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2015_Zither-Mag_1

Der Zithervirtuose Hans Krasser tritt seit 67 Jahren auf und engagiert sich unermüdlich für sein Instrument Von Sabine Reithmaier Der Gentleman D och,sagtHansKrasserundnickt. Ehrgeizig sei er gewesen. „Sogar sehr.“ Er fand es schrecklich, dass sein älterer Cousin Fred schon ein Jahr vor ihm mit dem Zitherlernen beginnen durfte. Der Achtjährige bet- telte seinen Vater solange, bis dieser schließlich ein Blatt nahm, Linien und Punkte darauf zeichnete und dem Sohn versprach, er würde ihn unterrichten, wenn er die Noten lesen könne. „Ich hab‘ das in fünf Minuten gelernt`, sagt Krasser. „Doch, ehrgeizig war ich immer.“ Enorm musi- kalisch natürlich auch, so wie seine ganze Familie. Großvater und Vater spielten Zither, die Großmuter Steirische. „Bei unseren Ge- burtstagsfeiern wurde eine Stunde ge- gessen und dann stundenlang musiziert.“ Wenn sich der Vater am Sonntag in die Gartenlaube setzte und zu spielen be- gann, dauerte es nicht lang, bis sich ein Nachbar mit Geige dazugesellte. „Haus- musik war etwas so Selbstverständliches, dass man keine Sekunde darüber nach- dachte.“ Ganz anders als heute. Die Krassers kommen ursprünglich aus Graz. Die Großeltern waren nach Nord- deutschland gezogen, weil es dort in Zechen und Fabriken Arbeit gab. Auch Krassers Vater war Bergmann, hackte allerdings keine Kohle, sondern war als Rutschenmeister verantwortlich für die Maschinen. Vier Jahre unterrichtete er seinen Sohn, 1945 übernahm Paul Wolf die Ausbildung. „Ich habe jeden Tag drei Stunden geübt“, sagt Krasser. So inten- siv, dass er schließlich nahe- zu „blind“ spielte. In Konzerten kehrte er manchmal dem In- strument den Rücken zu und griff hinter sich in die Saiten. Einfach so aus Spaß. Auswendig spielte er sowieso alles. Und bis heute am liebsten das, „was sehr schwer und nicht vom Blatt zu spielen ist.“ 19 Jahre war er alt, als er in einem Konzert im Bochumer Ratshaussaal ein Stück von Franz von Paula-Ott spielte, dem Komponisten und Interpreten, der als erster Arpeggien auf der Zither ein- führte. Das Werk galt als extrem schwie- rig. Als Krasser die Bühne betrat, sah er sofort jede Menge Zitherexperten im Publikum sitzen, alle mit den Noten auf dem Schoß zum Mitlesen. Nervös habe ihn das nicht gemacht, sagt Krasser, aber „grantig“. 1948 gründete sich in Bochum der Westdeutsche Zitherverband neu. Paul Wolf beschloss, seinen begabten 15-jäh- rigen Zögling dort dem Fachpublikum vorzustellen. Hans beeindruckte auf Anhieb, obwohl er sich ein Instrument vor Ort ausleihen musste. Ewald Ku- chenbuch, der Solist der Veranstal- tung, überredete die Eltern, dem be- Hexer nannten ihn die Kinder, die Hans Krasser 1978 bei ei- nem Seminar in Remscheid abends beim Spielen zuhörten. PORTRÄT |11

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