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2015_Zither-Mag_1

einem professionellen Rahmen gestaltet werden, egal ob nun Studenten, Profis, Laienmusiker oder Kindergruppen be- teiligt waren. Um die gewaltige Band- breite an Stilistiken, die auf der Zither möglich sind, sinnvoll präsentieren zu können, waren darüber hinaus thema- tische Schwerpunkte und konzeptuelle Denkweisen gefragt. Nur dadurch schien es möglich, dem ganzen Spektrum von Volks- und Unterhaltungsmusik bis hin zu Uraufführungen komprimiert an ei- nem Wochenende gerecht zu werden. Alles sollte seinen Platz haben, nur eben nicht „ordentlich“ getrennt, sondern nach Themen strukturiert und mit ei- nem roten Faden verbunden, der den sonst üblichen Ablauf von Festivalkon- zerten mitunter heftig durchkreuzte und so manches Experiment beinhaltete. Das eröffnete neue Denkweisen, über- raschte, beeindruckte und polarisierte – erregte aber in jedem Fall eine große öffentliche Aufmerksamkeit. Dabei entwickelte sich das Festival auch zu einem Forum für verschiedene Spielarten und Persönlichkeiten, nicht zuletzt in den „Forum-Konzerten“, die von StudentInnen verschiedener Kon- servatorien gestaltet wurden. Eine große Zahl jüngerer Künstler hatte hier die Möglichkeit, ihr Können einmal außer- halb der üblichen Klassenkonzerte zu präsentieren. Dabei kamen wir auch mit den Studierenden anderer Institute ins Gespräch und schlossen Freundschaften mit Gleichgesinnten. Bei aller Geselligkeit war mir von An- fang an sympathisch, dass Georg Glasl das Zitherfestival nicht als Instrumen- ten-Treff konzipierte, wo an einem Wo- chenende jeder Interpret ein paar Töne von sich geben durfte, bis alle abgefrüh- stückt waren. Er legte Wert auf künst- lerische Inhalte, die zeigten, dass die Zither zu mehr fähig ist als zur bloßen Erfüllung von Klischees. Da ich selbst Komponist bin, war für mich der Anteil Neuer Musik immer ein attraktiver und wichtiger Schwerpunkt. Bereits als Jungstudent konnte ich im Rahmen von Zither 2 (1997) ein eigenes Stück mit Elektronik aufführen. An den anderen Festivaltagen hörte ich zum ersten Mal Werke von Fredrik Schwenk oder das großformatige Bereshit von Pe- ter Kiesewetter, also von Komponisten- persönlichkeiten, die mich auch später noch in vielerlei Hinsicht beeinflussten. Einschneidende Erlebnisse für meine künstlerische Entwicklung hielten auch die beiden folgenden Festivals bereit, speziell die Uraufführung meines ersten größeren Ensemblestücks „ALPenmusik“ beiZither3(1999),sowiezweiJahrespä- ter der erste Auftritt, den ich gemeinsam mit den „Gebrüder Teichmann“, einem Elektro-Duo aus Berlin, gestalten konn- te (Zither 4, „Unter Tage“). Nach über zehn Jahren dauert diese Kollaboration heute noch an und hat sich inzwischen zu einer festen Formation entwickelt. Gerade 1999 war das Medienecho enorm, und die Anwesenheit zahlreicher TV-, Radio- und Zeitungsjournalisten bestä- tigte den durchschlagenden Erfolg des Festivals. 2001 fand jenes umstrittene, fast schon legendäre Projekt statt, das Uraufführungen verschiedener Kompo- nisten zum Thema „Der dritte Mann“ beinhaltete. Bekanntlich rief dieser Performance-Abend kontroverse und heftige Publikumsreaktionen hervor, bis hin zur lautstarken Unterbrechung des Konzerts. Bei uns jungen Mitwirkenden sorgte das für echte Aufregung – wir fühlten uns als Punker der Zitherszene! Aktionen, die im Rahmen von Neue-Mu- sik-Veranstaltungen bestenfalls zu Irrita- tionen und Diskussionen geführt hätten, konnten innerhalb des Zitherfestivals noch echte Skandale hervorrufen. Letztlich schuf das Festival eine Ausnah- mesituation für jegliche Form von Musik und generierte zugleich eine neue Pub- likumsstruktur: Vom Volksmusik-Liebha- ber bis zum Avantgarde-Fan sitzen hier Menschen nebeneinander im Saal, die normalerweise selten denselben Weg in ein Konzert finden. Die Liebhaber Werkstattgespräch bei Zither 7 (2008): Über aktuelle Entwicklungen im Instrumentenbau diskutierten (von links) Martin Mallaun, Rosalyn Sabo, Zitherbauer Klemens Kleitsch, Fredrik Schwenk, Instrumentenbauer Kurt Hartwig und Georg Glasl. Im Vordergrund erläutert Zitherbauer Ernst Volkmann seine bahnbrechenden Entwicklungen. Foto: Clemens Bauer INNENANSICHTT 35353535

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