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2014_Zither-Mag_2 - Magazin

Neuerscheinungen

Neuerscheinungen Ruderals Martin Mallaun und Karlheinz Essl free improvisations for zither and elec- tronics Nachtstück Records NS-R-01 Kostenloser Download unter http://nachtstuckrecords.bandcamp. com/album/ns-r-01-martin-mallaun- and-karlheinz-essl-ruderals Musikalisches Neuland Eine CD von Martin Mallaun und Karlheinz Essl Ruderal (lat. rudus ‚Schutt‘) nennt man Pflanzen, die auf de- vastierten, übernutzten oder vegetationsfrei brach gehaltenen Böden zu Artengemeinschaften heranwachsen. Mit der CD Ruderals, einer Gemeinschaftsproduktion zweier Persön- lichkeiten der österreichischen Musikszene begeben wir uns in Grenzbereiche, die der Zitherwelt noch wenig erschlossen sind. Martin Mallaun, der seit einigen Jahren neben Auftritten u. a. beim Edinburgh International Festival oder Klangforum Wien, durch Mitwirkung im Zither-Ensemble Trio Greifer zu- nehmend in der zeitgenössischen Musikszene unterwegs ist, und der 1960 in Wien geborene Komponist Karlheinz Essl, der nach einem Kompositionsstudium bei der Wiener Legende Friedrich Cerha mit seinen Aufenthalten als composer in re- sidence in Darmstadt und am Pariser IRCAM zwei klassische Karrierestufen zum Parnass avantgardistischen Mainstreams emporgeklettert ist, sind eine äußerst interessante, zwischen Free-Jazz-Einflüssen, algorithmischen Kompositionsverfahren und kunstgewerblicher Formentwicklung pendelnde Symbiose aus Improvisation und elektroakustischer Komposition bzw. Manipulation eingegangen. Martin Mallaun mit der Zither und der Avantgardist Essl mit der selbst entwickelten m@ze°2-Computer-Software bewe- gensichnachAnsichtdermeistenmusikliebendenMenschen sicherlich weit ab vom vertrauten Terrain musikalischer Kon- ventionen. Doch klingen viele der Titel irgendwie vertraut, als ob der beabsichtigte Vorstoß in musikalisches Neuland mit den Mitteln tradierter Muster aus Jazz und Algorithmen nicht recht gelingen wollte. Exemplarisch herausgegriffen sei hier der knapp neun Minu- ten dauernde Titel Ballota Nigra. Vielleicht ist es gerade der Verzicht auf vorgefasste Konzepte, Regelwerke musikalischer Dramaturgie, der dem angestrebten spontanen Dialog zum Trotz eine eher konventionelle Progression aufoktroyiert, wie wir sie aus vielen Improvisationsmodellen der Vergangen- heit und Gegenwart gewohnt sind. Das Verweben von Tönen, Sounds und Geräuschen gerät bisweilen zu einem eindi- mensionalen Stilmittel, dessen Tiefenschärfe durch das der Improvisation geschuldete Zufällige verflacht und manchen Titeln die Prägnanz nimmt, die das kompositorische Verfah- ren eigentlich erfordert. Weitere Titel: Matura Stramonium, Echium Vulgare, Urtica Dioica, wie Ballota Nigra alles Pflan- zen aus der Ruderalgemeinschaft. Hörenswert schon wegen der hervorragenden Klangqualität. Fredrik Schwenk Der dritte Mann Greene, Graham / Haider, Georg Der dritte Mann Orson Welles` Schatten für Kriminal- klangensemble, Klangbuch mit 1 CD Preis: 24.90 Euro Zu bestellen über: www.mandelbaum.at Spannendes Kopf-Kino Das aufwendig gestaltete Klangbuch „Der dritte Mann“ „Der dritte Mann“ zählt zu den großen medialen Erfolgstorys der Nachkriegszeit. Carol Reeds Film mit seinen düsteren Bildern aus dem zerbombten Wien, dem Auftritt der Lein- wandlegende Orson Welles sowie der berühmten Hetzjagd durch den Untergrund der Abwasserkanäle lockte Millionen in die Kinos. Eng damit zusammenhängend erreichte die un- verwechselbare Begleitmusik des Zitherspielers Anton Karas eine bis heute nachwirkende Popularität. Ein Team aus verschiedenen künstlerischen Richtungen hat sich nun erneut der literarischen Vorlage angenommen und unter dem Titel „Der dritte Mann – Orson Welles' Schatten für Kriminalklangensemble“ ein „Klangbuch“ auf CD heraus- gegeben. Es handelt sich um eine Lesung des Romans durch den Schauspieler Norbert Gastell, kombiniert mit Musik des Münchner Komponisten Georg Haider, die von einem Ensem- ble, bestehend aus Posaune (Michael Büttler), Schlagzeug (Matthias Würsch) sowie einem Zitherquartett (Reinhilde Gamper, Georg Glasl, Martin Mallaun, Gertrud Wittkowsky) interpretiert wird. Im Kern geht die Musik zurück auf ein Pro- jekt, das bereits 2001 beim Münchner Festival „Zither 4“ vorge- stellt wurde. Für das Hörbuchprojekt hat Georg Haider seine damals uraufgeführte Komposition neu überarbeitet und für eine konzertante Lesung dramaturgisch aufbereitet. Die Mu- sik selbst eröffnet dabei eine anspruchsvolle, mikrotonale und in Vierteltönen angeordnete Welt, die entfernt an die markan- te chromatische Melodik von Anton Karas erinnern mag, den Klangraum jedoch mehrdimensional aufspaltet. Dies betrifft auch die Instrumentation: Die Posaune mit ihrem sanft-bissigen, elastischen Blechklang sowie das tiefgründig pochende Schlagzeug bilden zusammen mit dem Zitherquar- tett ein apartes, „subversives“ Klangbild mit ganz eigener Fär- bung. Auch wenn so eine selten gehörte Kombination auf den ersten Blick vielleicht stark disparat erscheint und die Rhyth- men mitunter sehr vertrackt wirken, nimmt die dabei entste- hende Musik dank ihrer vielen morbiden, witzigen und gro- tesken Momente sofort gefangen. Gerade in jenen Passagen, in denen die hart umrissene Klangwelt Haiders direkt in den gesprochenen Text integriert wird, entsteht ein ganz eigenes „Kopfkino“. Die hohe Qualität der Textfassung, der Musik und der Interpretation macht dieses aufwendig gestaltete Hörbuch zu einem Schmuckstück. Eine Empfehlung für alle, die sich dem Klassiker „Der dritte Mann“ einmal auf eine ganz neue und unkonventionelle Art nähern möchten. Leopold Hurt 64 | MAGAZIN

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