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2014_Zither-Mag_3

Was sind überhaupt Zwiefache? Felix Hoerburger, einer der wichtigsten deutschen Musiketh- nologen nach dem Zweiten Weltkrieg, schreibt in seinem Buch „Die Zwiefachen“ schon auf der ersten Seite: „Bei diesen [...] handelt es sich um Tanzweisen, in denen Zweier- und Drei- ertakte (2/4 und 3/4) miteinander abwechseln und zu den in eben derselben Folge Walzer- und Drehertakte wechseln.“ Sehr wichtig dabei ist die Verbindung von Taktwechsel und Schrittartwechsel. Also der Wechsel zwischen Walzer- und Dreher sowohl musikalisch als auch tänzerisch. Sieht man sich alte Handschriften, wie links unten eine abge- bildet ist, genauer an, kann man diese Einheit sehr gut her- auslesen. Zwischen den 3/4-Takten erscheinen immer wieder 1/4- oder auch 2/8-Takte. Dazu muss man wissen, dass es eine alte und eine neue Schreibweise gibt. In der Neuen werden die Viertel durchgezählt. In der Älteren hingegen ist die Vier- telnote des geraden Taktes einem Dreherschritt gleichzuset- zen, das heißt, man schreibt ¾ - ¼ und spielt in Wirklichkeit das eine Viertel des Drehers als halbe Note (siehe Abb. 2). Es handelt sich also um eine Notation, in der zugleich die Tanz- beschreibung enthalten ist. Jede Viertel entspricht einem Schritt. Wann diese alte Schreibweise vorliegt, erkennt man zum Beispiel an Sechzehntelnoten oder einem 2/8-Takt. Der Rest ist Erfahrung, vor allem, wenn gar keine Taktart angege- ben ist, wie in vielen alten Handschriften. Spannend sind auch die Namen. Sie sind schier unerschöpf- lich. Es gibt sie als Gebrauchsgegenstände wie Stodltürl, Schubkarrn, Sechs Löffel, als Tiere und Pflanzen wie Schwarz Mauserl, Indisches Rebhendl oder Maiglöckerl, als Spielkar- ten wie Herzkine und Grasober oder als Ortsbezeichnungen wie Siebnoichara (Siebeneichen, Ort bei Sulzbach-Rosen- berg), Grillenhäusl oder Girlmühle und noch vieles mehr. Allerdings ist Wachsamkeit geboten. Heißt ein Zwiefacher z.B. Hopfavogl und kommt aus dem Bayerischen Wald, ist es durchaus möglich, dass sich in der Hallertau hinter diesem Namen eine völlig andere Melodie verbirgt. Oder sie haben zwar beide die gleiche Tonfolge, aber die Taktwechsel sind verschieden. Bei anderen wiederum handelt es sich um ein und dieselbe Melodie, aber in Franken beispielsweise heißt der Zwiefache Krouhaniest und in Sulzbach-Rosenberg Ouns- feldhannes. Dieses Phänomen lässt sich zum einen durch Lesefehler bei alten Handschriften, zum anderen aber auch durch die Tra- dierung erklären. Zwiefache wurden meist mündlich überlie- fert. Lernt man ein Musikstück auswendig, kann es sein, dass sich ein paar melodische Veränderungen oder andere rhyth- mische Wechsel einschleichen, oder dass man den Namen vergisst und sich deshalb einen anderen ausdenkt. Um sich zumindest die Anfänge besser merken zu können, er- hielten manche Bairische, wie Zwiefache in vielen Teilen der Oberpfalz genannt werden, einen Text, dessen Sprachrhyth- mus genau dem Melodierhythmus gleicht (siehe Abb. 3). Die- se wertvolle Gedächtnisstütze half sowohl den Tänzern, die auf ihren gewünschten Tanz aufmerksam gemacht wurden, als auch den zumeist auswendig spielenden Musikanten. Abb. 3: Zwiefachanfänge, aus Felix Hoerburger, Die Zwiefachen „Narrisch narrisch, narrisch möchst wern“, S. 162, Nr. 88; „That i gern a wenig“, S. 164, Nr. 96; „Gäns fressen’s Gras“, S. 162, Nr. 91 Abb. 2: „Wem gehört denn dieß Kraut“, 1. Teil, aus Felix Hoerburger, Die Zwiefachen, S. 159, Nr. 80 WISSEN |39

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