Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

2015_Zither-Mag_1

brettsaiten mit 14 diatonisch angeordneten Bünden, zwei Bor- dun- und zwei Schnarrsaiten bezogen. (Quelle: Leipzig, Katalog des Musikinstrumenten-Museums der Universität, Inv.-Nr. 413). Abgebildet wurde es erstmals im Museumskatalog von Georg Kinsky, Köln 1912, und ging später im Krieg verloren. Das Raffele wurde früher von den Spielern meist selbst gebaut. JedesInstrumentwareinindividuellesEinzelstück.Deshalbgab es nie zwei gleich aussehende, selten zwei gleich gestimmte In- strumente. Form, Besaitung, Stimmung und Spielweise war je nach Herkunft, Landschaft und individuellen Bedürfnissen des Spielers verschieden. Die Saiten waren meist aus Eisen- bzw. Messingdraht oder es wurden die im Handel erhältlichen Gitar- re- oder Zithersaiten verwendet. Oft wurde das Raffele kunstvoll mit Malereien oder Schnitzereien im Schalloch (Rosette) oder am Wirbelstock verziert. Der einfache, einseitig ausgebauch- te Resonanzkörper besaß ein aufgeleimtes Griffbrett aus Hartholz mit meist 14 Bünden aus gebogenem Ei- sendraht, die so genannte „Salzburger Form“. Die Bünde waren diatonisch an- geordnet, wurden oft nur nach Gehör positioniert und in das Griffbrett eingeschlagen. Durch die Anordnung der Drahtbünde in einer von der Unterquarte beginnenden Dur-Tonleiter ergibt sich das für die Kratzzither charakteristische Tonmaterial: von der Leersaite des Griffbrettes (Unter- quart) steigt die diatonische Tonleiter in Ganztönen zum Grundton am dritten Bund; hier beginnt eine diatonische Tonleiter in Dur bis zum höchsten Bund (meist Oktave plus Quint vom Grundton an). Die Saiten wurdenmitgeschmiedeten,eisernenStimmnägelnbefestigtund gestimmt. Zu den zwei gleichgestimmten, meist doppelchörigen Griffbrettsaiten kamen drei bis sieben freischwingende Bordun- saiten dazu. Diese Bordunsaiten waren meist in Grundton und Quint gestimmt, selten als Durdreiklang. Ab und zu tauchen sogenannte Zwillings- und Drillingszithern auf, Raffelen, wo auf einem Resonanzkörper zwei oder drei Griffbretter mit den dazu gestimmten Bordunsaiten aufgeleimt sind, um schnell in tiefere oder höhere Tonarten wechseln zu können. Oft wurde auch ein eigener Wirbelstock für die „Trompeterln“ oder „Oktävchen“, die hohen Begleitsaiten, angebracht. Diese Bauart setzte sich aber nicht durch. Anschaulich beschreibt Fritz Stradner in 16 Bau- versuchen den Weg vom Monochord zur Kratzzither in seinem Aufsatz „Vom Scheitholz zur Kratzzither“ (In: Jahrbuch des Ös- terreichischen Volksliedwerkes 18, Wien 1969, S. 66–80). Als Plektron für den Anschlag mit der rechten Hand diente ein geschnitztesStückHolz,einFischbein,eineSpeckschwarteoder ein eigens präpariertes Stück einer Kuh- oder Geißklaue. In der Regel wurden Griffbrett- und Bordunsaiten immer gleichzeitig angeschlagen. Dadurch ergab sich zur ein- oder zweistimmigen Melodie eine natürliche, füllende Bordunbegleitung ähnlich wie bei Dudelsack oder Drehleier. Da das Raffele relativ klein gebaut wurde und sich eine enge Mensur am Griffbrett ergab, wurden die Griffsaiten mit den Fingern der linken Hand gegriffen und nicht mit einem Stöck- chen niedergedrückt, wie es beim Scheitholt üblich war. Diese histo- rische Spielpraxis als Bordun-So- loinstrument mit ihren Melodien ist weitgehend in Vergessenheit geraten und wird erst in den letzten Jahren wieder praktiziert. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Zitherinstrumente weiter. Die Kratzzither (mit Plektronanschlag) entwickelte sich über die Schlagzither (mit Daumenringanschlag der Griff- brettsaiten und die Trennung in einzel- ne Bass- und Akkordsaiten) zur Konzert- zither mit chromatischen Bündegriffbrett und einem in Quart-Quint-Stimmung an- geordneten Freisaitenbereich. Durch die Blü- tezeit der Gitarre und später auch der Zither änderte sich das musikalische Empfinden auch dem Raffelespiel gegenüber. Man empfand die Bordunsaiten als störend und „harmonisch falsch“ und ging zu einer funktionsharmonisch geprägten Spiel- weise in Dreiklängen über. Bemerkenswert ist, dass die instru- mentenbauliche und spieltechnische Umstellung vom Bordun- zum Akkordinstrument nicht an allen Orten zur gleichen Zeit vor sich ging. In den touristischen Hauptorten wie Meran und Umgebungwurdeschonbaldnach1900aufdasdreisaitigeRaffe- le umgestellt und mit viersaitigen Instrumenten experimentiert. Es entwickelte sich eine schwungvolle, fast virtuose Spielweise Eine Drillingszither, die der Musikwissenschaftler Dr. Alfred Quellmalz in seine umfangreiche Samm- lung aufgenommen hat. Foto: Bereich Deutsche und ladinische Musikschu- len - Referat Volksmusik. Bedeutende Südtiroler Raffelespieler: Pius Thaler (1912-1983) aus Unterreinswald im Sarntal (Bordun-Spielweise), Josef Kofler (1882-1968) aus Göflan im Vinschgau (dreisaitiges Raffele), Sebas- tian Schlögl (1873-1952) vulgo „Winkler Wast“ aus Naturns im Vinschgau (zweisaitiges Raffele), Franz Gorfer (1914-1993) vom Obervernatsch-Hof in Katharinaberg/Schnals (Bordun-Spielweise), Alois Schweitzer (1915-1997) aus Partschins (dreisaiti- ges Raffele), Johann Rainer vulgo „Mesner-Hans“ (1912- 2011) aus Unser Frau im Schnalstal (zweisaitiges „Schnalser-Raffele“), Albin Dand- ler (* 1936) aus Pfelders im Passeiertal (Bor- dun-Spielweise) 48 | VERWANDTSCHAFTEN

Seitenübersicht