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2014_Zither-Mag_2

der ausgefallenen Besetzung ist Decoder gezwungen, sein Repertoire in Zusam- menarbeit mit der aktuellen Generation von Komponisten von Grund auf neu zu schaffen, sei es durch Bearbeitungen vorhandener Stücke, durch Adaption von Werken mit offener, nicht festgelegter In- strumentation oder durch die Vergabe von Kompositionsaufträgen. Gerade bei so sel- tenen Instrumenten wie der E-Zither ist ein enger Austausch zwischen Spieler und Komponist unabdingbar, denn schon in Bezug auf die grundlegende Spieltechnik tauchen schnell viele Fragen auf. Interessant ist dabei jedoch, was die „Zither-fremden“ Komponisten an Ide- en mitbringen und wie sie dabei Klänge erfinden, die selbst versierte Interpreten noch überraschen können. Die anfäng- liche Not bezüglich fehlender Stücke konnte durch die Erweiterung der pro- grammatischen Linie schnell überwun- den werden: Sie reicht mittlerweile von experimenteller Instrumentalmusik über elektronische Interaktionen bis hin zu musikalischer Konzeptkunst. Im Gegenzug bietet Decoder den jungen Komponisten eine professionelle Auffüh- rungsplattform.VerbindungenNeuerMu- sik mit Medien wie Video, Konzeptkunst und Performance-Art zeichnet oftmals die Zusammenstellung der Konzertpro- gramme aus. In diesem Zusammenhang konnten junge, internationale und mul- timedial arbeitende Komponisten wie Matthew Shlomowitz (England) oder Marisol Jiménez (Mexiko) erstmals in Deutschland präsentiert werden. Diese Vermittlungsarbeit über die Landesgren- zen hinweg ist Decoder ein besonderes Anliegen. Schnell wurden international wirkende Konzertveranstalter auf das Konzept des Ensembles aufmerksam. So folgten bereits nach kurzer Zeit Ein- ladungen zu Festivals wie „What's Next“ (Brüssel), „KLANG“ (Kopenhagen) oder der „Klangwerkstatt Berlin“. Ausschlaggebend für die steigende Nach- frage bei Publikum und Veranstaltern ist neben dem kompromisslos aktuellen Repertoire auch die originelle Auswahl von Konzertorten, an denen ein neues und vor allem junges Publikum gewonnen werden konnte. Abseits der „klassischen“ Säle finden die Events des Decoder En- sembles vor allem in Clubs der elektro- nischen Musikszene statt, so zuletzt im legendären „Berghain“ Berlin. Die Zu- hörer werden dort abgeholt, wo sich ein überdurchschnittlich junges Publikum gerne aufhält. Zudem hat die Erfahrung gezeigt, dass viele Besucher in der gelo- ckerten Atmosphäre eher bereit sind, sich einem Abend mit anspruchsvoller Musik auszusetzen, als dies in bereits etablierten Einrichtungen für klassische Konzerte der Fall wäre. Wichtiger Teil des Konzepts ist auch die Kooperation mit lokalen DJs und Electronica-Künstlern, mit deren Hil- fe auch inhaltlich ein kreativer „Link“ zur derzeitigen Clubkultur geschaffen wird. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dassdasmusikalischeGesamtkonzeptvon Anfang an wichtige Förderer überzeugen konnte. So wurde Decoder im April 2012 mit einem Ensemble-Preis des „Hermann und Milena Ebel-Preises“ 2011 (Stiftung Maritim Hamburg) ausgezeichnet, er- hielt 2013 eine Konzertförderung seitens der Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung und wird regelmäßig von der Kulturbehörde Hamburg finanziell unterstützt. Ohne solche Geldgeber wäre die professionelle Durchführung der anspruchsvollen musi- kalischen Projekte kaum denkbar. Dabei ist zu anzumerken, dass jedes En- semblemitglied neben der künstlerischen Arbeit auch einen Teil administrativer Aufgaben übernehmen muss, angefangen von der Organisation über Fragen der Finanzierung bis hin zur Öffentlichkeits- arbeit. Dies ist ohne eine große Portion Enthusiasmus kaum möglich. Die Musi- ker des Ensembles eint jedoch nach wie vor die Begeisterung für neueste Musik und der Wunsch, diese einem breiten Pu- blikum näherzubringen (Infos unter www. decoder-ensemble.de.) Leopold Hurt Ungewöhnliche Auftrittsorte, abwechslungsreiche Präsentationen, durchweg aktuelle Musik: Das Decoder Ensemble aus Hamburg überzeugt mit seinem musikalischen Gesamtkonzept. Die E-Zither verleiht der Gruppe ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Fotos:AlexanderBanck-Petersen(1),privat SELBSTPORTRÄT |57

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