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2015_Zither-Mag_1

Volksmusik-undBrauchtumspflegeramLandratsamtRottal-Inn, beschäftigte sich intensiv mit Raffele und Zither. Seine 1979 ver- öffentlichten „Raffele Griff- und Notenbilder“ waren als Ergän- zung und Lernhilfe zur „Raffele-Schule“ von Hornof gedacht. Stilbildend wirkte sich die Engel-Familie aus Reutte in Tirol aus. Sie kombinierte von den Fünfziger- bis in die Achtzigerjahre das Raffele in einer Art volksmusikalischer Kammermusik mit allen möglichen „klassischen“ Instrumenten wie Geigen, Flöten, Fagott, Akkordeon und Gitarre und stellte durch ihre virtuose SpielweisedasRaffeleweltweitvor.RaffelespielerMaxEngelwar und ist für viele ein wichtiges Vorbild. Vater Fritz (1904-2004) komponierte zahlreiche einfache bis raffiniert virtuose Raffele- stücke. Die Musiklehrerin Susanne Fritz aus Mutters in Tirol ist eine Enkelin von Fritz Engel. Sie ist eine gefragte Raffele-Refe- rentin, hat mit viel Gespür eigene Stücke komponiert und aufge- schrieben. Der Gitarrist und Musikschullehrer Michael Andreas Haas aus Rieden bei Reutte in Tirol war Schüler von Fritz Engel und musiziert mit seiner Familie in verschiedenen Besetzungen. In seinem Heft „Freude mit dem Raffele. Ein Lern- und Spiel- buch“haternebeneinerAnleitungaucheigeneStückefürRaffe- le aufgeschrieben. Eine weitere wichtige Persönlichkeit war Max Schraudolf (1918–1999), der die Scherrzither von dem Sennhir- ten und Holzer August Bader kennen lernte. Er engagierte sich dafür, dass das Instrument im Allgäu wieder gespielt wurde. Natürlich gibt es noch viele weitere Raffelespieler, die zu nennen wären, unter anderen die Raffelemusik Hüttlinger-Milz aus dem Allgäu, die seit Anfang der Siebzigerjahre mit Raffele, Hackbrett, Diatonischer Harmonika, Gitarre und Kontrabass musiziert, oder die Fasanerier Raffele- und Hackbrettmusi aus München, die seit 1983 nach dem Vorbild von Max Schraudolf und Alfred Hüttlinger aufspielt. Oder Hartmut Brandt aus Sonthofen im Allgäu, der sich als begeisterter Musikant der Vermittlung des chromatischen Raffeles verschrieben hat. Nicht zu vergessen ist die Cross-Over-Gruppe Opas Diandl aus Südtirol, in der Markus Prieth Raffele spielt. Ihre unbekümmerte, energiegeladene Mu- sik lebt von der urigen Klangfarbe des Raffele in der Kombinati- on von Streichinstrumenten, Schlagzeug und Gesang. Ich selbst musiziere als Obervinschger Raffelemusi mit dem Gitarristen Martin Moriggl seit 25 Jahren nach dem Vorbild traditioneller Südtiroler Raffelespieler aus dem Vinschgau. Auf dem Raffele mit Standardstimmung bringen wir alte Melodien zum Klingen und haben auch neue Stücke in unserem Spielgut. Heute zeigt sich das Raffele in seiner normierten Form mit ei- nem dreisaitigen Griffbrett (a‘ a‘ d‘): chromatisch von der Leer- saite a‘ (Unterquart) bis zum 5. Bund d‘‘ (Grundton), führt ab dem 5. Bund eine diatonische Dur-Tonleiter im Umfang einer Oktave plus Quint weiter. Mit diesem Tonmaterial wird meist in den zwei Grundtonarten D- und G-Dur musiziert. Das chromati- sche Raffele mit Griffbrett, Orientierungspunkten und Mechanik wie bei der Konzertzither wird sowohl als Begleit- als auch Melo- dieinstrument eingesetzt. Die Vielzahl an traditionellen diatonischen Stücken mit Raffele und Gitarre zeugt von der Verankerung in der regionalen Volks- musik. Natürlich gibt es auch konzertante Auftritte bei Veran- staltungen. Die jüngere Generation erweitert die harmonischen Möglichkeiten, beginnt sich allmählich zaghaft in anderen stilis- tischen Bereichen zu bewegen und kombiniert dasRaffele nicht nur mit Saiteninstrumenten. Skordaturen der Spielsaiten wer- den eingesetzt. Durch die Skordatur der ersten Saite a‘ nach b‘ (Halbton höher) und der anderen Saiten a‘ und d‘ nach g‘ und c‘ (Ganzton tiefer) lassen sich Bordunmelodien in Moll spielen. Die Rückbesinnung auf Bordun-Melodien, auch auf dem nor- mierten dreisaitigen Raffele spielbar, eröffnet dem Raffele neue, heute ungewohnte Klangwelten und gibt dem Instrument seine ureigene Ausstrahlungskraft zurück. Gernot Niederfriniger Jahrgang 1974, erforscht und dokumentiert das Leben und die Spielpraktiken alter Raffelespieler und holt die fast vergessene Bordunspielpraxis in Erinnerung. Er studierte am Tiroler Landeskonserva- torium in Innsbruck Zither und Blockflöte mit Lehr- befähigung. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Musiklehrer an der Musikschule Oberer Vinschgau ist er Chorleiter, Referent bei Volksmusikseminaren und Obmann des Südtiroler Volksmusikkreises. Re- gelmäßig gibt er Raffelekurse an Hochschulen und Konservatorien in Bayern, Österreich und Südtirol. Die jüngere Generation beginnt sich zaghaft in anderen stilistischen Bereichen zu bewegen VERWANDTSCHAFTEN |51

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