Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

2014_Zither-Mag_3

Enjott Schneider Bruegheliana Enjott Schneider (*1950) ist eine der schillerndsten Persönlich- keiten auf dem deutschen Musik- markt. Seit 1979 als Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München zunächst als glänzender Theoretiker, dann bis 2013 im Be- reich Filmkomposition tätig, ist er vor allem als Komponist für Musikthe- ater, Orchester- und Kammermusik sehr erfolgreich. Mit den Filmmusi- ken zu Schlafes Bruder, Herbstmilch, Stalingrad, Das Wunder von Leipzig und Stauffenberg gelang ihm der internationale Durchbruch als ei- ner der erfolgreichsten deutschen Filmmusikkomponisten. Es folgten zahlreiche nationale und internatio- nale Auszeichnungen, wie der Emmy Award (New York 2005), der Bayeri- sche Filmpreis 1990 und den Fipa d’or (Biarritz 2001). | Inspiriert vom flämischen Meister Brueghel | Umso erfreu- licher ist es, wenn der vielbeschäftigte Schneider mit dem von Georg Glasl aus Anlass des Internationalen Zither-Wett- bewerbs (Volkmann-Wettbewerb) 2009 in Auftrag gege- benen Pflichtstück Bruegheliana aus der inspirierenden Welt des spätmittelalterlichen flämischen Meisters Pieter Brueghel ein neues Werk passgenau für die junge Zither- welt kreiert. Dantz und Hupfauf, das mittelalterliche Tanz- paar, mag für das zweiteilige Werk Pate gestanden haben. Das im 6/8- bzw. 9/8-Takt gehaltene Preludio, laut Vorwort „zart, geheimnisvoll und mit großem Ausdruck in allen De- tails zu spielen“, lebt von starken Kontrasten, die sich so- wohl im Hinblick auf die rasche Abfolge unterschiedlicher „Affekte“, als auch auf diverse Spieltechniken abwechs- lungsreich entwickeln. Dabei spielt auch die unvermittelte Veränderung der Tempi eine wesentliche Rolle. Beinahe refrainartig kehrt die das Werk eröffnende Keimzelle des Satzes variiert wieder. | Rascher Springtanz | Der zweite Satz, ein rascher Spring- tanz, zunächst im Sechsachtel-Takt, später im Zweivier- tel-Takt, entwickelt sich nach anarchischem Klopfen und Schlagen bald zu einem Tanzsatz, dem die natürliche a-Moll-Skala zu- grunde liegt. Aus den zunächst lose geknüpften Motiven gewinnt Schnei- der bald ein eingängiges achttaktiges Thema, das mit typischen Rhythmus- mustern spielend, den Satz energe- tisch vorantreibt. Formal folgt der umfangreiche Tanz einem Bogenrondo. Während das Thema des Refrains regelmäßig pul- sierend und charakteristisch für den Salterello im Sechsachtel-Takt gehal- ten ist, stehen die kontrastierenden Couplets im Zweiviertel-Takt. | Reizvolle Wechsel | Der Wechsel zwischen hier binär und dort ternär geradtaktigen Strukturen verleiht dem Werk einen besonderen Reiz, stellt aber Spielerinnen und Spieler vor eine technisch nicht ganz leicht zu bewältigende Aufgabe. Am Ende kehrt das Werk nur scheinbar zum Anfang des Preludios zurück, denn die mit Andante, quasi lontano, also scheinbar aus der Ferne kom- mende breit ausgeführte Coda beschließt den wilden Tanz versöhnlich, wenn auch im Sinne einer freien Tonalität his- torisierend archaisch ohne Terz, stattdessen Quarte, Quinte und große zu einem Mixturklang vereinend, unaufgelöst im Raum verklingend. Das mit einem Vorwort des Komponisten versehene Werk für Diskant- oder Altzither ist über den Ver- lag Edition Zither zu beziehen. Fredrik Schwenk Enjott Schneider, Bruegheliana Preludio e Saltarello für Zither solo Schwierigkeitsgrad 4 Verlag Edition Zither, Waging am See, 2009 Verlagsnummer: EZ NM 22, ISMN: M-700 205-46-1 Preis: 14.50 Euro 56 || REPERTOIRE

Seitenübersicht