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2015_Zither-Mag_1

renbauer Josef Johann Ennemoser (1875-1953) aus Obermais in Südtirol, der sein Handwerk beim Zitherfabrikanten Franz Seith in München lernte und von 1902 an in Meran seine Instru- mentenbauwerkstätte führte. Er baute dreisaitige Raffelen mit Griffbrettern und Stimmwirbeln, wie sie im Zitherbau üblich wa- ren. Die original erhaltene Werkstätte Ennemosers wurde in die Zither-Daueraustellung der Sammlung Walther Schwienbacher im Volkskundemuseum Dietenheim bei Bruneck integriert. Der Zither- und Gitarrelehrer Anton Hasslwanter (1886-1941) betrieb in Innsbruck von 1922 an ein Musikgeschäft und vertrieb neben Zithern auch dreisaitige Raffelen. Nach seinem Tod führ- te seine Frau vorübergehend das Geschäft. Sein Sohn Friedrich übernahm das Geschäft und führt es mit seiner Frau Christine bisheute.FriedrichbauteaufAnregungvonPeterPaulHornofin den Sechziger- bis Achtzigerjahren dreisaitige Raffelen. IndenSiebzigerjahrenbegannderTischlerJakobThaler(*1941) aus Sarntheim Raffelen nach dem Vorbild Ennemosers zu bauen, kunstvoll mit Schnitzarbeiten verziert. Er baute Borduninstru- mente nach alten Vorbildern, dreisaitige Standardstimmungen oder die viersaitigen Raffelen für Spieler aus Meran und dem Burggrafenamt. Der Berufschullehrer und Musikliebhaber Jo- hann Hintner (1940-2009) aus St. Martin in Gsies in baute 25 Jahre lang Raffelen und experimentierte mit moderner Mecha- nik, chromatischen Griffbrettern und einem größerem Korpus. Wegen ihres kräftigen Klangs fanden seine Raffelen große Ver- breitung. Inzwischen baut fast jeder professionelle Zitherbauer auf Wunsch auch Raffelen. Die Lehrerin und Wirtin Marianne Elsler (1907-2000) aus Dorf Tirol bei Meran hat über 50 Jahre Dutzenden Jugendlichen und Erwachsenen das Raffelespiel beigebracht. Ihr Mann Fritz Elsler führte das viersaitige Raffele (a’ a’ d’ g) ein und komponierte Stücke wie den „Schloss Tirol Marsch“. Heute noch spielt die Dorf Tiroler Raffelemusig (Kathi Ladurner, Matthias Waibl, Andreas Platter) mit Raffele, Zither und Gitarre Stü- cke aus der Überlieferung Marianne Elslers. Der Zitherspieler Peter Paul Hornof (1895–1972) aus Meran wirkte erst in seiner Heimatstadt, von 1942 an der Musikschule und am Konservatorium in Innsbruck als Zither- und Raffeleleh- rer. Er verfasste erstmals eine „Volkstümliche Raffele-Schule“, die die Normierung des dreisaitigen Raffele mit den Griffsaiten a‘ a‘ d‘ festigte. Diese Schule baut auf die klassische Musikthe- orie auf und ist stark von der komplizierteren Zithertechnik beeinflusst. Bereits kurz nach ihrem Erscheinen rief die Raffe- le-Schule neben Lob und Anerkennung auch Kritik von Volks- musikforschern wie Walter Deutsch hervor, der die Schule im Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes (Wien 1965) rezensierte. Deutsch kritisierte u.a. das fehlende Hinführen zur Vielfältigkeit der Volksmusik, das Ignorieren von Ergebnis- sen der Volksmusikforschung (z.B. jene von Karl Horak) und wünschte den Schülern, dass sie einen besseren musikalischen Geschmack entwickeln, als er ihnen hier geboten werde. Trotz- dem war diese Raffele-Schule jahrzehntelang das einzig syste- matische Unterrichtswerk für Raffele. Heinz Gratz (1943-2001), Für viele Raffelespieler bis heute ein Vorbild ist Max Engel (oben li.). Franz Gorfer aus dem Schnalstal (oben re.) zählt wie die Wirtin Marianne Elsler, die im Juli 1940 mit Hermann Prantl (links) und Anton Kaufmann auf einer Wiese musizier- te, zu den Spielern, die viel bewegten. Neue Wege geht die Gruppe „Opas Diandl”. Fotos: Archiv Fam. Engel / Johanna Springeth / Sammlung Quellmalz. Be- reich Deutsche und ladinische Musik- schulen / Manfred Neubauer 50 | VERWANDTSCHAFTEN

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