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2015_Zither-Mag_1 - Repertoire

Logbuch (Hommage á K.V.)

Leopold Hurt Logbuch (Hommage à K.V.) Die drei Einträge ins Logbuch stel- len eine Art Hommage an den von Leopold Hurt bereits in mehrfa- cher Hinsicht portraitierten Komiker, Volkssänger und Autor Karl Valentin sowie an dessen Zitherkünste dar. Im Vorwort der 2007 erschienenen Erstausgabe schreibt der Kompo- nist: „Die Einträge aus Logbuch sind speziell als Konzertstücke für junge Interpreten konzipiert.“ Gedacht vor allem für Altzither sind sie auch für Diskantzither geeignet. Alle Griffsai- ten sowie es’ in den Freisaiten sind 50-cent tiefer gestimmt, während alle übrigen Freisaiten demzufolge einen Viertelton höher erklingen. | Verborgenes Band | Die gut zehn Minuten dauernden Einträge ent- sprechen äußerlich formal dem Typus einer dreisätzigen Sonata, da jeder Eintrag für sich steht und unabhängig von den anderen jeweils sein eigenes Material ex- poniert. Doch ergibt sich durch die lineare Strukturierung des Materials ein verborgenes Band, das die drei Einträge in satz- technischer Hinsicht zusammenhält. Alle drei Einträge sind spieltechnisch gut zu bewältigen und aufgrund der durchgän- gig äußerst klaren Notation auch für jüngere Spieler verständ- lich dargestellt. Alle neueren Spieltechniken sind im Vorwort erklärt. Im Logbuch verfolgt Leopold Hurt eine nachvollzieh- bare formale Struktur, die für Lehrer und Schüler keinerlei Hindernis auf dem Weg interpretatorischen Verständnisses darstellen sollte. Hinter dieser in der Neuen Musik eher seltenen Klarheit steht ein facettenreiches Werk, das die Fantasie von Kindern im Hinblick auf die Entdeckung neuer Klang- und Spielwelten anregt und damit einen wichtigen, über methodisch-didaktische Bemühungen hinausgehenden, künstlerisch authentischen Beitrag auf dem Weg zur neuen (Zither)-Musik leistet. | Erster Eintrag | Ausgelöst durch das aus acht kleinen No- ten bestehende Apoggiatura-Ornament, entsteht zunächst ein ostentatives tapping, das nach dem Einsatz einer enig- matischen Tonleiter abwärts in ein rhythmisch bestimmtes Wischen übergeht und verebbt. Der Eintrag beginnt mit einem neuntönigen Apoggiatura-Ornament von vorne, das deutlich weiter entwickelte tapping durchmisst akzentu- ierte Varianten und endet mit dem erneuten Einsatz einer in doppeltem Tempo abwärts strebenden Ton- leiter. Der dritte Einsatz des jetzt aus zehn Tönen bestehenden und durch das immer gleiche Tempo intensivierten Apoggiatura-Orna- ments löst die längste Entwicklung des tapping sowie der gleichmäßig schnellen Wischbewegungen aus, in der einzelne, herausgerupfte Töne den Gesamtverlauf beeinflussen. Ein markant punktierter Rhythmus bildet den Übergang zum letzten Ab- schnitt, der erneut das dritte Apoggi- atura-Ornament aufgreift. | Zweiter Eintrag | Das kompositori- sche Raffinement des zweiten Stücks besteht aus unterschiedlich wieder- holten Figuren, die, ohne einander zu ergänzen, jeweils ein Element des vorangegangenen fort- schreiben, so dass ein ostinates Kontinuum über dem Ton c zu entstehen scheint, das von der zweiten Hälfte an (Takt 52) bis zum Ende des Eintrags hin immer mehr ins Repetitive er- starrt. Eine weitere Auffälligkeit sind die ad absurdum geführ- ten, einfachen Liedharmonien, die am Ende in einen wilden clusterähnlichen Akkord münden, der in dynamische Extreme an- und ab- und wieder anschwillt. | Dritter Eintrag | Der Anfang des dritten Stücks könnte auch als eine Hommage an den 2012 verstorbenen Komponisten Peter Kiesewetter gelesen werden, dessen Schüler Leopold Hurt zeitweilig war. Mit großer Ruhe bildet ein sich fortwäh- rend veränderndes Intervall in den Freisaiten immer neue harmonische Zusammenhänge zur leeren Quinte in der Ober- stimme. Der Hauptteil ist eine freie Variation der „mit äu- ßerster Gelassenheit“ vorzutragenden Introduktion, die von einem mit der linken Hand gezupften Synkopenrhythmus auf a’ beherrscht wird. So wie am Ende der Introduktion das tie- fe C die Unterquinte zur durch das gesamte Stück leitenden Quinte g-d darstellt, bildet das a’ die Oberquinte. Ab Takt 51 folgt die auf zweimal vier Takte reduzierte Zusammenfassung der beiden Aspekte des Stückes, ehe es beinahe gleichschwe- bend temperiert auf g-d-es-a endet, wäre da nicht das d’ in den Freisaiten, das mit der 50-cent tieferen Stimmung der Griffsaiten und der Freisaite es’ dissoniert. Fredrik Schwenk Leopold Hurt Logbuch (Hommage à K.V.) Drei Einträge für Zither solo Schwierigkeitsgrad: 4 Verlag: Edition Zither Nr. EZ NM 16-2 Preis: 17,50 Euro REPERTOIRE |61

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