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2014_Zither-Mag_2

den DJs Gebrüder Teichmann zusam- menfand. Die drei wählten als Aus- gangsbasis alte Schellack-Aufnahmen aus der Pionierzeit der bayerischen Volksmusikdokumentation, die sie mit technischen Hilfsmitteln zerlegten und neu verarbeiteten. Dazu kam Live-Mu- sik von der Zither. Der Ort des unge- wöhnlichen Klangexperiments war die Echtzeithalle, ein ehemaliger Bierkel- ler im Stadtteil Haidhausen. DasTriobeteiligtesichanZither5(2004) mit einer deutlich umfangreicheren Ar- beit, als sie in Heimsuchung I in einer multimedialen Spurensuche (Malerei, Videos, Zither und Live-Elektronik) nach den Wurzeln lokaler Musik forsch- ten. Heimsuchung II gestalteten 13- bis 18-jährige Jugendliche aus Deutschland, Italien, Slowenien und Österreich, die an mehreren Probenwochenenden hide@ park, ein 60-minütiges Werk von Volker Nickel, erarbeitet hatten und dies in der Folge nicht nur in München, son- dern noch an anderen Orten, u.a. beim Xong-Festival in der Schweiz aufführten. Die Einbindung junger Zitherspieler in das künstlerische Gesamtkonzept, das Überschreiten von Landesgrenzen, die Verbindung des Instruments mit neuen Medien, die Auseinandersetzung der Neuen Musik mit Volksmusik und den unreflektierten Klischees auf beiden Sei- ten – das alles wies in die Richtung, in die es weitergehen sollte. Die Arbeit mit den jungen Musikern bildete den ersten Schritt hin zu den Workshops, die seit- dem ein fester und stark nachgefragter Bestandteil der Festivals sind genauso wie der Internationale Wettbewerb für Zither solo, der 2004 erstmals stattfand. Ursprünglich waren es zwei Wettbewer- be, der Ernst-Volkmann-Preis für junge professionelle Zitherspieler, und der Nachwuchsförderpreis. Inzwischen ist letzterer aufgrund des großen Zuspruchs – 2012 hatten wir über 40 Teilnehmer – in drei Alterskategorien aufgeteilt. Als ein weiterer Höhepunkt der Fes- tivals erwiesen sich die Konzerte mit Alter Musik, die wir in Zusammenar- beit mit der Instrumentensammlung des Deutschen Museums veranstalte- ten. Auch hier lässt sich innerhalb der vergangenen 20 Jahre eine immense Weiterentwicklung hinsichtlich Auffüh- rungspraxis und dem Zusammenspiel mit dem Instrumentarium der Alten Musik beobachten. Nie verzichtet ha- ben wir auf die Volksmusik, in der die Zither wurzelt. Allerdings gab es gewag- te Kombinationen und regelmäßig Dis- kussionen über Identität und Heimat. Da für die sogenannte echte Volksmusik immer die Gefahr der verniedlichenden Verflachung besteht, schalteten wir oft Arbeiten zeitgenössischer Komponisten dazwischen. Erstmals ausprobiert wur- de das bei Zither 2 in den Landschaf- ten. Erfolgreich, denn die ungewohnten Töne schärften die Wahrnehmung. Jetzt laufen die Vorbereitungen für Zither 10. Nie hätte ich gedacht, dass meine Idee sich als so langlebig erwei- sen würde. Von Mal zu Mal – meist in den letzten Wochen vor dem jeweiligen Festival, wenn die Arbeit keine Sekun- de ausgeht und jeder irgendetwas ande- res von mir möchte – war ich fest ent- schlossen, dass das jeweilige Festival das definitiv letzte sein würde. Aber all das ist vergessen, wenn ich die vielen jungen Zitherspieler und -spielerinnen sehe, die inzwischen zum Gelingen des Festivals beitragen und uns auf eine Zukunft des Instruments hoffen lassen. Was die Uraufführungen betrifft: Im Vergleich zu Zither 1 kann ich mich in- zwischen fast entspannt zurücklehnen: Es gibt genügend junge SpielerInnen, die diese Aufgaben mit großer Begeis- terung und außerordentlichem Können übernehmen. In keinem Festival wurde auf Volksmusik verzichtet. Ein Großprojekt war die „Nacht der Idyllen” (Zither 8), in der Wolf Euba, beobachtet von Ruth Geiersberger, den Landlerkönig Hans Dondl gab. INNENANSICHT |33

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