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2014_Zither-Mag_2 - Profil - Der mit den flinken Fingern

Joannes Schubert experimentiert gern mit zeitgenössischer Musik, begeistert aber auch mit Stücken von Grünwalc und Reigersberg

Fünf Jahre ist das schon wieder her, dass ich mit Jo den B-Lehrgang ab- geschlossen habe. Jo – das ist Johan- nes Schubert, ein echtes Talent auf der Zither. Als ich die erste Lehrprobe mit ihm als Schüler machte, musste ich lang überlegen und suchen, was in aller Welt ich einem so begabten Schüler als „nahe zu bringendes Unterrichtsthema“ anbieten sollte. Der konnte doch mit seinen langen schlanken Fingern alles im Handumdrehen spielen. Dann kam die rettende Idee: ein getragenes Menuett. Johannes sollte lang- sam und feierlich spielen und die Akzente so setzen, wie ich das wollte. Die Lehrprobe war ein Erfolg, weil er tatsächlich eine gefühlvolle Interpretation des Stückes erarbeitete, und alle spürten, wie gern er schneller ge- spielt hätte. Er bot mir im Gegen- zug zeitgenössisch experimentel- le Geräusche, ein Fragment aus einer seiner Uraufführungen der Zithermusiktage 2007, „Stuben- musik in die Ferne geträumt“ von Matthias Kaul. Wir hatten viel Spaß damals und erlebten die Hö- hen und Tiefen der zweijährigen Lehrgangsausbildung. Jedoch war das nicht der Anfang. Ich kenne Johannes schon, seit er 13 Jahre alt ist. Wir tra- fen uns auf einem der Seminare des Landesverbandes Bay- ern-Nord 2002 in Hammelburg, wo er inzwischen regelmäßig unterrichtet. Schon damals konnte er super spielen und suchte gerade einen neuen Lehrer. Seine Wahl fiel auf Tomy Temerson, der ihn erfolgreich in den Jugend-Musiziert-Bun- deswettbewerb 2006 schickte. Geboren wurde Johannes 1988 in Offenbach/Main, aufge- wachsen ist er auf einem Reiterhof in der Nähe von Fulda. Inzwischen studiert er an der Hochschule Fulda Angewandte Informatik, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik, ein Fach, das er regelmäßig, aber immer nur für die Zither vernachläs- sigte, um in Trossingen bei den Lehr- gangsphasen dabei zu sein. An die Zither geriet er im „Marianum Fulda“, einer staatlich anerkannten privaten Realschule eher zufällig, als er im Rahmen des Musikunterrichtes über das Instrument ein Referat halten sollte. Einer seiner Urgroßväter spiel- te Zither, aber das erfuhr er erst spä- ter. Sein Großvater und Förderer war Schulamtsdirektor in Frankfurt und ein Vollblutmusiker auf allen Tasteninstrumenten, sein ers- ter Zitherlehrer Albert Scharrer einer „von der alten Schule“. Er schickte ihn früh auf Seminare, trat mit ihm nach sechs Mona- ten Unterricht erfolgreich auf. Johannes war bald zu schnell für ihn. Schon nach einem Jahr konnte er ihm nichts mehr bei- bringen. Rund sechs Stunden am Tag übte er damals und fand das total normal. Heute ist es eine Stunde, vor Konzerten natür- lich mehr. Seine musikalischen Vorbilder aus der „verstaubten Zitherwelt“ heißen: Grünwald, Mickenschreiben oder Rei- gersberg. Die aktuellen sind sein ehemaliger Lehrer Tomy Temerson, den er als „sehr gu- ten Erklärbär“ und Freund bezeichnet, und natürlich Georg Glasl. Ansonsten steht er auf Iron Maiden, Queen, Pepe Ro- mero oder Pablo Casals. Johannes blickt auf zahlreiche Wettbewerbssiege und Auf- tritte als Solist zurück. Er liebt zeitgenössische Musik, hat bereits einige Uraufführungen gespielt und schätzt es, mit dieser Musik zu experimentieren. Seit 2010 ist er Jugend- leiter im DZB-Landesverband Mitte, für den er im Frühjahr 2014 in den Bundesmusikausschuss gewählt wurde, um dort seine Ideen ein zu bringen. Nikola Hammon / Foto: privat Der mit den flinken Fingern Johannes Schubert experimentiert gern mit zeitgenössischer Musik, begeistert aber auch mit Stücken von Grünwald und Reigersberg 80 || PROFIL

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