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2014_Zither-Mag_2 - Selbstporträt - Die Suche nach innovativen Konzertformaten

Das Decoder Ensemble, spezialisiert auf Neue Musik, unterscheidet sich nicht nur durch die E-Zither von anderen Bands

Seit einiger Zeit ist in der Neuen-Mu- sik-SzeneeinUmbruchzubeobachten, der sich nicht zuletzt in zahlreichen Neu- gründungen von Ensembles verifizieren lässt. Die „Digital Natives“, also jene Ge- neration, die mit Computer und Internet aufgewachsen ist, prägt das Bild dieser neuen Ensemblelandschaft. Geprägt von der künstlerischen Ästhetik des digita- len Zeitalters nutzen junge, professionell ausgebildete Musiker die Infrastruktur etablierter Festivals und Konzertreihen, um eine frische Brise im Kultur- und Mu- sikbetrieb wehen zu lassen. Dabei wird nicht zuletzt versucht, speziell mittels innovativer Konzertformate neue Wege in der künstlerischen Präsentation zu finden und die aktuellen Entwicklungen im Bereich der zeitgenössischen Musik einem möglichst großen Publikum auch abseits der üblichen Spezialisten-Zirkel näherzubringen. ZudiesenneuenMusikerkollektivenzählt das Decoder Ensemble Hamburg, das sich als „Band“ für aktuelle Musik versteht und wohl zu den eigenwilligsten Forma- tionen dieser Art zählt. 2011 aus Absol- venten der Hamburger Musikhochschule gegründet, konnte sich das Ensemble in kurzer Zeit auf internationaler Ebene eta- blieren. Der Name „Decoder Ensemble“ bezieht sich auf das „Entschlüsseln“ von Notentexten – oft eine schweißtreibende Aufgabe in der zeitgenössischen Musik – sowie auf die komplexen Schaltungen und Algorithmen digitaler Geräte, die in Form von Computern bisweilen Teil des musikalischen Setups sind. DasBesondereandieserGruppeistvoral- lem die Besetzung, die sich in der Kombi- nation von Singstimme und elektronisch verstärkten Instrumenten eher an Rock- und Popbands als an traditionelle Kam- mermusikformationen orientiert. Der engere Kern des Ensembles besteht dabei aus sieben Interpreten: Frauke Aulbert (Stimme), Carola Schaal (Klarinette), Sonja-Lena Schmid (Violoncello), Jonat- han Shapiro (Schlagzeug), Leopold Hurt (E-Zither),AndrejKoroliov(Klavier/Key- board) sowie Alexander Schubert (Elek- tronik). Auffällig ist die Verwendung der E-Zither, die der Gruppe mit ihrer unverbrauchten Klangfarbe ein gewisses Alleinstellungsmerkmal verleiht. Auch die Integration eines „Elektronikers“ bzw. „Sounddesigners“ als festes Mitglied zeigt den zeitgemäßen Umgang mit den neuen Medien: Elektronik ist nicht mehr ein Zusatz, eine Verstärkung oder ein Effekt, der auf Traditionelles aufgesetzt wird, sondern ein eigenständiger, essentieller Bestandteil des Ensembleklangs. Die Musiker von Decoder haben sich be- reits als Solisten und Performer einen Na- men gemacht. Drei der Mitglieder – Leo- pold Hurt, Andrej Koroliov und Alexander Schubert – sind zudem als Komponisten tätig und prägen den Sound des Ensem- bles mit ihren Werken und ihrer persön- lichen Herangehensweise an Musik. Die enge Kollaboration zwischen Komponis- ten und Interpreten geht jedoch über den engeren Kreis des Ensembles hinaus und ist Grundvoraussetzung für die ge- samte Konzertarbeit. Schon allein wegen Die Suche nach innovativen Konzertformaten Das Decoder Ensemble, spezialisiert auf Neue Musik, unterscheidet sich nicht nur durch die E-Zither von anderen Bands 56 | SELBSTPORTRÄT

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