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2014_Zither-Mag_2

Ein analytischer Denker Der Musiktheoretiker Siegfried Sasek aus Hilders ist tot Siegfried Sasek ist am 4. Fe- bruar 2014 in Hilders gestor- ben. In seinem Unterrichts- werk, seinen Kompositionen und musikwissenschaftlichen Abhandlungen hat er einen neuen Zugang zum polypho- nen Zitherspiel erschlos- sen. In der „Systematik der Zitherbesaitung” analysiert er mit mathematischer Ex- aktheit die Vielfalt der Frei- saiten-Anordnungen, was zu verblüffenden Optionen in der Spieltechnik führt. Bei der Untersuchung von Inter- vallen, Akkorden und diato- nischen Tonfolgen stellt er alle möglichen Fingersätze dar – z.B. Fingerwechsel, 4. und 5. Finger auch im vorderen Freisaitenbereich –, wodurch auf der Zither mit traditioneller Technik nicht spielbare Kompositionen aufgeführt werden können. Außerdem wird eine bisher nicht für möglich gehaltene Dämpftechnik erreicht. Die praktische Anwendung dieser Analyse legt Siegfried Sasek in seinem Unterrichtswerk „Die Technik des polyphonen Zither- spiels” (zwei Bände, mit Vorschule) sowie in seinen Kompositi- onen überzeugend dar. Sie wollten neue Perspektiven der Spiel- technik eröffnen. Saseks Abkehr vom traditionellen Fingersatz machte ihn in der Zitherwelt zum Außenseiter. Konzepte für neue Spieltechniken in den Freisaiten gab es aber auch ander- weitig schon. Geboren wurde Karl-Siegfried Sasek am 6. Febru- ar 1926 in Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz. Mit zehn Jahren wechselte er in die Klosterschule Striegau (Strzegom) in Niederschlesien (südwestlich von Breslau). Er übersprang zwei Schulklassen und legte 1943 das Notabitur ab. Aus tschechischer, russischer und polnischer Kriegsgefangen- schaft brach er erfolgreich aus. Nach nochmaligem Abitur 1946 in Leipzig studierte er Medizin, Mathematik, Musik und Philoso- phie ohne Abschluss. Vor dem medizinischen Staatsexamen wur- de er wegen politischer Unzuverlässigkeit (Kritik an der DDR) verhaftet. In Leipzig saß er 1950/1951 vier Wochen im Gefängnis. Im Dezember 1952 floh er nach Westberlin. Da er mangels finan- zieller Mittel sein Medizinstudium im Westen nicht abschließen konnte, legte er die Heilpraktikerprüfung ab und arbeitete als Heilpraktiker in Fulda. 1970 baute er nach eigenen Plänen in Hilders ein Haus, in das er 1972 einzog. Ein Augenleiden ließ ihn inseinenletztenLebensjahrenfastvölligerblinden. Reinhard Tafferner Der hilfsbereite Tüftler Rudi Porschen im Alter von 81 Jahren gestorben Aus Köln gibt es leider Trauri- ges zu berichten. Der Kölner Zitherspieler und Instrumen- tenbauer Rudi Porschen ist im Alter von 81 Jahren ver- storben. Zeit seines Lebens bestimmte die Zither und der Umgang mit dem Material Holz sein Schaffen und Wir- ken. Seine große Leidenschaft war das Zitherspiel. Ich lernte Rudi Porschen 1967 bei einer Probe des Kölner Zithermu- sikvereines von 1912 kennen. Damals, 17 Jahre jung, stand ich da mit meiner alten, klei- nen Kinderzither vor einem Ensemble im besten Zitheral- ter. Ich musste vorspielen, Rudi Porschen schaute sich meine Zither an und meinte: „Jung`, wat ist dat dann für e Waschbrett. DatisevvernixfürDich“.AufeinerdernächstenProbendrückte er mir eine Kellermann-Zither in die Hand und meinte, ich solle diese ausprobieren. Das klappte prima, ich kaufte sie ihm für 50 Mark ab. Mit dieser Zither spielte ich fortan mit Rudi Porschen im Kölner Zithermusikverein die 1. und 2. Diskantzither. Die An- ekdote bezeugt einer der wesentlichen Eigenschaften von Rudi Porschen: seine große Hilfsbereitschaft. Er war nicht nur vom Zitherspiel fasziniert, er wollte das Ins- trument auch selbst bauen. Als Werkzeugmacher bei den Köl- ner Ford-Werken hatte er mit Präzisionswerkzeugen umgehen gelernt. Er besuchte Zitherbauer in ganz Deutschland, besorgte sich Literatur, kaufte sich geeignetes Holz und saß dann Tag für Tag in seiner kleinen Kellerwerkstatt. Dort werkelte und tüftelte er mit Akribie, viel Geschick und Geduld an seinen Entwürfen herum. Es gelang ihm tatsächlich, Zithern in handwerklicher Perfektion und mit gutem Klang herzustellen. Seine Perfek- ta-Zithern wurden von namhaften Zitherspielern, auch außer- halb Kölns, gekauft. Zusätzlich baute er Zithertische mit heraus- drehbaren Füßen, Notenpulte, zuletzt auch Kontrabassgitarren. NachderAuflösungdesKölnerZithermusikvereinesindenAcht- zigerjahren spielte ich mit Rudi Porschen in der Stubenmusik des Gebirgs-Trachten-Erhaltungsvereins D'Holzhacker Leverku- sen. Zwischendurch half Rudi aber auch immer wieder bei der Stubenmusik des Bayern- und Schuhplattlervereins D' Wendsto- ana Köln 1925 und der Bonner Stubenmusi aus. Viele Zither- spieler und -sammler suchten seinen fachmännischen Rat. Wir werden Rudi Porschen sehr vermissen. Konny Kyrion Gedenken Ein Außenseiter in der Zitherwelt: Siegfried Sasek Foto: privat Ein immer hilfsbereiter Freund: Der Zither- spieler Rudi Porschen Foto: privat ZITHER SZENE |79

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