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2014_Zither-Mag_3

Es ist sicher kein Zufall, dass die orientalische Kas- tenzither Kanun heißt, was im Arabischen Gesetz oder Basis bedeutet. Denn bis in die Ge- genwart hinein spielt das Kanun im Takht, dem traditionellen Or- chester für klassisch-orientalische Musik, eine Ton angebende Rolle: Es ist – wenn man so will − das Klavier in der Kunstmusik des Vorderen Orients und Nordafrikas. Der Kanunspieler ge- nießt in Musikerkreisen hohes Ansehen, weil er die Gruppe oder das Orchester mit seinem Instrument führt und lenkt. Die weltbesten orientalischen Zithern werden, so heißt es, bis heute in Ägypten gebaut. Das hat auch damit zu tun, dass Ägypten, das Land der Hochkultur, in der arabischen Welt nach wie vor eine Vormachtstellung hat. Kairo besitzt eine sehr alte Instrumentenbauertradition. Vielfach waren und sind es auch heute noch die Spieler selbst, die die schönsten Instrumente bauen. Das moderne Kanun besteht aus einem flachen, trapez- förmigen Kasten. Decken und Böden sind aus Mahagoni, aus Rosen- oder Kokosholz gefertigt, für den Rahmen ver- wendet man Zeder oder Walnuss. Die Bespannung besteht aus 63 bis 84 Darm- bzw. Nylonsaiten – in Ägypten sind es in der Regel 78. Sie sind dreichörig angeordnet und werden klassischerweise mit Metallplektren (Kosteban) angezupft, die wie kleine Fingerhüte oder Ringe auf den Zeigefingern stecken. Das ägyptische Kanun verfügt über einen Tonumfang von 26 fes- ten Tönen und 3 ½ Oktaven. Rund Dreiviertel der Oberfläche sind durch eine mit kunstvoll durchbrochenen Schalllö- chern verzierte Holzdecke geschlossen, das restliche Viertel mit einer Art Trommelfell aus hauchdünner Fischhaut, auf der der Steg des Kanuns liegt. Dieser Teil ist das sensible, für den speziellen Klang verantwortliche Herzstück, das extrem empfindlich auf Kälte reagiert und deshalb auf Gastspiele in winterlichen Gefilden gern verstimmt reagiert. Blickfang des Instruments sind die an der linken, spitz zu- laufenden Seite in Dreierreihe angebrachten, kunstvoll gedrechselten Stimmschrauben aus Holz und ein davor gesetztes, hoch kompliziertes System verschiebbarer Stege (Mandal), das im 19. Jahrhundert vom ägyptischen Kanun-Spieler Mustafa Rida entwickelt wurde. Mit den „Orab“ genannten Metallhebeln − fünf davon für jeden Chor − die sich während des Spiels auf- und niederklappen lassen, werden die Saiten wahlweise verkürzt oder verlängert, sprich die Tonhöhen minimal vari- Herzstück aus dem Meer 4848 || VERWANDTSCHAFTENVERWANDTSCHAFTENVERWANDTSCHAFTENVERWANDTSCHAFTEN

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