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2014_Zither-Mag_2

Sounds of Raetikon Christoph Dienz als Download verfügbar auf: brokenrules.bandcamp.com/album/ sounds-of-raetikon Online-Preis: ab 5 Euro (wer den Künstler unterstützen will, kann auch mehr zahlen) Anspruchsvoll bis luftig heiter Christoph Dienz streift durch verschiedene Genres Der österreichische Musiker, Klangkünstler und Komponist Christoph Dienz ist der Zitherwelt vor allem bekannt durch sein Pop-Projekt „Dienz zithered“, das er in zahlreichen inter- nationalen Live-Auftritten präsentiert und auf einem CD-Dop- pelalbum dokumentiert hat. Hierfür erlernte er das Saitenin- strument im Selbststudium und erweiterte den Klang einer E-Zither mit elektronischen Mitteln, vornehmlich um live aufgenommene Klangschleifen (Loops) vielfältig übereinan- der schichten zu können. Im April 2014 veröffentlichte Dienz sein neuestes Album mit dem Titel „Sounds of Raetikon“, das klanglich nicht zuletzt auch von seinen Experimenten mit der Zitherzehrt.EshandeltsichbeidieserCDumeineZusammen- stellung von vier bis sechsminütigen Stücken, die ursprünglich als Soundtrack für ein Computerspiel namens „Secrets of Rae- tikon“ entstanden sind. Dieses Spiel zeichnet sich visuell vor allem durch künstlich erstellte alpine Landschaften in einer speziellen, schablonen- haft-digitalen Ästhetik aus. Analog dazu komponierte Dienz collagenartige, atmosphärische Tracks im Stil von Electroni- ca-Popmusik, wobei seine Klanglandschaften vor allem auf Samples alpiner Instrumenten basieren: Christoph Dienz bleibt sich also auch als Elektroniker seinen Wurzeln, die in der Klassik und Volksmusik liegen treu. Die instrumentalen Sounds tauchen teilweise pur auf, sind jedoch meist mit den Mitteln digitaler Nachbearbeitung verfremdet oder werden mit Naturgeräuschen, Schlagzeug-Samples und synthetischen Klängen kombiniert. Auf dem Album findet sich zudem ein launiger Bonus-Track („Chasing Aurora Main Theme“), der wegen der ausschließ- lichen Verwendung von Saitenklängen (u.a. Zither) und der Überlagerung verschiedener Rhythmus-Spuren am ehesten an „Dienz zithered“ erinnert. Alles in allem ist „Sounds of Raetikon“ anspruchsvolle bis luf- tig-heitere Popmusik, die mit Witz verschiedene Genres der aktuellen Electronica- und Clubkultur streift und dabei auch tänzerische Anleihen an die Volksmusik nimmt – geeignet sowohl zum genauen Hinhören und Mitwippen als auch zum entspannten „Chill-Out“. Leopold Hurt Leopold Hurt Porträt-CD Edition zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats Label: Wergo Bestellnr.: WER 64102 Preis 16,50 Euro Ein grandioses Hörerlebnis Die Findlinge des Komponisten Leopold Hurt Leopold Hurt gehört als Zitherspieler zweifellos zu den besten jungen Interpreten. Er ist aber auch Komponist und auf die- sem Gebiet keinen Deut weniger erfolgreich. Nun ist es auch heutzutage nichts Ungewöhnliches, dass Komponisten ihre In- strumente hervorragend spielen - Jörg Widmann oder Moritz EggertseiendafüralsBeispielegenannt.InderGeschichteun- seres Instruments ist es aber bislang ein einmaliges Ereignis, dass ein Zitherspieler auch ein anerkannter Komponist in der zeitgenössischen Musikszene ist. Wie anerkannt zeigt sich daran, dass der Deutsche Musikrat ihm eine Porträt-CD widmet und ihn damit in die obere Riege der zeitgenössischen Komponisten einreiht. Die vier Stücke der CD liefern einen guten Einblick in die Arbeitsweise Leo- pold Hurts, der sich gern von Fundstücken anregen lässt. Er- ratischer Block, so der Titel des 2006 entstandenen Werks für Violine, Saxofon, Klavier, Schlagzeug, mikrotonale Zither und Zuspielung, ist der geologische Begriff für einen vereinzelt in der Landschaft liegenden Stein. Hurts Findlinge sind Schel- lack-Aufnahmen – Volksmusikdokumente der Zwanzigerjahre, die er aber nicht sofort offenbart, sondern denen er sich behut- sam nähert. Abgesehen davon, dass es kaum Komponisten gibt, die sich mit alpenländischer Musik beschäftigen, ist es faszi- nierend zu hören, wie dezent er sich vorantastet, neue Klang- schichten freilegt, sie wieder überlagert, bis dann das Original durchschimmert und eine neue Landschaft entsteht, fein be- gleitet von zeitgenössischen Klängen des sensibel spielenden „ensemble mosaik“. Für mich der absolute Höhepunkt der CD. In Seuring / Schalter (2011-12), das er mit den Hamburgern Philharmonikern unter der Leitung von Simone Young urauf- führte, nutzt Leopold Hurt Ländlermelodien des oberbaye- rischen Musikanten Friedrich Seuring, die Sepp Eibl in sei- nen Münchner Musikblättern veröffentlicht hat. Dieses Mal freilich ohne dass die Originale wirklich hörbar werden, der Hörer scheint sie, gesteuert durch bestimmte Frequenzen, nahezu mitzudenken. Beeindruckend, wie klanggewaltig er die Zither im Kontext des großen Orchesters einsetzt. Dass er seine eigene Musik hervorragend interpretiert, muss nicht extra erwähnt werden. Aber mit dem „ensemble resonanz“ und dem „mondrian ensemble basel“ hat er auch Partner gefunden, die sich mit großer Präzision auf seine Musik ein- lassen und die Werke ohne Zither, „Dead Reckoning“ für 12 Streicher (2012) und „August Frommers Dinge“ für Violine, Viola und Violoncello (2008) zu einem grandiosen Hörerleb- nis werden lassen. Georg Glasl MAGAZIN |65

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