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2014_Zither-Mag_2

Dass Hans Berger in Kufstein Helden- orgel spielen wird, war zu Beginn sei- nes Lebens nicht absehbar. Bauer sollte er werden als ältester Sohn auf einem Bergbauernhof, der schon seit gut 500 Jahren besteht. „Ich war sehr gerne Bau- er und sehr gerne im Holz“, erzählt er. Doch es gibt auch die Musik. Ein Bauer, der ein Stück weiter oben am Audor- fer Berg lebt, unterrichtet Zither. Hans Bergers ältere Schwester darf hingehen und dort lernen. Den siebenjährigen Hans nimmt der zitherspielende Bauer erst beim dritten Anlauf als Schüler an. Das Notenlesen interessiert den Buben nicht. „Ich hab mir die Noten hingelegt und so getan, als ob ich danach spielte. Aber ich spielte nach Gehör“, erinnert er sich. Auf den Unterricht folgen 15 Jahre als Autodidakt. Lehrer ist das Radio. Al- les, was er hört, spielt der Bub nach: vom Schlager bis zur Volksmusik. Die Schla- ger seien leicht zu spielen gewesen, sagt Hans Berger. Und er ist weit davon ent- fernt, solche Musik verächtlich abzutun. „Wenn einem Kind etwas gefällt, dann passt es ja.“ Beim Zitherspiel allein bleibt es nicht. In Wall – zwei Kilometer den Berg hin- unter - steht gegenüber der heute nicht mehr existierenden Zwergschule eine Kirche samt einer Orgel. Und Hans Ber- ger lernt auf ihr zu spielen. Es vergehen noch ein paar Jahre, bis der junge Bauer bei einem Kurs in der Landvolkshoch- schule Wies eine folgenreiche Entschei- dung trifft. Er nimmt Kontakt zum Kon- servatorium in München auf, nachdem er ein Inserat gelesen hat, in dem von einer Ausbildung im Wintersemester die Rede ist. Es bleibt nicht bei einem Semester. Der Bru- der übernimmt die Landwirtschaft, und Hans Berger studiert sechs Jahre lang in München Kir- chen- und Volksmusik. Bei- des bleibt wichtig für ihn – wie die Heimat am Audorfer Berg. „Wenn man hier lebt, hat man einen Bezug zur Volksmusik, ein Gefühl dafür.“ Kein Wunder, dass er einen Brünnstoa-Landler geschrieben hat, einen Seebach-Boarischen oder ei- nen Grafenherberg-Landler. Zither und Orgel, Volkmusik und Kir- chenmusik – beide Stränge ziehen sich durch Hans Bergers Leben. Nach der Ausbildung wird er hauptberuflich Kir- chenmusiker in Oberaudorf. Unterricht gibt er zunächst auch noch, bis es dann zu viel wird. Denn es dauert nicht lan- ge, bis Hans Berger auch die Leitung der Müllner-Peter-Wallfahrt in Sach- rang übertragen wird. Die ist zwar nur einmal im Jahr, aber die Passion für die Musik aus jener Zeit des Müllner Peter ist geweckt. Er gräbt die Noten aus, die der Sachranger einst gesammelt hat, bearbeitet und instru- mentiert sie neu. Die Wallfahrt betreute er drei Jahrzehnte lang. Aber immer noch spie- len die Zeit des Müllner Peter und dessen No- tensammlung eine wichtige Rolle in seinem Musikerle- ben. Überhaupt achtet er darauf, Musik zu schreiben, die gut zu singen ist. „Sonst singen die Leute das nicht.“ Hans Berger achtet darauf, Musik zu schreiben, die gut zu singen ist Von der Tutti-Besetzung mit großem Instrumentarium und Montini-Chor (Bild oben) bis hin zur kleinen Stubenmusi - Hans Bergers Ensemble ist, wie der Chef selbst, sehr flexibel. Und manchmal ist er auch nur als Zuhörer unterwegs, wie auf dem Bild links am Zithertag 2014 in Schliersee. Fotos: Georg Kürzinger, Sigrid Hofstetter 12 | PORTRÄT

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