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2014_Zither-Mag_2

Genau deshalb finde ich es so wichtig, die Zither bereits im Kindergarten vor- zustellen. Die Kinder dürfen anschlie- ßend dem Instrument Töne und Geräu- sche entlocken. Dazwischen spiele ich ein Lied, das sie kennen und mitsingen können. Auch ein „Melodieratespiel“ mit bekannten Liedern, etwa Pumuckl, Ku- ckuck oder Hänsel und Gretel, baue ich ein. Anschließend malen die Kinder auf einem Blatt Papier „ihre“ Zither, damit sie zu Hause zeigen können, was sie an diesem Tag im Kindergarten gelernt ha- ben. Dann entlockt jedes Kind der Zither noch einmal Töne und Geräusche, bevor sie gemeinsam das Instrument wieder in das Tuch wickeln, damit es sich ausru- hen kann. In einer Schnupperstunde geht es um nichts anderes, als den Kindern die Zither, ein ihnen fremdes Instrument, überhaupt ins Bewusstsein zu bringen. Es ist erstaunlich, wie sie auf die zar- ten Zithertöne „anspringen“. Jedes Mal sind sie begeistert, weil die Zither „sooo schön“ klingt! Überhaupt haben die „Schnupperer” einen Riesenspaß, wenn ich eine Gespenstergeschichte erzähle, welche sie mit Tönen und Geräuschen auf der Zither „vertonen“ dürfen. Wenn ich das Instrument Jugendlichen oder Erwachsenen vorstelle, spiele ich zuerst einige Stücke in verschiedenen Stilrichtungen vor. Ihnen gilt es zu ver- mitteln, dass in der Zither viel mehr Möglichkeiten stecken, als allgemein angenommen wird. Schließlich gibt es nur wenige Instrumente, auf denen Melodie und Begleitung gleichzeitig gespielt werden können. Auch wenn es anfangs länger dauert, bis man bei- de Spielbereiche beherrscht, ist das Erfolgserlebnis danach umso größer. Natürlich dürfen die „Schnupperer“ so- gleich den Daumenanschlag ausprobie- ren. Wenn sie bereits rhythmisch eini- germaßen im Takt anschlagen, ergänze ich ihre Begleittöne mit einer fetzigen Melodie. Entscheidend ist, dass meine interessierten Zuhörer in einer Schnup- perstunde auch selbst Musik machen. Das Erfolgserlebnis nimmt ihnen die Scheu vor dem Erlernen der Zither, da sie merken: „Hoppla, soooo schwer ist das ja wirklich nicht.“ Ich halte es für wichtig, in einer Schnupperstunde immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Zither gar nicht so schwer zu erlernen ist. Da sich der Zitherbau in den vergangenen Jah- ren weiterentwi- ckelt hat, gibt es heute Instrumente, die extrem leicht spielbar sind und trotzdem eine enorme Klangfülle besit- zen. Was die Kinderzithern betrifft, so gibt es inzwischen Modelle, die bereits von ganz kleinen Kindern ohne „schmer- zende“ Finger gespielt werden können. Auch die Psalterform begeistert die „Schnupperer“, häufig vor allem deren Eltern. Die moderne Bauweise ist oft- mals der Auslöser, warum sich Kinder oder auch Erwachsene für die Zither entscheiden. Genau das passierte auch, als ich im Juli 2013 die Zither bei einem Elternabend der Schulanfänger vorstellte. Die Psal- terzither begeisterte die Eltern so sehr, dass es jetzt in einer kleinen Grund- schule in Staudach/Chiemgau eine Zitherklasse mit sieben Erstklasslern gibt, die zwei Jahre mit je zwei Wochen- stunden die musikalische Grundausbil- dung auf der Zither erhalten. Sie lernen musikalische Grundkenntnisse wie No- ten, Notenwerte, Rhythmus, üben aber auch das Singen und sich selbst dabei zu begleiten. Vor allem machen sie die Erfahrung, wie schön es ist, in der Grup- pe gemeinsam zu musizieren. Dank der Hilfe einer Stiftung gelang es, für dieses Pilotprojekt sieben Kinderzithern mit Sponsorengeldern zu erwerben. Eine andere Möglichkeit, für die Zither zu werben, praktiziert der Landesver- band Bayern-Süd bereits seit einigen Jahren mit Erfolg: Er bietet kostenlose Schnupperkurse in bereits bestehenden Volksmusikseminaren an. Dieser Kurs stößt immer auf lebhafte Resonanz, meist können die Teilnehmer beim Abschlussvorspiel zu- sammen in der Gruppe kleine Stücke vortragen. Viele der „Schnupperer“ haben anschließend begonnen, Zither zu lernen. Der Kursleiter unterstütz- te sie freilich auch noch bei der Suche nach einem Lehrer. Wir haben mit der Zither eines der schönsten und vielfältigsten Instrumen- te, auch wenn sie etwas in Vergessenheit geraten ist. Aber in unserer schnellle- bigen Zeit setzt gerade eine leise Ge- genentwicklung ein und das Interesse am Instrument wächst wieder. Vermut- lich auch, weil es so vielseitig ist: Man kann ihr herrlich zarte Töne entlocken, sich mit barocken, jazzigen oder mo- dernen Rhythmen und Melodien auf ihr wieder finden und natürlich auch eine richtig rassige Volksmusik spielen. Es ist an uns, die Zither wieder bekannter zu machen, damit sie endgültig aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Längst gibt es Zithern, die Kinder ohne schmerzende Finger spielen können PÄDAGOGIK |41

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