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2014_Zither-Mag_2 - Anders Denken

Herzrasen, Schwitzen, Kreislauf- probleme, ein flaues Gefühl im Ma- gen, Konzentrationsprobleme: Lam- penfieber kennt jeder Musiker. Laut Schätzungen leben 95 Prozent aller Musiker mit dieser Angst vor einer negativen Beurteilung, die sich schlecht auf ihr Selbstwertgefühl auswirken könnte. Zugleich haben Studien belegt, dass leichtes Lam- penfieber die Qualität hebt. Es stei- gert die Aufmerksamkeit, damit die Intensität und so möglicherweise die Expressivität. Daher hat Zither nachgefragt, wie Zitherspieler mit großer Bühnenerfahrung die Angst vor dem Auftritt bewältigen. Welche Strategien haben Sie ge- gen Lampenfieber entwickelt? Wie gelingt es Ihnen, die negative Anspannung auf der Bühne in po- sitive Energie umzuwandeln? 1 2 AndersDenken Isolde Jordan Frage 1: Vorweg: Ich weiß, dass viele Musiker nicht ohne Medi- kamente (z.B. Beta-Blocker) auftreten, eines der traurigen Ka- pitel in unserem Beruf. Ich selbst habe noch nie irgendwas ein- genommen, auch keine harmlosen Mittelchen; die meisten von uns Zitherspielern stehen aber bei weitem nicht unter dem Druck wie andere Instrumentalisten. Ich versuche immer wieder, dieser Herausforderung im Vorfeld mental zu begegnen. Das heißt, ich stelle mir schon zu Hause die Situation vor, idealerweise kenne ich den Raum, stelle mir vor, es ist ganz viel Publikum da, und da- runter sind Menschen, deren Meinung mir wichtig ist. Auf diese Weise baut man schon beim Üben Nervosität ab. Direkt vor dem Auftritt helfen mir Ruhe, tiefes Atmen, liebe Leute um mich her- um. Ich achte darauf, genügend Zeit zum Aufbauen und Stimmen zu haben und positiven Einfluss auf die Lichtgestaltung, das Am- biente, die Stimmung im Saal zu nehmen. Frage 2: Generell bin ich der Meinung, dass wir Musiker gar nicht so wichtig sind, sondern die Musik. Wenn wir einen „Schritt“ zu- rücktreten und unser Ego zurückstellen und dafür die Musik ins Zentrum setzen, uns voll und ganz ihrer Gestaltung widmen und ihrem Potenzial zur Entspannung, Anregung, Vermittlung von Gedanken und Gefühlen, dann kann viel von der negativen Spannung abfallen und - im Idealfall - in positive Energie umge- wandelt werden. Dann kann es sogar passieren, dass man besser spielt als ohne Zuhörer, weil ein wechselseitiges Geben und Neh- men, eine ganz spezielle Art der Kommunikation passiert. Nicht ein „Schaut her, was ich kann, aber ich habe Angst, dass es mir nicht gelingt“, sondern ein „Da ist was Schönes, das möchte ich mit Euch teilen, kommt mit auf meinem Weg und wenn einer von uns einmal stolpert, ist das nicht dramatisch.“ 6 | ANDERS DENKEN

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