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2014_Zither-Mag_3

Lanzinger Trio Spielt Stubenmusik CD 2013 Preis: 11,99 Euro (oder 8,99 Euro als Download) im Handel erhältlich Spielfreude, Witz und Ironie Das Lanzinger Trio legt unterhaltsame Aufnahmen vor Nach dem Tonträger-Debüt „Freilig“ veröffentlicht das Lan- zinger Trio innerhalb kurzer Zeit bereits seine zweite CD, diesmal unter dem schlichten Titel „Lanzinger Trio Spielt Stubenmusik“. Als „Stubenmusik-Jazz-Pop-Boyband mit 169 Saiten“, wie sich die Crossover-Formation nicht ohne Ironie bezeichnet, wandelt das Trio gerne zwischen den Stilen, öff- net zahlreiche musikalische Fenster und lüftet den Sound einer traditionellen Volksmusik-Saitenkombo auf unkonven- tionelle Weise aus. Somit mag man erahnen, dass auch un- ter dem Motto der vorliegenden CD wohl kaum die üblichen „Stubenmusik“-Hörerwartungen bedient werden. Man stellt es sich nicht ganz einfach vor, über mehrere Stü- cke hinweg dieser klanglich so vorbelasteten und relativ mo- nochromen Besetzung immer wieder neue Farben abzuge- winnen. Dem Lanzinger Trio gelingt dies jedoch mittels Witz, Ironie und ausgedehnter Spielfreude. Jene Charakterzüge bestimmen die Hauptrollen in den kompakten, leichtfüßig daherkommenden Nummern, die ihrerseits meist ein be- stimmtes Thema oder Motto umkreisen, stets angekündigt in einer originellen Titelgebung. Dabei finden sich rücksichtslo- se Anleihen bei der Sinfonik Beethovens („Boarischer Nr. 5“), Stilelemente von Country- und Westernmusik („Moto-Polka“) oder erstaunlich musikalische Lösungen für einen gänzlich außermusikalischen, komplizierten „Gesundheitszustand“ („Erziehungsheimer ADHS-Marsch“). Das Ganze kommt jedoch nie albern oder grobhumorig daher, denn die Musiker lassen genug Platz für feine Zwischentöne und für anspruchsvollen musikalischen Gehalt. Wahrnehm- bar wird dies in den vielfältigen, unvorhersehbaren Modulati- onen und Wendungen, die vor allem den ruhigeren Melodien unterlegt sind. Nicht zuletzt wagen die drei Musiker biswei- len eine ungewohnt draufgängerische, herrlich überdrehte Virtuosität, die man bei solchen Besetzungen eher selten zu Gehör bekommt. Bis auf eine einzige Ausnahme stammen alle Kompositionen von den Musikern des Trios selbst, na- mentlich Komalé Akakpo (Hackbrett) und Jörg Lanzinger (Zither), zu denen sich der Gitarrist Reinhard Schelzig gesellt. Zum besseren Verständnis der musikalischen Hin- tergründe sind in dem etwas sparsam gestalteten Booklet kurze Informationstexte zu den Stücken abgedruckt. Alles in allem eine sehr unterhaltsame CD, die sowohl Saiten- musik-Fans als auch Liebhaber unkonventioneller und an- spruchsvoller Folklore ansprechen wird. Leopold Hurt im fluss Landeszitherorchester Baden Württemberg LC 00693 Preis: 15 Euro (zzgl. 2,50 Euro Verpackung) Zu beziehen über Karin Käser, karin.kaeser@web.de Erinnerung und Ausblick Die neue CD des Landeszitherorchester Baden-Württemberg „Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte Er es mit den Werken Haydns; doch wenn Er selbst Musik hören wollte, würde Er sich für Boccherini entscheiden“, wird im CD-Booklet der Pariser Violinist Jean-Bapiste Cartier zitiert. Ein Wort, das sich Fredrik Schwenk, ein großer Verehrer Jo- seph Haydns, und das Landeszitherorchester Baden-Württem- berg wohl ebenfalls zu eigen gemacht haben, wie die Stückaus- wahl auf ihrer neuen CD zeigt. Das Landeszitherorchester Baden-Württemberg gehört noch nicht zu den traditionsreichen Klangkörpern. Es ist relativ jung, wurde erst 2000 von engagierten und musikbegeisterten Zitherspieler und –spielerinnen gegründet. Sie gehen mit ih- rem Dirigenten Fredrik Schwenk ausgesprochen kreativ und engagiert an die Programmfindung heran. Einerseits stellen sie junge Komponisten wie Anna Mikolajková vor, die für das Orchester das Stück „Jinam“ (tschechisch für „anderswohin“) schrieb. Die Vorgehensweise der mährischen Komponistin in ihrem gelungenen Erstling für Zither ist relativ konventionell. Zunächst kontrastierende Teile durchdringen einander im Ver- lauf des Stücks und transformieren das Material in eine ande- re Ebene, eben anderwohin. Andrerseits interpretiert das LZO einen Klassiker zeitgenössischer Zithermusik, Peter Hoch, mit „áto-ni“ – ein farbenfrohes Kaleidoskop mit einer freundlichen Assoziation im Titel an Toni Gösswein. Die Collage aus zither- typischen und neuartigen Spieltechniken funktioniert sowohl als Erinnerung als auch als Ausblick. Der ständige Wechsel ist Programm: gut gemachte Transkripti- onen von Gaspar Sanz, Luigi Boccherini, Francesco Geminiani stehennebenOriginalliteraturunsererZeit.DasHauptwerkist zweifelsohne Fredrik Schwenks „im fluss“. Das einsätzige Werk mit Wechselgesängen zwischen Soli und Tutti ist in seiner Ent- wicklung perfekt ausbalanciert. Der Übergang von beständi- gem Fließen ins Erstarren, der abrupte Riss, den Schwenk mit einer Bezeichnung aus Schuberts Liedschaffen mit „In glasiger Erstarrung“ beschreibt. Aber das Stück bleibt nicht stehen, os- tinate Flageoletts lassen die Musik auf einer höheren Ebene weiter fließen. Eine zwingende Entwicklung, die das Landes- zitherorchester ausgezeichnet gestaltet und der sich der Hörer nicht entziehen kann. Wolfgang Amadeus Mozarts lange Zeit in VergessenheitgerateneBallettpantomime„Lespetitsriens“be- endet die Einspielung mit einem humorvollen Augenzwinkern. Kompliment an das Zitherorchester, das souverän und klang- schöntönt.Unbedingthörenswert. Georg Glasl MAGAZIN |61

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