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2015_Zither-Mag_1

Während sich in der Nachbargarderobe ein Blasorchester einspielt, versucht das Zitherorchester die schwierigsten Tempoübergänge seines Stücks zu pro- ben, was nicht leicht fällt angesichts des dumpfen Dröhnens der Nachbarn. Wenn der Spruch „je schlechter die Voraus- setzungen, desto besser das Ergebnis“ stimmt, kann nichts mehr schiefgehen. Aber das Schicksal hat seine Launen. Nach gefühlten zwei Stunden Verspä- tung (es sind nur 25 bis 30 Minuten) stürmen junge Helferinnen und Helfer herbei und schaffen Tische und Hocker in den über einen labyrinthischen Ver- bindungsgang erreichbaren Festsaal. Alles klappt wie am Schnürchen, der Aufbau ist perfekt, das Dirigierpult wird in allerletzter Minute herbeigeschleppt. Schon will Dirigent Fredrik Schwenk den Auftakt geben. Aber irgendetwas funktioniert mit der Technik nicht. Der Moderator bittet das Publikum um ein wenig Geduld. Die Lösung des techni- schen Problems zieht sich hin. Vor dem Konzert hatte man die Orchester gebe- ten, aus Zeitgründen jegliche Ansagen wegzulassen. Jetzt allerdings wäre es nett, beschließt der Moderator, mit ein paar Sätzen über das neue Werk die Zeit zu verkürzen. Und so erzählt der Kompo- nist über den Dichter Friedrich Hölder- lin und wie dessen späte, im Tübinger Turm entstandene Gedichte ihn zu einer neuen Komposition inspirierten. Nur ein paar Minuten, die aber den technisch Verantwortlichen des Orchesters wie Sekunden, dem Dirigenten und einigen Spielern hingegen wie Stunden vorkom- men. Dann ist das Problem gelöst: Die Bluetooth-Verbindung zwischen Compu- ter und Abspielgerät hatte in der riesi- gen Siegerlandhalle nicht funktioniert, die Verbindung stellte schließlich ein kon- ventionelles Kabel her, das jedoch erst beschafft werden musste. Jetzt kann es endlich losgehen. Die Spannung ist hoch, die Stimmung im Or- chestergutundsoerlebtim turm seinen großen Auftritt vor knapp eintausend Menschen, die während des sehr leisen Stückes den Atem anzuhalten scheinen, so still und konzentriert ist es bis hinauf in die hinteren Ränge. Am Ende viel Ap- plaus und ein Scheck. Und dann wieder in rasender Eile der Abbau, um Platz für die nächsten zu schaffen. Nach dem Ende des Preisträgerkonzerts verlassen voll beladene, größere und kleinere Autos der 28 teilnehmenden Laienorchester und Ensembles das Ge- lände um die Siegerlandhalle und fahren in alle Himmelsrichtungen davon. Und wieder wird es spät: Die letzten errei- chen ihren Heimatort erst nach Mitter- nacht. Aber schön war es trotzdem. Das Publikum scheint während des Stücks den Atem anzuhalten

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