals noch – exotisches In- strument vor. Mir leuchtete sofort der im- mense harmonische Spielraum ein, den die Zither bietet: Eigentlich ist sie ja ein hybrides Instrument aus Gitarre und Har- fe, aber deswegen tonhöhenbezogen ein extrem fruchtbares, denn beide Teile der Zither lassen sich sehr einfach ganz ver- schieden stimmen. Ich bin seit Kindheit (als wilder Cembalo-Umstimmer 1965) ein „Mikrotonalist“, habe dann später (1979/80) dieses Gebiet bei Ben Johnston in Urbana/Illinois studiert, jener Stadt, wo auch der US-amerikanische Kompo- nist, Instrumentenbauer und Meister der „Just Intonation“, Harry Partch (1901-74) arbeitete. Partch, der ältere Freund von Johnston, baute auch viele „Canons“, sei- ne Adaption von türkischen Zithern, die er naturrein stimmte. „Reinstimmung“ – das war das Zauberwort für mich. Dazu kamen meine Kindheitserlebnisse auf der Geige, die mir wunderbare „Differenztö- ne“ brachte, wenn ich naturreine Inter- valle spielte. Von Naturintervallen wird gleich viel zu erzählen sein... Aber der Reihe nach: Nicht jedem wird klar sein, was „Reinstimmung“ bedeutet. Jedoch haben viele das Wort „Tempe- rierung“ im Kopf und haben auch eine ungefähre Vorstellung der Intervall- Veränderung dabei: In der sogenannten „gleichschwebenden Stimmung“, wie wir sie heute vom Klavier her kennen, sind Quinten und Terzen gegenüber den „na- türlich reinen“ Intervallen verändert – eine Kompromisslösung, die den Vorteil (oder Nachteil) hat, dass alle Tonarten gleich klingen. Die Skala der Naturtöne hingegen kennen wir beispielsweise vom Alphorn, das keine Klappen besitzt und lediglich durch Veränderung der Lippen- spannung die natürlichen (geradzahli- gen) Teiltöne des Horn-Grundtons her- vorzubringen vermag. Zur Veranschaulichung hier die Naturton- reihe über C. Hinzugefügt sind die Into- nations-Abweichungen von der tempe- rierten Skala in Cent (= 1/100-Ganzton, siehe Abb. 1 unten) Die sich ergebenden Intervalle weichen teilweise enorm von der gleichschweben- den Stimmung des Klaviers ab. Während das Tasteninstrument umständlich von Profistimmern gestimmt werden muss, ist bei der Zither diese Arbeit durch den Instrumentenbauer teils schon abge- nommen: Die Bünde des Griffbretts wer- den nach oben hin logarithmisch immer enger, so dass sie die temperierte Skala abbilden. Die Freisaiten sind ja großen- teils in Quarten/Quinten gestimmt, die im Bassbereich kein Problem darstellen und Die Logik hinter „The Alps Blues Clone“ Wie ein mikrotonales Werk für Violoncello und Diskant- und Basszither entsteht von Manfred Stahnke Abb. 1: Naturtonreihe über C 14 | AUSSENANSICHT

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