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2015_Zither-Mag_1

D ie Kratzzithern wie das Raffele in Tirol und die Scherr- zither im Allgäu sind in ihrer ursprünglichen Funkti- on Borduninstrumente mit zwei Griffbrettsaiten und mehreren Bordunsaiten und wurden meist solistisch gespielt. Heute haben sich die Scherrzither mit zwei Griffsaiten (e‘ e‘) und einer Zusatzsaite (e‘) und das Raffele mit drei Griffsaiten (a‘ a‘ d‘) etabliert und werden im En- semble gespielt. Die Zither präsentiert sich in ihrer Entwicklungsgeschichte in vielfäl- tigen Erscheinungsformen. Die Ur- form aller Saiteninstrumente ist das Monochord (Einsaiter), das bei den Griechen von Pythagoras und im Mittelalter in den Klosterschu- len auch als Theorieinst- rument verwendet wur- de. Das Scheitholt war in ganz Europa ver- breitet und wurde von Michael Praetorius in seinem „Syntagma mu- sicum“ 1619 unter die „Lumpen-Instrumenta“ eingereiht. Das Scheitholt lebt in einer Reihe regionaler Volksmusikinstrumente, von den Vogesen bis Ungarn, von Island bis Slowenien und entwickelt sich im Al- penraum zur Kratzzither weiter. Raffele ist nur eine der vielen Bezeichnungen für regi- onal ausgeprägte Formen, Stimmungen und Bauweisen von Kratzzithern im Alpenraum. Es sind instrumentenbaulich ver- wandte Instrumente. Ihre je nach Region verschiedenen Namen spielen auf die charakteristische Spieltechnik des Hin- und Her- schrappens über alle Saiten an. In Tirol und speziell in Südtirol ist es das Raffele („raffeln“), wobei auch Bezeichnungen wie Kralzither („kralen“), Scheitzither („wie ein Scheit Holz“), Raf- felzither oder Kratzzither („kratzen“) bekannt sind. Im Allgäu kennt man die Scherrzither („scherren“), im Werdenfelserland in Oberbayern die Scharr („scharren“) oder Doppelscharr mit zwei Griffbrettern und in Vorarlberg die Zwecklzither (Zweckl ist das „Schlagstöckle“ bzw. „Holzstäble“). Südtirol gilt vielen als das Zentrum und die Wiege des Raffele- spiels im Alpenraum. Unzählige Instrumente sind in Museen oder Privatbesitz erhalten. Es gibt in Sarn- und Passeiertal, in Burggrafenamt und Vinschgau noch eine mündlich überlieferte Spieltradition. Die Musizierenden waren Laien, die zum Tanz aufspiel- ten oder Lieder im Wirtshaus begleiteten. Als das älteste doku- mentierte Raffele aus Tirol gilt ein Scheitholt aus Schloss Mi- lan bei Brixen/Südtirol, mit der eingeschnitzten Jahreszahl „1675“ und einer Brandmarke mit den Buchstaben „ST“. Es hat die Form eines lan- gen Rechtecks und ist mit zwei Griff- Jedes Instrument ein individuelles Ein- zelstück: hier ein Raffele vom Oberniederhof in Unsrer Frau/ Schnals, das heute im Besitz von Agnes Tappeiner ist. Unten ein geschnitzter Wir- belstock mit Kopf, der Franz Gorters selbstgebautes Raffele aus dem Jahr 1934 schmückt. Fotos: Gianni Bodini VERWANDTSCHAFTEN |47

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