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2015_Zither-Mag_1 - Repertoire

Divertissement op. 38

Fernando Sor Divertissement op. 38 Der 1778 in Barcelona geborene und 1839 in Paris verstorbene Gitarrist, Komponist, Gutsverwalter und Polizeihauptkommissar in napo- leonischen Diensten, Joseph Fern- ando Macary Sor, der seine musika- lische Ausbildung im katalonischen Kloster Montserrat erhielt und eine glänzende Offizierslaufbahn absol- vierte, gilt vielen als der „Schubert“ der Gitarre und als einer der be- deutendsten Gitarristen seiner Zeit. Gernot Sauter hat Sors ursprünglich für Gitarrenduo komponiertes Diver- tissement op. 38 für zwei Diskant- zithern bearbeitet. | Nähe zu Schubert | Der erste Satz dieses dreisätzig angelegten Diverti- mentos in B-Dur besteht aus zwei vor allem rhythmisch kontrastierenden Teilen, deren erster, ein Andante mo- derato im 3/4-Takt, einen eher einleitenden Charakter hat, während das umfangreichere Andantino im 2/4-Takt mit sei- ner klar gegliederten Periodenbildung tatsächlich von Ferne an Schuberts Ecossaises erinnert. Der zweite Satz, eine durch lebhafteres Tempo im 3/8-Takt eindeutig französische Valse, erinnert in seiner Leichtigkeit an die Musik der Salons der napoleonischen Zeit zwischen Revolution und Restauration. Auch hier ist die Nähe zu Schuberts Tänzen spürbar, auch wenn Sor me- lodisch schwächer und in harmo- nischer Hinsicht konventioneller komponiert als der 19 Jahre jüngere Wiener Meister. Der Formverlauf der Valse entspricht bereits dem neueren Typus der Walzerfolge, der das Modell Scherzo oder Walzer - Trio - Walzer da capo zugunsten einer losen Folge un- terschiedlicher, in sich jeweils abge- schlossener Walzer bevorzugt. Dies ist uns von den Wiener Meistern Lanner und der Strauß-Dynastie her vertraut. Allerdings fällt auf, dass Sor zunächst fünf regelmäßig gebaute Walzerfolgen samt Wiederholung bringt, bevor er zu einem längeren Teil ausholt. Durch dieWiederaufnahmederWalzerfolgen entsteht eine dreiteilige Form, wie wir sie beim späten Johann Strauß Sohn häufig finden. In beiden Sätzen zeigt sich große kompositorische Routine. Die vom Psalteria- Verlag herausgegebene Bearbeitung liegt spieltechnisch gese- hen im eher anspruchsvollen oberen Bereich, vor allem dann, wennmandieOriginaltempidesKomponistenumsetzenmöch- te. Die gut gelungene Bearbeitung Gernot Sauters, die leider vom Druck her etwas klein geraten ist, stellt eine wirkliche Bereicherung der Zitherliteratur dar. Fredrik Schwenk Fernando Sor Divertissement op. 38 für Zitherduo (2 DZ) bearbeitet von Gernot Sauter Schwierigkeitsgrad 3 - 4 Psalteria-Verlag, Innsbruck PS AM 10 Preis: 14.50 Euro REPERTOIRE |59

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