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2015_Zither-Mag_1

Viele Persönlichkeiten, die heute das Bild der Zither in der Öffentlichkeit prä- gen, sind in irgendeiner Weise mit dem Münchner Zitherfestival musikalisch „erwachsen“ geworden – und das nicht nur in persönlicher, künstlerischer Hin- sicht. Auch ganz allgemein hat sich die öffentliche Wahrnehmung des Instru- ments über die Jahre hinweg maßgeb- lich verändert. In vielen Teilen lässt sich dieses Phänomen direkt oder indirekt auf die 1995 von Georg Glasl initiierte Festivalreihe zurückführen, wobei sich ein besonderer Effekt bereits in den An- fängen bemerkbar machte: das Gefühl einer positiven Aufbruchsstimmung, das alle erfasste, die sich an diesem Event in welcher Art auch immer beteiligten. Für mich kam diese Motivation zur rech- ten Zeit, denn nach und nach begann ich als Jugendlicher zu begreifen, dass das Instrument, das ich von frühester Kind- heit an erlernte, im Bewusstsein der mu- sikalischen Öffentlichkeit ein eher rand- ständiges Dasein führt. Die Erkenntnis verfestigte sich, als ich das heimatliche Biotop der städtischen Musikschule, des lokalen Zithervereins und der Kammer- musikgruppen am Gymnasium verlassen hatte und zum Studium nach München ging. Am dortigen Konservatorium be- kam man schnell die Rolle eines Exoten zugeordnet, beispielsweise wenn sich im Gespräch mit Studienkollegen der ande- ren Instrumentalklassen herausstellte, dass das Gegenüber keine Ahnung davon hatte, wie eine Zither aussieht. Diesem ärgerlichen Dilemma wusste Ge- org Glasl als Dozent mit viel Kreativität entgegenzuwirken. Die Konzerte seiner Zitherklasse mit der programmatisch ganz eigenen Mischung aus historischen und aktuellen Klängen gehörten immer zu den künstlerisch unkonventionells- ten und innovativsten Veranstaltungen des Konservatoriums. Die daraus resul- tierende Aufmerksamkeit und der Re- spekt sowohl dem Instrument als auch den Studierenden gegenüber beförderte unser Selbstvertrauen. Wie es jedoch „draußen“, also jenseits der Geborgen- heit der „Alma Mater“ Hochschule um die öffentliche Wahrnehmung der Zither bestellt war, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Gerade in den Neunzi- gerjahren wirkte die Lage zunehmend prekär, das Image und die Verbreitung des Instruments war auch unter uns Stu- denten ein häufiges Diskussionsthema. Große Hoffnung machte in dieser Hin- sicht die Reihe von Zitherfestivals, die damals von Georg Glasl aus dem Boden gestampft wurde. Gemeinsam mit vielen anderen Kräften, denen die Zukunft des Instruments am Herzen lag, bot sich hier die Möglichkeit, einen kulturellen Wandel aktiv mitzu- gestalten. Jeder konnte sich mit Ideen und Vorschlägen einbringen. Auf einmal sah man sich in der Lage, Projekte zu verwirklichen, die man alleine niemals gestemmt hätte. Klar war eines: Wollte man ein Publikum über den engen Kreis von „Kennern und Liebhabern“ hinaus erreichen – und das war ein vorrangiges Ziel – mussten die Beiträge auf höchs- tem Niveau, möglichst innovativ und in Zitherplakate an S-Bahnhöfen und überfüllte Aufzüge im Gasteig – das kann nur eines bedeuten: Es ist Festivalzeit und die Teilnehmer des Workshops sind unterwegs, hier begleitet von Peter Napret, dem Präsidenten des Slowenischen Zitherverbands (2. v. links). Martin und Yumiko Kerber musizierten bei Zither 3 (1999). Fotos: Manfred Neubauer, Clemens Bauer 33444 INI NENANSICHTHT

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