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2014_Zither-Mag_3

Berge und Wolken

Man könnte meinen, daß eine Schnecke und eine Fliege in einer komplett unterschiedlichen Zeitlichkeit leben. Stellen wir uns vor, daß beide eine Bushaltestelle beobachten: Für die Schnecke bewegen sich die Busse in einer unglaub- lich rasenden Geschwindigkeit. Ich stelle mir vor, daß es für die Schnecke gar keine einzelnen Busse gibt, die kommen und die Haltestelle verlassen, sondern, daß genauso wie wir eine Serie von extrem schnell aufeinanderfolgenden Schwin- gungsimpulsen als einen lange ausgehaltenen Ton wahrneh- Berge und Wolken Klaus Lang (*1971 in Graz) lebt in Steirisch Lassnitz (Österreich). Er studierte Kom- position und Musiktheorie (bei H.M. Preßl, B. Furrer and Y. Pagh-Paan) und Orgel. Klaus Lang liebt Tee. Was er nicht mag, sind Rasenmäher und Richard Wagner. Musik wird von Klaus Lang nicht als Mittel gebraucht, um außermusikalische Inhalte zu transportieren, seien es Affekte, philoso- phische oder religiöse Ideen, politische Programme, Werbeslogans etc.. Musik ist für ihn keine Sprache, die der Kommunikation außermusikali- scher Inhalte dient, sie ist ein freies für sich stehendes akustisches Ob- jekt. In seinen Arbeiten wird Klang nicht benutzt, er wird hörend erforscht und ihm wird die Möglichkeit gegeben, seine ihm innewohnende reiche Schönheit zu entfalten. Wenn Klang nur Klang ist (und auf nichts anderes verweisen soll), gerade dann wird er als das wahrnehmbar, was er eigent- lich ist, nämlich als ein zeitliches Phänomen, als hörbare Zeit. Die Zeit als das eigentliche Material des Komponisten ist für Klaus Lang also auch zugleich zentraler Gegenstand der Musik. Musikalisches Material ist durch das Klingen wahrgenommene Zeit, der Gegenstand von Musik das hörende Erlebnis von Zeit. Musik ist hörbar gemachte Zeit. „Schwarzes Licht“ hat Klaus Lang das Werk ge- nannt, das er soeben im Auftrag der musica viva München für Zither und Orchester geschrieben hat. Uraufführung ist am Freitag, 6. Juni, 20 Uhr, im Herkulessaal München, der Bayerische Rund- funk überträgt das Konzert live auf Bayern 2. Solist ist Georg Glasl, es spielt das Symphonieor- chester des Bayerischen Rundfunks unter der Lei- tung von Johannes Kalitzke. Im folgenden Text erläutert Klaus Lang sein Ver- ständnis von Musik und Kunst. 42 | Das besondere Konzert

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