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2014_Zither-Mag_3

Aus der ersten Verliebtheit zum Kanun entwickelte sich für Shaker eine bis heute ungebrochene Leidenschaft. Seit fast 40 Jahren ist ihm die orientalische Zither bester Freund, Reisegefährte, Geliebte und Stimme Gottes in einem. Ein Leben ohne Kanun, für Shaker unvorstellbar. Es ist ein In- strument der unendlichen Möglichkeiten, dessen Studium allerdings viel Geduld, Ausdauer und Disziplin erfordert. Es annähernd perfekt zu beherrschen, gilt als extrem schwer. „Es gibt nichts, was man nicht lernen kann“, meint Shaker dazu. „Nichts ist schwer, wenn der unbedingte Wille da ist und die Bereitschaft, Zeit zu investieren.“ Er selbst war vom ersten Moment an Feuer und Flamme. Er studierte das Kanun, lernte es in- und auswendig kennen, übte Tag und Nacht. Mindestens 15 Stunden, das war ganz normal für ihn. Er hatte ein Ziel: Er wollte nicht nur Student an der Akade- mie der Künste in Kairo werden, sondern ein Meisterspieler auf diesem uralten Instrument. Wo die Ursprünge der orientalischen Kastenzither mit dem märchenhaften Klang liegen, ist nicht mehr genau zu ermit- teln. Nach Ansicht der Ägypter geht das Kanun bis auf die Zeit der Pharaonen zurück. Dort war ein einsaitiges Monochord, auch Ka- non genannt, bekannt. Ein länglicher Resonanzkasten, über den der Länge nach nur eine Saite gespannt war. Durch einen beweglichen Steg konnte die Saite unterteilt und somit verschiedene Töne angespielt werden. Monochords waren auch bei den Phöniziern und Griechen bekannt. Seine heutige, charakteristische Form – eine Art angeschnittenes Rechteck, das zur linken Seite hin spitz zuläuft – erhält das Kanun vermutlich um 1000 nach Christus. Der arabische Phi- losoph und Gelehrte Abu Nasr Al Farabi (ca. 872-950), der selbst ein exzellenter Musiker gewesen sein muss, soll dem Kanun seinen letzten Schliff gegeben haben. Der Mann, der vermutlich aus dem heutigen Afghanistan stammte, wird in der arabisch-islamischen Geschichtsschreibung in einer Reihe mit Aristoteles genannt. Aristoteles als erster, Farabi als zweiter Lehrer. Sein Kitab al-Musıqa al-kabır, das große Buch der Musik, gehört zu den einflussreichsten Werken der islamischen Musiktheorie und –systematik. Gut vorstellbar also, dass er mit dem Kanun experimentiert und es verfei- nert hat. Zweifelsfrei bewiesen ist auch das nicht, weil er das Instrument in seinem Werk nicht erwähnt. Erste Ab- bildungen des Kanuns in der heute bekannten Form finden sich im zehnten Jahrhundert im Lexikon von Hassan Bar Bahlul, einem syrischen Bischof und Sprachwissenschaftler. Erstmals schriftlich erwähnt wird das Kanun in der berühm- ten morgenländischen Märchensammlung „Tausendundei- ne Nacht“, die vermutlich im achten Jahrhundert aus dem Persischen ins Arabische übersetzt wurde. Weiterhin kann angenommen werden, dass das Kanun ebenfalls um diese Multitalent aus Tausendund einer Nacht 4646 || VERWANDTSCHAFTENVERWANDTSCHAFTENVERWANDTSCHAFTENVERWANDTSCHAFTEN

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