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2014_Zither-Mag_2

„K ennen Sie den Dritten Mann? Und was sonst?“ Der Werbe- slogan für das erste Zither- festival 1995 brachte die Ausgangs- situation exakt auf den Punkt: Die Zither war – abgesehen vom Harry-Li- me-Thema - zu Beginn der Neunziger- jahre aus dem öffentlichen Bewusstsein fast verschwunden. Im allgemeinen Konzertleben kam sie ohnehin kaum vor, was angesichts der mageren Ori- ginalliteratur in allen Stilbereichen nicht erstaunlich war. Etablierte Kon- zertveranstalter sahen keinen Grund, sich für Programme mit Zithermusik zu interessieren, die Auftritte der Zither- spieler blieben auf Volkmusiktreffen, volkstümliche Musikveranstaltungen und Adventskonzerte beschränkt. Nicht dass gegen diese Auftritte etwas einzuwenden wäre, doch zeichnete sich damals schon scharf ab, dass so eine Ein- engung die Zukunft des Instruments gefährdete. Über kurz oder lang würden die Nachwuchsspieler völlig ausbleiben, da die Zither, an den Rand gedrängt, kaum mehr in der Öffentlichkeit auf- tauchte. Sogar in der Volksmusik spiel- te sie eine immer geringere Rolle, weil sie, was Dynamik und optische Präsen- tation betraf, auf junge Menschen we- nig attraktiv wirkte. Daher war es dringend geboten, neue Literatur von renommierten Kompo- nisten zu gewinnen. Diese schreiben aber nur dann, wenn sie sicher sind, dass ihr Werk auch angemessen auf- geführt wird. Ein Festival bot sich als geeignetes Forum dafür an. Genauso entscheidend schien es mir, die Zither in angemessenen Räumen zu präsen- tieren. Keine Mehrzweckhallen, Kon- ferenzräume oder Nebenzimmer, wie so oft bei Zithermusiktagen, sondern der Versuch, sich in etablierten Konzertsä- len oder an ungewöhnlichen Orten zu behaupten. Und es war mir wichtig, mit der Zither in der Großstadt zu bestehen, in Konkurrenz zu vielen anderen hoch- karätigen musikalischen Angeboten. Im Nachhinein verblüfft mich das Selbstbewusstsein, mit dem ich das Projekt anging. Kein Geld und – im Gegensatz zu heute – noch kein zu- verlässig funktionierendes Unterstüt- zer-Team. Kaum Kontakte, bloß eine Idee, von deren Funktionieren ich zu- tiefst überzeugt war. Das erste Festival 1995 war ein reines Experiment. Vier Konzerte, Werkstattgespräche, Aus- stellungen – Münchner Publikum und Presse nahmen das Angebot tatsächlich so begeistert an, wie ich gehofft hatte. Also beschlossen wir weiterzumachen trotz des finanziellen Abenteuers, das so ein Festival immer bedeutet. Wir – das waren und sind vor allem meine Studierenden, von denen viele auch nach dem Studium dem Festival treu blieben und mithalfen, Konzerte, Wettbewerb und Workshops zu gestal- ten. Selbstverständlich stießen immer wieder auch Zitherspieler und Musik- freunde von außen in unseren Kreis und brachten sich kreativ und engagiert ein, ganz abgesehen von den vielen jungen Komponisten, die das Festival mit ihren Werken unterstützten. So entwickelte sich allmählich eine zwar kleine, aber sehr aktive Szene. Als glücklicher Umstand stellte sich die Zusammenarbeit mit dem Bayeri- schen Volksbildungsverband heraus. Dessen Geschäftsführerin Blanca Gent- Fast von Anfang an dabei: Reinhilde Gamper und Martin Mallaun (oben rechts) während eines Fo- rum-Konzerts bei Zither 3. Oder im selben Festival Leopold Hurt, hier links während der Uraufführung seiner „ALP.enmusik”. Fotos: Manfred Neubauer INNENANSICHT |31

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